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EZB: Leitzinssenkung von unkonventionellen Maßnahmen flankiert
11.06.14 16:43
Nord LB
Hannover (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat geliefert, so die Analysten der Nord LB.
Nachdem Mario Draghi und seine Ratskollegen in den vergangenen Wochen jede Möglichkeit ergriffen hätten, um die Märkte auf ein umfangreiches geldpolitisches Maßnahmenpaket vorzubereiten, sei am vergangenen Donnerstag gleich eine ganze Reihe von Beschlüssen gefasst worden. Die Leitzinsen für die Eurozone seien dabei erwartungsgemäß verringert worden. Der Tendersatz sei hierbei auf 0,15% gesenkt worden.
Gleichzeitig seien auch die Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität (0,40%) sowie die Einlagefazilität (-0,10%) abgesenkt worden. Erstmals in der Geschichte der EZB notiere einer der drei Leitzinssätze folglich im negativen Bereich - eine Erfahrung, welche die Notenbank nach eigenem Bekunden nie habe machen wollen. Damit der Negativsatz auch einen entsprechenden Effekt habe, werde er nicht nur für die Einlagefazilität, sondern auch für die Überschussliquidität gelten, d.h. sämtliche bei der EZB geparkten und über den Mindestreservebetrag hinausgehenden Gelder würden mit diesem "Strafzins" belegt.
Die "Forward Guidance" sei dahingehend angepasst worden, dass die EZB damit rechne, dass die Leitzinsen für einen längeren Zeitraum auf diesem - aber eben keinem noch niedrigeren - Niveau verbleiben würden. Lediglich technische Anpassungen seien an dieser Stelle noch denkbar. Ohnehin seien die realwirtschaftlichen Auswirkungen dieses Schrittes sehr überschaubar.
Vor allem die derzeitigen Inflationsbewegungen dürften die Notenbanker in ihrem Ansinnen eines noch expansiveren geldpolitischen Kurses bestätigt haben. Die Inflationsrate sei im Mai innerhalb des Währungsraumes auf 0,5% Y/Y gesunken. Damit komme sie der Deflationsschwelle allmählich näher und gefährde zudem das EZB-Ziel von mittelfristig fest verankerten Preiserwartungen.
Der geringe Preisdruck komme auch in den aktuellen Inflationsprojektionen zum Ausdruck. Demnach würden die EZB-Volkswirte nur noch mit einer Inflationsrate von 0,7% in diesem und 1,1% im kommenden Jahr rechnen. Erst Ende 2016 sehe sie die Inflationsrate wieder in der Nähe der Zielmarke von etwa 2%.
Außerdem seien auch die Wachstumsprojektionen für 2014 nach unten revidiert worden. Nach dem enttäuschenden 1. Quartal würden die Notenbankvolkswirte nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,0% im laufenden Jahr rechnen. Dafür gehe die EZB allerdings von einer stärkeren Wachstumsdynamik im kommenden Jahr aus (Prognose: 1,7%).
Die zudem weiter als "abwärtsgerichtet" eingestuften Wachstumsrisiken dürften darüber hinaus ihren Beitrag zu einem anhaltend niedrigen Inflationsdruck leisten. Insofern erkläre sich auch, dass die Notenbank nicht nur die Leitzinsen gesenkt habe, sondern darüber hinaus auch eine Reihe unkonventioneller Maßnahmen ergriffen habe.
So habe die EZB entschieden, ihre Hauptrefinanzierungsgeschäfte mindestens bis September 2016 als Mengentender mit Vollzuteilung zu begeben. Darüber hinaus werde die EZB eine Reihe längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte begeben, die allesamt im September 2018 auslaufen würden. Die Notenbank beabsichtige, über diese Geschäfte dem Markt 400 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen.
Die entsprechenden Tenderoperationen würden allerdings zweckgebunden sein, was bedeute, dass Banken diese nur dann in Anspruch nehmen könnten, sofern sie bestimmte Anforderungen an ihr Kreditvergabeverhalten nachweisen würden. Die ersten beiden dieser zweckgebundenen LTROs würden im September sowie im Dezember des laufenden Jahres aufgelegt.
Allerdings habe die EZB auch erklärt, dass ein Verfehlen der Anforderungen dadurch geahndet werde, dass die Gelder im September 2016 vorzeitig zurückzuzahlen seien. Anders formuliert: Bis mindestens Mitte 2016 könnten sich Banken mit "billigem Geld" eindecken, ohne auch nur daran zu denken, die Kreditvergabeanforderungen zu erfüllen. Ob so der am Boden liegenden Kreditvergabe tatsächlich Auftrieb verliehen werden könne, müsse doch zumindest hinterfragt werden.
Ein weiteres Element der EZB-Entscheidung liege darin, die im Rahmen von SMP angekauften Staatsanleihen nicht mehr liquiditätsseitig zu sterilisieren. Damit würden dem Markt kurzfristig etwa 160 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt.
Darüber hinaus werde die Notenbank ihre Vorbereitungsarbeiten für die Ankäufe von ABS-Strukturen intensivieren - für den Moment werde sie allerdings (noch) keine Verbriefungen aufkaufen. Zudem habe man sich im Rat noch nicht über die Größenordnung möglicher Ankäufe verständigt.
Allerdings habe Draghi bereits die Anforderungen an entsprechende Papiere formuliert: Sie müssten einfach, real und transparent sein. Das Problem möglicher ABS-Ankäufe dürfte aber in erster Linie darin liegen, dass nur begrenzt Papiere zur Verfügung stünden, die diesen Anforderungen der EZB entsprechen würden. Zunächst müsste hier vor allem der Verbriefungsprozess für die Banken erleichtert werden.
Außerdem sei fraglich, ob die Banken vor dem Hintergrund von Bilanzprüfung, Asset Quality Review (AQR) und Stresstest überhaupt genügend Ressourcen und den Willen für expansivere Verbriefungstätigkeiten hätten. Alles in allem müsse man festhalten, dass die EZB ihren Worten zwar Taten habe folgen lassen, gleichzeitig aber auch genau das gefordert gewesen sei. Nach den vollmundigen Ankündigungen im Vorfeld habe die EZB ein deutliches Zeichen setzen müssen.
Die Marktreaktionen würden zeigen, dass die EZB geliefert habe - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sollte all das nicht helfen, die Inflationsraten bzw. die Inflationserwartungen ein Stück weit anzuziehen, habe Draghi bereits erklärt, dass die EZB "noch nicht am Ende" sei. Weitere Maßnahmen sind also denkbar, vermutlich käme dann auch klassisches Quantitative Easing auf den Plan - soweit sind wir aber noch nicht, so die Analysten der Nord LB. (11.06.2014/alc/a/a)
Nachdem Mario Draghi und seine Ratskollegen in den vergangenen Wochen jede Möglichkeit ergriffen hätten, um die Märkte auf ein umfangreiches geldpolitisches Maßnahmenpaket vorzubereiten, sei am vergangenen Donnerstag gleich eine ganze Reihe von Beschlüssen gefasst worden. Die Leitzinsen für die Eurozone seien dabei erwartungsgemäß verringert worden. Der Tendersatz sei hierbei auf 0,15% gesenkt worden.
Gleichzeitig seien auch die Zinssätze für die Spitzenrefinanzierungsfazilität (0,40%) sowie die Einlagefazilität (-0,10%) abgesenkt worden. Erstmals in der Geschichte der EZB notiere einer der drei Leitzinssätze folglich im negativen Bereich - eine Erfahrung, welche die Notenbank nach eigenem Bekunden nie habe machen wollen. Damit der Negativsatz auch einen entsprechenden Effekt habe, werde er nicht nur für die Einlagefazilität, sondern auch für die Überschussliquidität gelten, d.h. sämtliche bei der EZB geparkten und über den Mindestreservebetrag hinausgehenden Gelder würden mit diesem "Strafzins" belegt.
Die "Forward Guidance" sei dahingehend angepasst worden, dass die EZB damit rechne, dass die Leitzinsen für einen längeren Zeitraum auf diesem - aber eben keinem noch niedrigeren - Niveau verbleiben würden. Lediglich technische Anpassungen seien an dieser Stelle noch denkbar. Ohnehin seien die realwirtschaftlichen Auswirkungen dieses Schrittes sehr überschaubar.
Vor allem die derzeitigen Inflationsbewegungen dürften die Notenbanker in ihrem Ansinnen eines noch expansiveren geldpolitischen Kurses bestätigt haben. Die Inflationsrate sei im Mai innerhalb des Währungsraumes auf 0,5% Y/Y gesunken. Damit komme sie der Deflationsschwelle allmählich näher und gefährde zudem das EZB-Ziel von mittelfristig fest verankerten Preiserwartungen.
Der geringe Preisdruck komme auch in den aktuellen Inflationsprojektionen zum Ausdruck. Demnach würden die EZB-Volkswirte nur noch mit einer Inflationsrate von 0,7% in diesem und 1,1% im kommenden Jahr rechnen. Erst Ende 2016 sehe sie die Inflationsrate wieder in der Nähe der Zielmarke von etwa 2%.
Außerdem seien auch die Wachstumsprojektionen für 2014 nach unten revidiert worden. Nach dem enttäuschenden 1. Quartal würden die Notenbankvolkswirte nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,0% im laufenden Jahr rechnen. Dafür gehe die EZB allerdings von einer stärkeren Wachstumsdynamik im kommenden Jahr aus (Prognose: 1,7%).
So habe die EZB entschieden, ihre Hauptrefinanzierungsgeschäfte mindestens bis September 2016 als Mengentender mit Vollzuteilung zu begeben. Darüber hinaus werde die EZB eine Reihe längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte begeben, die allesamt im September 2018 auslaufen würden. Die Notenbank beabsichtige, über diese Geschäfte dem Markt 400 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen.
Die entsprechenden Tenderoperationen würden allerdings zweckgebunden sein, was bedeute, dass Banken diese nur dann in Anspruch nehmen könnten, sofern sie bestimmte Anforderungen an ihr Kreditvergabeverhalten nachweisen würden. Die ersten beiden dieser zweckgebundenen LTROs würden im September sowie im Dezember des laufenden Jahres aufgelegt.
Allerdings habe die EZB auch erklärt, dass ein Verfehlen der Anforderungen dadurch geahndet werde, dass die Gelder im September 2016 vorzeitig zurückzuzahlen seien. Anders formuliert: Bis mindestens Mitte 2016 könnten sich Banken mit "billigem Geld" eindecken, ohne auch nur daran zu denken, die Kreditvergabeanforderungen zu erfüllen. Ob so der am Boden liegenden Kreditvergabe tatsächlich Auftrieb verliehen werden könne, müsse doch zumindest hinterfragt werden.
Ein weiteres Element der EZB-Entscheidung liege darin, die im Rahmen von SMP angekauften Staatsanleihen nicht mehr liquiditätsseitig zu sterilisieren. Damit würden dem Markt kurzfristig etwa 160 Milliarden Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt.
Darüber hinaus werde die Notenbank ihre Vorbereitungsarbeiten für die Ankäufe von ABS-Strukturen intensivieren - für den Moment werde sie allerdings (noch) keine Verbriefungen aufkaufen. Zudem habe man sich im Rat noch nicht über die Größenordnung möglicher Ankäufe verständigt.
Allerdings habe Draghi bereits die Anforderungen an entsprechende Papiere formuliert: Sie müssten einfach, real und transparent sein. Das Problem möglicher ABS-Ankäufe dürfte aber in erster Linie darin liegen, dass nur begrenzt Papiere zur Verfügung stünden, die diesen Anforderungen der EZB entsprechen würden. Zunächst müsste hier vor allem der Verbriefungsprozess für die Banken erleichtert werden.
Außerdem sei fraglich, ob die Banken vor dem Hintergrund von Bilanzprüfung, Asset Quality Review (AQR) und Stresstest überhaupt genügend Ressourcen und den Willen für expansivere Verbriefungstätigkeiten hätten. Alles in allem müsse man festhalten, dass die EZB ihren Worten zwar Taten habe folgen lassen, gleichzeitig aber auch genau das gefordert gewesen sei. Nach den vollmundigen Ankündigungen im Vorfeld habe die EZB ein deutliches Zeichen setzen müssen.
Die Marktreaktionen würden zeigen, dass die EZB geliefert habe - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Sollte all das nicht helfen, die Inflationsraten bzw. die Inflationserwartungen ein Stück weit anzuziehen, habe Draghi bereits erklärt, dass die EZB "noch nicht am Ende" sei. Weitere Maßnahmen sind also denkbar, vermutlich käme dann auch klassisches Quantitative Easing auf den Plan - soweit sind wir aber noch nicht, so die Analysten der Nord LB. (11.06.2014/alc/a/a)
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| XFARIV001614 | 2,65 % | 2,15 % | ||


