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EZB-Sitzung: Gedämpfter Optimismus


04.06.24 10:06
nordIX AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - "Schöne neue Welt" hieß eine vor sehr langer Zeit veröffentlichte Publikation der damaligen Dresdner Bank, in der das zukünftige Zinsmuster sehr treffend beschrieben wurde, so Jens Franck, Leiter Portfoliomanagement bei dem Hamburger Fixed Income-Spezialisten nordIX AG.

Am 06. April treffe sich die europäische Notenbank EZB. Die Experten würden gleichgerichtet zur, über die Geldmärkte quantifizierbaren Markterwartung, einen 25-Basispunkte-Zinssenkungsschritt erwarten. Damit ende allerdings auch schon die Gemeinsamkeit. Die Experten würden keinen Paradigmenwechsel Richtung nur noch fallender Notenbankzinsen sehen. Aber noch scheine es ausgemacht, dass drei bis vier weitere Zinssenkungen im Jahr 2024 folgen würden. Beide Notenbanken würden sich jedoch von Sitzung zu Sitzung "hangeln" und datenabhängig entscheiden.

Das US-Konjunkturmuster verschlechtere sich gewollt. Das Eurozonen-Muster beginne sich mit ersten Preisüberwälzungsspielräumen zu fangen. Letztlich finde im großen Bild eine Angleichung statt. Unterliegende Inflationsaggregate würden gerade im Dienstleitungssektor aufgrund von Lohnsteigerungen noch keine Entwarnungen zeigen, geopolitische Risiken würden nicht an Relevanz verlieren. Der US-Wahlkampf gewinne an Schärfe, ein möglicher Sieg von Ex-Präsident Trump werde c.p. nicht Inflationsmindernd wirken. Soweit zum Umfeld, in dem die EZB zu entscheiden habe.

Genau hier setzt unser Call der schönen neuen Welt aus Kapitalmarktsicht an, so die Experten der nordIX AG. Die schon laufende Wiederaufnahme des disinflationären (Verringerung des Preisniveauanstiegs) Basistrends mit geringerer Amplitude und unterschiedlicher Ausprägung je nach Industriesektor incl. tendenziell entlasteter Banken und Unterschieden nach Dienstleistungen und Verarbeitendem Gewerbe im Vergleich zu vergangenen Zyklen führe in der Richtung, aber zeitlich noch nicht quantifizierbar zu einem neuen Gleichgewichtszustands der Zinsen ca. einen Prozentpunkt unter dem aktuellen Niveau. Es sei also kein Rückfall in Zeiten negativer Zinsen, es finde vielmehr eine kapitalmarktfreundliche Rückkehr zu normalverteilten Märkten statt. In jedem Fall falle der lange bestimmende Gegenwind steigender Zinsen in der Bewertung aller Assetklassen weg.

Im Gegenteil, es würden sich die Kapitaleinstandskosten verringern, was realwirtschaftliche Investitionen attraktiver mache. Das gelte auch für den lange gebeutelten Bereich der Immobilienmärkte, insbesondere auf der gewerblichen Immobilienseite. In der Summe heiße das, dass die Märkte wieder idiosynkratischer würden, sprich die Ergebnisse der Unternehmen in der Attribution an Relevanz gewinnen würden. Der Blick bleibe auf das konjunkturelle Muster gerichtet, es würden aber nicht genug Gründe für steigende Zinsen gefunden werden. Den Disclaimer hätten die Unsicherheiten in den militärischen Auseinandersetzungen und die Ausgänge zukünftiger Wahlen gesetzt, allen voran die US-Wahl am 05. November des Jahres.

Zusammenfassend würden die Experten eine erste Zinssenkung um 25 Basispunkte erwarten, aber auch eine Notenbank mit gedämpftem Optimismus sehen. Diese Erkenntnis tendenziell fallender Zinsen ungleich welcher Geschwindigkeit und Amplitude sei für den Rest des Jahres und darüber hinaus Grund genug, ein konstruktives Kapitalmarktumfeld zu zeichnen. Aktuelle Zinsen und Kreditrisikoprämien kompensieren ausreichend für diese Einschätzung, daher sollten als Resultat unseres Calls Positionen in den Zins- und Kreditmärkten aufgenommen bzw. gehalten werden, so die Experten der nordIX AG. (04.06.2024/alc/a/a)