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EZB-Sitzung: Wichtige Entscheidungen stehen an


06.09.16 11:09
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Öffentlich hat sich EZB-Präsident Draghi zuletzt sehr zurückgehalten, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.

Man könnte fast den Eindruck bekommen, die EZB wolle keine unnötige Aufmerksamkeit auf ihre Sitzung am Donnerstag lenken. Dabei stünden wichtige Entscheidungen an. Technische Parameter des EZB-Kaufprogramms müssten verändert werden, wenn es weiter operationalisierbar sein solle. Zudem werde die EZB feststellen müssen, dass ihre bisherigen Inflations- und Wachstumsprognosen wieder etwas zu optimistisch gewesen seien.

Auf ihrer Sitzung am Donnerstag werde die EZB bei ihren Prognosen Anpassungsbedarf nach unten realisieren. Nicht dramatisch viel - auf wahrscheinlich 1,5% für das Wachstum und 1,2% für die Inflation im nächsten Jahr; aber dennoch genug, um nicht ganz zufrieden sein zu können. Dass die Inflationsentwicklung auf einem nachhaltigen Pfad in Richtung 2% sei, könne die EZB jedenfalls noch nicht feststellen. Zuletzt habe die Jahresrate bei 0,2% gelegen und auch die Inflationserwartungen an Finanzmärkten und in Umfragen würden viel zu niedrig bleiben.

Was tun? Bislang habe die EZB betont, dass sie ihr Kaufprogramm solange fortsetzen werde, bis sie die Inflationsentwicklung auf einem nachhaltigen Pfad hin zu ihrer Inflationsnorm sehe. Das spreche aus heutiger Sicht klar für eine Verlängerung des Programms über März 2017 hinaus. Sicherlich könnte man dies auch noch im Dezember beschließen. Die EZB habe dann aber eine hohe Volatilität an den Finanzmärkten riskiert, die sicherlich gerne etwas Planungssicherheit bezüglich der zu erwartenden Nachfrage von Zentralbankseite hätten. 80 Mia. Euro pro Monat mehr oder weniger Nachfrage nach Anleihen in der Währungsunion mache nicht nur einen kleinen Unterschied aus.

Wichtig zu klären wäre auch, wie das Kaufprogramm in Zukunft umgesetzt werden könne. Derzeit würden vor allem der Deutschen, Finnischen, Portugiesischen und Irischen Zentralbank die verfügbaren Anleihen ausgehen. Die EZB sollte daher schnell beschließen, welche zusätzlichen Anleihen erworben werden dürften. Am einfachsten wäre es, wenn die EZB erlauben würde, Anleihen mit einer Rendite zu kaufen, die niedriger sei als ihr Einlagensatz von aktuell -0,4%. Zusätzlich könnte sie die Grenze hochsetzen, die das Eurosystem an einer bestimmten Emission und von einem einzelnen Schuldner halte. Käufe von Aktien hätten sicherlich auch einige Vorteile, aber für solch eine Maßnahme bräuchte die EZB wohl noch mehr Zeit.

Das Gleiche dürfte für tiefere Zinsen gelten, gegen die sich die öffentliche Stimmung immer stärker wende. Das würde Draghi zwar wohl nicht von einer Zinssenkung abhalten, aber er würde sie idealerweise wohl etwas stärker verbal vorbereiten. Auf den aktuellen Wechselkursniveaus gehen die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG aber nicht mehr von einer weiteren Verringerung der Zinsen aus. In jedem Fall dürfte Draghi die jüngsten Aufforderungen seines Direktoriumskollegen Cœuré wiederholen. Die unkonventionelle Geldpolitik bedürfe der Unterstützung anderer Politikbereiche. Sonst bestehe das Risiko, dass sie viel länger brauche, um erfolgreich zu sein. Aus temporär angedachten würden dann permanente geldpolitische Maßnahmen. Unerwünschte Risiken und Nebenwirkungen wären dann nicht mehr auszuschließen. (06.09.2016/alc/a/a)