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EZB-Vorsitz: Härtester Job der Welt?
28.07.23 13:49
Weberbank
Berlin (www.anleihencheck.de) - Während letzte Woche ein als Löwe verkleidetes Wildschwein die Berliner in Atem hielt, wartete man am Kapitalmarkt gespannt auf die Notenbanksitzungen, so Hannah Thielcke von der Weberbank.
Dabei habe weniger die bereits allseits erwartete Leitzinserhöhung auf beiden Seiten des Atlantiks im Fokus gestanden, sondern der Ausblick der Notenbanker auf die zweite Jahreshälfte. In den USA - so hätten die Analysten der Weberbank bereits berichtet - würden die Inflationszahlen bereits recht deutlich zurückgehen und die gleichzeitig noch stabile Wirtschaftslage gebe der US-amerikanischen Notenbank, Federal Reserve (FED), die Möglichkeit, noch mindestens einen weiteren Zinsschritt zu machen. Gleichzeitig sollten aus Sicht der Analysten der Weberbank die bisherigen Maßnahmen seitens der FED ausreichen, damit die bereits rückläufige Inflation weiter Richtung der Zielmarke von 2 Prozent sinke.
Ganz anders zeige sich gerade die Lage in der Eurozone: Die Kernrate der Inflation (exkl. Energie- und Lebensmittelkosten) halte sich weiter auf hohen Niveaus. Die Stimmungsindikatoren aus dem Verarbeitenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor würden ein düsteres Bild für die konjunkturelle Lage insbesondere in Deutschland signalisieren. Die Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands befinde sich aktuell fast auf den absoluten Tiefs der Corona-Krise. Die Zinserhöhungen, Chinas Wirtschaftsschwäche und eine globale Abkühlung der Konjunktur würden deutliche Spuren hinterlassen. Wie schlecht die harten Daten dann ausfallen würden, bleibe abzuwarten - ein erstes Warnsignal sollte es jedoch allemal sein. Die Europäische Zentralbank (EZB) befinde sich damit in einem Dilemma: Weitere Zinserhöhungen, um die Inflation zu bekämpfen, könnten die sowieso schon schwierige konjunkturelle Lage weiter verschlechtern. Mit ihrer gestrigen Sitzung habe sich die EZB die alle Optionen offengehalten und scheine auf die Abkühlung der Inflation in den nächsten Monaten zu hoffen.
Nachdem für China nach fast drei Jahren Covid-Restriktionen zu Jahresbeginn ein regelrechter Boom prognostiziert worden sei, von dem die globale Wirtschaft ebenfalls profitieren sollte, scheine dem Wachstumsmotor nun schon der Treibstoff auszugehen. Die Stimmung bei Verbrauchern und in der Wirtschaft bleibe weiter eingetrübt und vor allem die negativen Entwicklungen am Immobilienmarkt würden die wirtschaftliche Erholung hemmen. Anleger würden sich daher zunehmend die Fragen stellen: Werde China trotz des schwächeren Wirtschaftswachstums sein Ziel von um die 5% BIP-Wachstum in diesem Jahr schaffen? Werde Chinas Wachstum mittelfristig die Luft ausgehen, da die strukturellen Probleme wie eine hohe Verschuldung und Jugendarbeitslosigkeit zu gravierend seien? Wie würden geopolitische Spannungen, insbesondere das Verhältnis zwischen China und den USA das globale Konjunkturumfeld beeinflussen? Die chinesische Regierung habe nun bei ihrem letzten Treffen zur Wirtschaftspolitik einen Pro-Wachstumskurs eingeschlagen - die nächsten Quartale würden zeigen, inwiefern der Turnaround gelingen könne.
In dieser Woche habe die Berichtssaison nun so richtig Fahrt aufgenommen, weshalb eine abschließende Bilanz noch verfrüht wäre. Bisher würden sich jedoch die Ergebnisse im Durchschnitt doch besser zeigen als erwartet, wobei die Erwartungen an die Unternehmen im Vorfeld vergleichsweise gering ausgefallen seien. Diese geringe Hürde hätten die Unternehmen bislang sehr gut meistern können. Nach dem Rekordquartal Ende 2022 seien nun die Umsätze insgesamt zwar leicht rückläufig, jedoch nehme gleichzeitig auch der Kostendruck spürbar ab. In Summe führe das zwar zu leicht rückläufigen Gewinnen, die absolut gesehen jedoch weiterhin auf sehr hohen Niveaus verweilen würden.
Insofern gehe die Party am Aktienmarkt vorerst weiter und Spekulationen über ein Ende des Zinsanhebungszyklus in den USA würden die Stimmung zusätzlich anheizen. Der EURO STOXX 50 mache sich auf, seine Allzeit-Hochs aus der Zeit vor der Finanzkrise zu testen, und der amerikanische Leitindex S&P 500 schicke sich ebenfalls an, seine Hochs von Anfang 2022 auszuloten. Die Luft werde damit zusehends dünner am Aktienmarkt und negative konjunkturelle oder politische Überraschungen könnten schnell die Stimmung kippen. Allzu riskante Positionierungen seien aus Sicht der Analysten der Weberbank daher nicht das Mittel der Wahl. Eine deutliche Reduzierung der Aktienallokation jedoch auch nicht, da die Unternehmen weiterhin sehr solide dastünden. (28.07.2023/alc/a/a)
Dabei habe weniger die bereits allseits erwartete Leitzinserhöhung auf beiden Seiten des Atlantiks im Fokus gestanden, sondern der Ausblick der Notenbanker auf die zweite Jahreshälfte. In den USA - so hätten die Analysten der Weberbank bereits berichtet - würden die Inflationszahlen bereits recht deutlich zurückgehen und die gleichzeitig noch stabile Wirtschaftslage gebe der US-amerikanischen Notenbank, Federal Reserve (FED), die Möglichkeit, noch mindestens einen weiteren Zinsschritt zu machen. Gleichzeitig sollten aus Sicht der Analysten der Weberbank die bisherigen Maßnahmen seitens der FED ausreichen, damit die bereits rückläufige Inflation weiter Richtung der Zielmarke von 2 Prozent sinke.
Nachdem für China nach fast drei Jahren Covid-Restriktionen zu Jahresbeginn ein regelrechter Boom prognostiziert worden sei, von dem die globale Wirtschaft ebenfalls profitieren sollte, scheine dem Wachstumsmotor nun schon der Treibstoff auszugehen. Die Stimmung bei Verbrauchern und in der Wirtschaft bleibe weiter eingetrübt und vor allem die negativen Entwicklungen am Immobilienmarkt würden die wirtschaftliche Erholung hemmen. Anleger würden sich daher zunehmend die Fragen stellen: Werde China trotz des schwächeren Wirtschaftswachstums sein Ziel von um die 5% BIP-Wachstum in diesem Jahr schaffen? Werde Chinas Wachstum mittelfristig die Luft ausgehen, da die strukturellen Probleme wie eine hohe Verschuldung und Jugendarbeitslosigkeit zu gravierend seien? Wie würden geopolitische Spannungen, insbesondere das Verhältnis zwischen China und den USA das globale Konjunkturumfeld beeinflussen? Die chinesische Regierung habe nun bei ihrem letzten Treffen zur Wirtschaftspolitik einen Pro-Wachstumskurs eingeschlagen - die nächsten Quartale würden zeigen, inwiefern der Turnaround gelingen könne.
In dieser Woche habe die Berichtssaison nun so richtig Fahrt aufgenommen, weshalb eine abschließende Bilanz noch verfrüht wäre. Bisher würden sich jedoch die Ergebnisse im Durchschnitt doch besser zeigen als erwartet, wobei die Erwartungen an die Unternehmen im Vorfeld vergleichsweise gering ausgefallen seien. Diese geringe Hürde hätten die Unternehmen bislang sehr gut meistern können. Nach dem Rekordquartal Ende 2022 seien nun die Umsätze insgesamt zwar leicht rückläufig, jedoch nehme gleichzeitig auch der Kostendruck spürbar ab. In Summe führe das zwar zu leicht rückläufigen Gewinnen, die absolut gesehen jedoch weiterhin auf sehr hohen Niveaus verweilen würden.
Insofern gehe die Party am Aktienmarkt vorerst weiter und Spekulationen über ein Ende des Zinsanhebungszyklus in den USA würden die Stimmung zusätzlich anheizen. Der EURO STOXX 50 mache sich auf, seine Allzeit-Hochs aus der Zeit vor der Finanzkrise zu testen, und der amerikanische Leitindex S&P 500 schicke sich ebenfalls an, seine Hochs von Anfang 2022 auszuloten. Die Luft werde damit zusehends dünner am Aktienmarkt und negative konjunkturelle oder politische Überraschungen könnten schnell die Stimmung kippen. Allzu riskante Positionierungen seien aus Sicht der Analysten der Weberbank daher nicht das Mittel der Wahl. Eine deutliche Reduzierung der Aktienallokation jedoch auch nicht, da die Unternehmen weiterhin sehr solide dastünden. (28.07.2023/alc/a/a)


