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EZB: Vorübergehender (gewollter) Stillstand


16.07.24 10:00
nordIX AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Jens Franck, Leiter Portfoliomanagement bei dem Hamburger Fixed Income-Spezialisten nordIX AG, kommentiert die anstehende EZB-Sitzung am 18. Juli 2024.

Vorübergehender (gewollter) Stillstand…

Das beschreibe nicht nur die anstehende Sitzung vor der Sommerpause, sondern auch das grundsätzlich zu erwartende EZB-Notenbankmuster. Die EZB "hangele" sich von Sitzung zu Sitzung, werde zwischenzeitlich mit monetären Schritten pausieren, betone den datenabhängigen Ansatz und erde die Erwartungen subtil über die gewählte Rhetorik leiten.

Datenabhängiger Ansatz bedeute, dass noch mehr alle - wenn vorhanden - zinsrelevanten Daten interpretiert werden müssten. Hier habe es seit der letzten Sitzung nicht viel Neues gegeben, somit legitimiere sich die Pause bis zur nächsten Sitzung im September mit den sogenannten "staff projections" als Grundlage eines möglicherweise zweiten, aber definitiv noch nicht sicheren Zinssenkungsschritts. EZB-Präsidentin Lagarde habe nach dem jährlichen EZB-Forum zum Zentralbankwesen im portugiesischen Sintra nochmal betont, wie wichtig neue Daten seien.

Die Sitzung des EZB-Rats sei somit als eher unspektakulär einzuordnen. Die September-Sitzung nach der Sommerpause werde spannend, da sehe Jens Franck von nordIX die Möglichkeit eines zweiten Zinssenkungsschritts als deutlich relevanter. Für die in stetiger Konkurrenz stehenden Assetklassen bedeute es im großen Bild Rückenwind. Die Erwartung fallender Notenbankzinsen auf beiden Seiten des Atlantiks ganz gleich welcher Amplitude sei die Basis und Treiber für fallende Kapitalmarktzinsen auf einen neuen Gleichgewichtszustand ca. 75 bis 100 Basispunkte unter dem aktuellen Niveau. Somit wirke der Zins als das "Regulativ" der Kapitalmärkte wieder positiv und gebe den Märkten für die zweite Hälfte des Jahres jede Chance weiter gut zu performen.

Wenn man überhaupt einen Disclaimer setzen sollte, dann seien es die politischen Unsicherheiten aus der schwierigen Gemengelage als Resultat der EU- und Frankreich-Wahl und noch viel mehr die Unwägbarkeiten aus der anstehenden US-Wahl am 5. November des Jahres. (16.07.2024/alc/a/a)