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EZB: Zinssenkung nicht vor dem Sommer?
19.01.24 10:38
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Bei ihrer nächsten Sitzung am 25. Januar wird die EZB die Leitzinsen wahrscheinlich unverändert lassen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Eine überwältigende Mehrheit von 95% der EZB-Ratsmitglieder hätten in ihren jüngsten Äußerungen eine Beibehaltung der Zinssätze signalisiert. Unsere Analyse, die auf einer sorgfältigen Auswertung von Reden und Interviews der Ratsmitglieder basiert ("One person, one quote"), unterstützt diese Einschätzung, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Der aktuelle Stand der Leitzinsen liege bei 4,00% für die Einlagefazilität und 4,50% für den Hauptfinanzierungszinssatz. Die Analystenprognose sehe eine mögliche erste Zinssenkung im Juni 2024 und eine weitere im September desselben Jahres vor.
An den Finanzmärkten werde eine erste Zinssenkung im April eingepreist. Die Bemühungen der EZB-Ratsmitglieder, diese Spekulationen zu dämpfen, gelinge nur bedingt. Christine Lagarde, die Präsidentin der EZB, habe kürzlich zur Frage einer möglichen Zinssenkung im Sommer geäußert: "Ich würde sagen, dass es wahrscheinlich ist, muss mich aber zurückhalten." Zugleich habe Lagarde vor übermäßigen Spekulationen gewarnt und betont: "Es hilft unserem Kampf gegen die Inflation nicht, wenn die Erwartungen so hoch sind, dass sie weit über dem liegen, was wahrscheinlich passieren wird."
Die Äußerungen von Lagarde würden verschiedene Interpretationsmöglichkeiten bieten. Erstens sollte man ihre Aussagen nicht überbewerten, da sie keine verbindliche "Forward Guidance" darstellen würden, sondern eine interpretierbare Meinungsäußerung in einem Interview seien. Die zweite Möglichkeit sei, dass die EZB möglicherweise erst im Spätsommer oder bei der Sitzung am 12. September aktiv werde, was zu Lagardes Bemerkung passen könnte.
Das genaue Timing der ersten Zinssenkung bleibe jedoch ungewiss und hänge vor allem von der weiteren Entwicklung der Inflation und der Konjunktur ab. Ein Schlüsselfaktor für diese Entscheidung werde auch die Lohnentwicklung sein, wie in vielen Reden betont worden sei. Insbesondere habe der EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hervorgehoben: "Die (Lohn-)Daten für das erste Quartal werden erst Ende April verfügbar sein. Bis zu unserer Sitzung im Juni werden wir diese wichtigen Daten haben."
Die Reden der EZB-Mitglieder würden erkennen lassen, dass man bei der Einschätzung der weiteren Inflationsentwicklung vorsichtig bleibe. Im Dezember 2023 sei die Gesamtinflationsrate der Eurozone auf 2,9% YoY gestiegen, verglichen mit 2,4% im November. Auf der einen Seite lasse sich dieser Anstieg auf die beendeten fiskalpolitischen Maßnahmen, die im Vorjahr z.B. in Deutschland aufgrund der gestiegenen Energiepreise eingeführt worden seien, zurückführen und seien damit absehbar gewesen. Auf der anderen Seite würden im Januar preistreibende Effekte hinzukommen, wie die höhere Mehrwert- und CO2-Steuer in Deutschland. Weiterhin bestehe die Besorgnis, dass durch geopolitische Risiken wie dem Ukrainekrieg und dem Nah-Ost-Konflikt weitere Ölpreis- und Lebensmittelpreisschocks auftreten könnten, wodurch die Disinflation verzögert würde.
Das Lieblingszitat der Analysten sei von Joachim Nagel (Bundesbankchef): "It's highly likely that interest rates have reached their peak. To all those who have therefore gone straight to speculating about imminent rate cuts, let me say this: people have been known to back the wrong horse, so be careful." (19.01.2024/alc/a/a)
Eine überwältigende Mehrheit von 95% der EZB-Ratsmitglieder hätten in ihren jüngsten Äußerungen eine Beibehaltung der Zinssätze signalisiert. Unsere Analyse, die auf einer sorgfältigen Auswertung von Reden und Interviews der Ratsmitglieder basiert ("One person, one quote"), unterstützt diese Einschätzung, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Der aktuelle Stand der Leitzinsen liege bei 4,00% für die Einlagefazilität und 4,50% für den Hauptfinanzierungszinssatz. Die Analystenprognose sehe eine mögliche erste Zinssenkung im Juni 2024 und eine weitere im September desselben Jahres vor.
Die Äußerungen von Lagarde würden verschiedene Interpretationsmöglichkeiten bieten. Erstens sollte man ihre Aussagen nicht überbewerten, da sie keine verbindliche "Forward Guidance" darstellen würden, sondern eine interpretierbare Meinungsäußerung in einem Interview seien. Die zweite Möglichkeit sei, dass die EZB möglicherweise erst im Spätsommer oder bei der Sitzung am 12. September aktiv werde, was zu Lagardes Bemerkung passen könnte.
Das genaue Timing der ersten Zinssenkung bleibe jedoch ungewiss und hänge vor allem von der weiteren Entwicklung der Inflation und der Konjunktur ab. Ein Schlüsselfaktor für diese Entscheidung werde auch die Lohnentwicklung sein, wie in vielen Reden betont worden sei. Insbesondere habe der EZB-Chefvolkswirt Philip Lane hervorgehoben: "Die (Lohn-)Daten für das erste Quartal werden erst Ende April verfügbar sein. Bis zu unserer Sitzung im Juni werden wir diese wichtigen Daten haben."
Die Reden der EZB-Mitglieder würden erkennen lassen, dass man bei der Einschätzung der weiteren Inflationsentwicklung vorsichtig bleibe. Im Dezember 2023 sei die Gesamtinflationsrate der Eurozone auf 2,9% YoY gestiegen, verglichen mit 2,4% im November. Auf der einen Seite lasse sich dieser Anstieg auf die beendeten fiskalpolitischen Maßnahmen, die im Vorjahr z.B. in Deutschland aufgrund der gestiegenen Energiepreise eingeführt worden seien, zurückführen und seien damit absehbar gewesen. Auf der anderen Seite würden im Januar preistreibende Effekte hinzukommen, wie die höhere Mehrwert- und CO2-Steuer in Deutschland. Weiterhin bestehe die Besorgnis, dass durch geopolitische Risiken wie dem Ukrainekrieg und dem Nah-Ost-Konflikt weitere Ölpreis- und Lebensmittelpreisschocks auftreten könnten, wodurch die Disinflation verzögert würde.
Das Lieblingszitat der Analysten sei von Joachim Nagel (Bundesbankchef): "It's highly likely that interest rates have reached their peak. To all those who have therefore gone straight to speculating about imminent rate cuts, let me say this: people have been known to back the wrong horse, so be careful." (19.01.2024/alc/a/a)


