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EZB bleibt in der Beobachterposition
30.01.26 14:10
Helaba
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wenn sich die EZB in diesem Jahr erstmals zur Überprüfung der Leitzinsen trifft, spricht wenig dafür, dass sich die zurückhaltende Grundeinstellung im Rat verändert hat, so die Analysten der Helaba.
Immerhin sei die Teuerungsrate der Eurozone im Dezember zum zweiten Mal im Jahr 2025 unter die 2%-Marke gerutscht. Dass dies in den letzten 12 Monaten allerdings so selten der Fall gewesen sei, zeige ebenfalls, dass von einem klaren Abwärtstrend bei der Inflation keine Rede sein könne. Der Januar-Wert dürfte bereits wieder höher notieren.
Während die aktuelle Lage an der Inflationsfront also eher für kurze Diskussionen im Rat sorgen dürfte, könnten die Einflüsse der USA auf die Geldpolitik die Gemüter hochschlagen lassen. EZB-Präsidentin Lagarde schien beim Wirtschaftsforum in Davos von den EU-kritischen Ausführungen der US-Vertreter wenig begeistert zu sein. Der Konflikt um Grönland, der im Vorfeld von Davos beinahe eskaliert sei, die transatlantische Verbindung erschüttert habe und fast zu einem Handelskrieg zwischen den USA und der EU geführt habe, bedürfe der Aufarbeitung. Auch die mögliche Nachfolge von Fed-Chef Powell und die entsprechenden Konsequenzen dürften diskutiert werden.
Derzeit würden sich viele mögliche Entwicklungen lediglich in entsprechende Szenarien packen lassen. Dabei sei zuletzt deutlich geworden, dass die Risiken für die geopolitische und wirtschaftliche Stabilität höher seien als bislang vermutet. Einige dieser Entwicklungen hätten das Potenzial, die Inflationserwartungen nach oben zu treiben. Eine Auswirkung der geopolitischen Unwucht sei der latent schwache US-Dollar. Ein starker Euro sorge sowohl für niedrigere Importpreise und schwäche gleichzeitig die Exportunternehmen. Es gebe also tendenziell Spielraum für sinkende Leitzinsen. Wo hier die kritischen Marken lägen, sei jedoch unklar.
Positiv aufnehmen dürfte der EZB-Rat die Handelsabkommen mit den südamerikanischen Ländern (Mercosur) und Indien. Dies sollte der Euro-Konjunktur in einem ersten Schritt zumindest psychologischen Rückenwind geben. Was ebenfalls die Stimmung aufhellen könnte, sei das Zusammenlaufen der Renditen im Euroraum. Der Abstand der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen der größten Euro-Länder zu Bunds sei auf 0,5 Prozentpunkte gesunken - der niedrigste Stand seit 16 Jahren. Ob dies ebenfalls an einer kritischen Einschätzung der Anleger gegenüber Bundesanleihen liegen könnte, sei hier offengelassen. Die EZB dürfte es freuen, dass die Risikoaufschläge insgesamt moderat seien und dass trotz des Drucks, der auf Europa laste, keine Verspannungen erkennbar seien.
Nicht nur bei der US-Notenbank stünden personelle Änderungen an, auch bei der EZB gebe es einige Wechsel. So werde der kroatische Notenbankchef Boris Vujcic ab Mai neuer Vizepräsident. In dieser Konstellation habe Deutschland weiterhin die Chance, den Chefposten zu besetzen, wenn im Oktober 2027 die Amtszeit von Christine Lagarde ende. Wenn man alle bereits erfolgten und noch anstehenden Veränderungen berücksichtige, gewinne per saldo das Lager der geldpolitischen Tauben an Einfluss. Das prominenteste Beispiel sei das Ausscheiden von Robert Holzmann im letzten Jahr. Der österreichische Notenbankchef habe als einer der einflussreichsten geldpolitischen Falken gegolten. Sein Nachfolger Martin Kocher sei zuletzt mit dem Hinweis in den Schlagzeilen gewesen, dass die Euro-Stärke ab einem gewissen Punkt eine geldpolitische Reaktion erforderlich mache. An den Terminmärkten sei dies bereits berücksichtigt worden. Die Zinserwartungen hätten sich zuletzt wieder dem Einlagensatz genähert. (30.01.2026/alc/a/a)
Immerhin sei die Teuerungsrate der Eurozone im Dezember zum zweiten Mal im Jahr 2025 unter die 2%-Marke gerutscht. Dass dies in den letzten 12 Monaten allerdings so selten der Fall gewesen sei, zeige ebenfalls, dass von einem klaren Abwärtstrend bei der Inflation keine Rede sein könne. Der Januar-Wert dürfte bereits wieder höher notieren.
Derzeit würden sich viele mögliche Entwicklungen lediglich in entsprechende Szenarien packen lassen. Dabei sei zuletzt deutlich geworden, dass die Risiken für die geopolitische und wirtschaftliche Stabilität höher seien als bislang vermutet. Einige dieser Entwicklungen hätten das Potenzial, die Inflationserwartungen nach oben zu treiben. Eine Auswirkung der geopolitischen Unwucht sei der latent schwache US-Dollar. Ein starker Euro sorge sowohl für niedrigere Importpreise und schwäche gleichzeitig die Exportunternehmen. Es gebe also tendenziell Spielraum für sinkende Leitzinsen. Wo hier die kritischen Marken lägen, sei jedoch unklar.
Positiv aufnehmen dürfte der EZB-Rat die Handelsabkommen mit den südamerikanischen Ländern (Mercosur) und Indien. Dies sollte der Euro-Konjunktur in einem ersten Schritt zumindest psychologischen Rückenwind geben. Was ebenfalls die Stimmung aufhellen könnte, sei das Zusammenlaufen der Renditen im Euroraum. Der Abstand der Renditen 10-jähriger Staatsanleihen der größten Euro-Länder zu Bunds sei auf 0,5 Prozentpunkte gesunken - der niedrigste Stand seit 16 Jahren. Ob dies ebenfalls an einer kritischen Einschätzung der Anleger gegenüber Bundesanleihen liegen könnte, sei hier offengelassen. Die EZB dürfte es freuen, dass die Risikoaufschläge insgesamt moderat seien und dass trotz des Drucks, der auf Europa laste, keine Verspannungen erkennbar seien.
Nicht nur bei der US-Notenbank stünden personelle Änderungen an, auch bei der EZB gebe es einige Wechsel. So werde der kroatische Notenbankchef Boris Vujcic ab Mai neuer Vizepräsident. In dieser Konstellation habe Deutschland weiterhin die Chance, den Chefposten zu besetzen, wenn im Oktober 2027 die Amtszeit von Christine Lagarde ende. Wenn man alle bereits erfolgten und noch anstehenden Veränderungen berücksichtige, gewinne per saldo das Lager der geldpolitischen Tauben an Einfluss. Das prominenteste Beispiel sei das Ausscheiden von Robert Holzmann im letzten Jahr. Der österreichische Notenbankchef habe als einer der einflussreichsten geldpolitischen Falken gegolten. Sein Nachfolger Martin Kocher sei zuletzt mit dem Hinweis in den Schlagzeilen gewesen, dass die Euro-Stärke ab einem gewissen Punkt eine geldpolitische Reaktion erforderlich mache. An den Terminmärkten sei dies bereits berücksichtigt worden. Die Zinserwartungen hätten sich zuletzt wieder dem Einlagensatz genähert. (30.01.2026/alc/a/a)


