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EZB bleibt auf Inflationskurs
28.10.21 16:30
Degussa Goldhandel
München (www.anleihencheck.de) - Energiepreisschock und Güterknappheit treffen auf einen sehr großen "Euro-Geldmengenüberhang", und genau das wird die Güterpreisinflation weiter antreiben, so Dr. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt bei Degussa Goldhandel.
Zinserhöhungen seien dringend nötig, um die Preisinflation wirksam einzudämmen.
Am 28. Oktober 2021 habe der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen, die Zinsen unverändert zu lassen: Den Leitzins bei 0%, den Bankeneinlagenzins bei minus 0,5%.
Zugleich scheine der EZB-Rat eine vertrauensbildenden Maßnahme ergreifen zu wollen: Er stelle in Aussicht, seine Anleihekäufe (unter dem "PEPP") "moderat" zu verringern; es sollten zwar weiter Anleihen gekauft und mit "aus dem Nichts" geschaffenen Euro bezahlt werden, aber eben nicht mehr ganz so viele wie im zweiten und dritten Quartal 2021 geschehen.
Der EZB-Rat sei sich vermutlich darüber im Klaren, dass die Inflationserwartungen in den Märkten mittlerweile in die Höhe schnellen würden, und dass nun vor allem auch die Inflationserwartungen der Konsumenten stark in die Höhe steigen würden - die Zweifel an der Verlässlichkeit der EZB würden also wachsen. Um dem entgegenzuwirken vermutlich also der Hinweis des EZB-Rates auf künftige geringere Anleihekäufe und Geldmengenvermehrungen.
Gleichzeitig habe EZB-Präsidentin Christine Lagarde Spekulationen über Zinserhöhungen in 2022 zurückgewiesen. Ein unübersehbares Signal, wohin die geldpolitische Reise, das Schicksal der Euro-Kaufkraft tatsächlich gehe.
Denn zusammengefasst sei festzustellen, dass der EZB-Rat unbeirrt an seinem Inflationskurs festhalte. (Zur Erinnerung: Die jährliche Konsumpreisinflation in Deutschland werde im Okt. '21 bei schätzungsweise 4,5% liegen (der harmonisierte Index deute sogar auf 4,6% hin), im Euroraum habe sie im Sep. '21 bei 3,4% gelegen, in Spanien im Okt. '21 voraussichtlich bei 5,5%. Zudem würden die Häuserpreise stark anziehen, beispielsweise seien sie in Q3 '21 in Deutschland um 13,3% gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Zwar würden derzeit besondere und gewaltige "Kostenschubeffekte" (aufgrund von hoher Knappheit bei Energie, Vorerzeugnissen, Transport, Logistik etc.) wirken, die sich in steigenden Jahresänderungsraten der Preisindices zeigen würden.
Das eigentliche Problem sei jedoch, dass die preistreibenden Angebots- und Nachfrageeffekte auf einen sehr hohen "Euro-Geldmengenüberhang" treffen würden: Seit Anfang '20 sei die Euro-Geldmenge M3 dank der EZB um etwa 17% angestiegen, während die nominale Wirtschaftsleistung nahezu unverändert geblieben sei. Zudem wachse die Geldmenge M3 weiter stark an.
Im Sep. '21 sei M3 zwar mit 7,4% gegenüber dem Vorjahr etwas weniger als im Monat August (+7,9%) gestiegen, doch die dreimonatsdurchschnittliche, auf das Jahr hochgerechnete Rate sei mit 6,8% (nach 6,4% im Vormonat) immer noch sehr hoch gewesen. Vor dem Hintergrund des bereits aufgelaufenen Geldmengenüberhangs dürfte das folglich die Preisinflation weiter antreiben - wenn die EZB nicht die Zinsen anhebe.
Doch ein Umdenken, eine baldige Abkehr von der inflationären Geldpolitik sei leider nicht in Sicht. Vor allem auch deshalb nicht, weil die Politik des sich verschuldenden und ausgabefreudigen Staates wieder en vogue sei, und eine erhöhte Preisinflation komme manchen Regierungen sogar zupass: Sie verringere die Staatsschulden in realer Rechnung, und sie treibe einen konjunkturellen Scheinaufschwung an. Die Kosten der Inflation - steigende Staatsausgaben, politisch-soziale Spannungen etc. - würden dabei geflissentlich ausgeblendet (oder vielleicht sogar wissentlich in Kauf genommen).
In einem Umfeld weiter negativer Realzinsen und erhöhter Güterpreisinflation verursache das Halten von Euro-Geld, von Bankguthaben, von Geldmarktfonds und Rentenpapieren Verluste; auf tröstende, beschwichtigende Worte, die Preisinflation werde in 2022 schon wieder nachlassen, sollte man sich nicht verlassen. Eine Möglichkeit, dem geldpolitisch verursachten Euro-Kaufkraftschwund zu entgehen, sei für langfristig orientierte Anleger das Halten von physischem Gold und Silber. Wer einen Anlagehorizont von 3, 5 oder mehr Jahren habe, für den seien die aktuellen Preise sogar eine attraktive Einstiegsgelegenheit, wie die Experten meinen würden. Auch die Kurse auf den Aktienmärkten würden angesichts der weitergehenden Geldflutung durch die Zentralbanken vermutlich noch weiter in die Höhe getrieben. (28.10.2021/alc/a/a)
Zinserhöhungen seien dringend nötig, um die Preisinflation wirksam einzudämmen.
Am 28. Oktober 2021 habe der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) beschlossen, die Zinsen unverändert zu lassen: Den Leitzins bei 0%, den Bankeneinlagenzins bei minus 0,5%.
Zugleich scheine der EZB-Rat eine vertrauensbildenden Maßnahme ergreifen zu wollen: Er stelle in Aussicht, seine Anleihekäufe (unter dem "PEPP") "moderat" zu verringern; es sollten zwar weiter Anleihen gekauft und mit "aus dem Nichts" geschaffenen Euro bezahlt werden, aber eben nicht mehr ganz so viele wie im zweiten und dritten Quartal 2021 geschehen.
Der EZB-Rat sei sich vermutlich darüber im Klaren, dass die Inflationserwartungen in den Märkten mittlerweile in die Höhe schnellen würden, und dass nun vor allem auch die Inflationserwartungen der Konsumenten stark in die Höhe steigen würden - die Zweifel an der Verlässlichkeit der EZB würden also wachsen. Um dem entgegenzuwirken vermutlich also der Hinweis des EZB-Rates auf künftige geringere Anleihekäufe und Geldmengenvermehrungen.
Denn zusammengefasst sei festzustellen, dass der EZB-Rat unbeirrt an seinem Inflationskurs festhalte. (Zur Erinnerung: Die jährliche Konsumpreisinflation in Deutschland werde im Okt. '21 bei schätzungsweise 4,5% liegen (der harmonisierte Index deute sogar auf 4,6% hin), im Euroraum habe sie im Sep. '21 bei 3,4% gelegen, in Spanien im Okt. '21 voraussichtlich bei 5,5%. Zudem würden die Häuserpreise stark anziehen, beispielsweise seien sie in Q3 '21 in Deutschland um 13,3% gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Zwar würden derzeit besondere und gewaltige "Kostenschubeffekte" (aufgrund von hoher Knappheit bei Energie, Vorerzeugnissen, Transport, Logistik etc.) wirken, die sich in steigenden Jahresänderungsraten der Preisindices zeigen würden.
Das eigentliche Problem sei jedoch, dass die preistreibenden Angebots- und Nachfrageeffekte auf einen sehr hohen "Euro-Geldmengenüberhang" treffen würden: Seit Anfang '20 sei die Euro-Geldmenge M3 dank der EZB um etwa 17% angestiegen, während die nominale Wirtschaftsleistung nahezu unverändert geblieben sei. Zudem wachse die Geldmenge M3 weiter stark an.
Im Sep. '21 sei M3 zwar mit 7,4% gegenüber dem Vorjahr etwas weniger als im Monat August (+7,9%) gestiegen, doch die dreimonatsdurchschnittliche, auf das Jahr hochgerechnete Rate sei mit 6,8% (nach 6,4% im Vormonat) immer noch sehr hoch gewesen. Vor dem Hintergrund des bereits aufgelaufenen Geldmengenüberhangs dürfte das folglich die Preisinflation weiter antreiben - wenn die EZB nicht die Zinsen anhebe.
Doch ein Umdenken, eine baldige Abkehr von der inflationären Geldpolitik sei leider nicht in Sicht. Vor allem auch deshalb nicht, weil die Politik des sich verschuldenden und ausgabefreudigen Staates wieder en vogue sei, und eine erhöhte Preisinflation komme manchen Regierungen sogar zupass: Sie verringere die Staatsschulden in realer Rechnung, und sie treibe einen konjunkturellen Scheinaufschwung an. Die Kosten der Inflation - steigende Staatsausgaben, politisch-soziale Spannungen etc. - würden dabei geflissentlich ausgeblendet (oder vielleicht sogar wissentlich in Kauf genommen).
In einem Umfeld weiter negativer Realzinsen und erhöhter Güterpreisinflation verursache das Halten von Euro-Geld, von Bankguthaben, von Geldmarktfonds und Rentenpapieren Verluste; auf tröstende, beschwichtigende Worte, die Preisinflation werde in 2022 schon wieder nachlassen, sollte man sich nicht verlassen. Eine Möglichkeit, dem geldpolitisch verursachten Euro-Kaufkraftschwund zu entgehen, sei für langfristig orientierte Anleger das Halten von physischem Gold und Silber. Wer einen Anlagehorizont von 3, 5 oder mehr Jahren habe, für den seien die aktuellen Preise sogar eine attraktive Einstiegsgelegenheit, wie die Experten meinen würden. Auch die Kurse auf den Aktienmärkten würden angesichts der weitergehenden Geldflutung durch die Zentralbanken vermutlich noch weiter in die Höhe getrieben. (28.10.2021/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 24.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


