EZB dürfte erste Leitzinssenkung spätestens im Juni vornehmen


08.03.24 14:02
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Sowohl das Kiel Institut für Weltwirtschaft als auch das ifo-Institut haben ihre Wachstumserwartungen für die deutsche Volkswirtschaft im Jahr 2024 deutlich auf 0,1 bzw. 0,2 Prozent nach unten korrigiert, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

Vor allem das erste Quartal falle mit einer voraussichtlichen gesamtwirtschaftlichen Schrumpfung schwach aus. Die Kapazitätsauslastung der deutschen Industrie befinde sich mit nur noch 81 Prozent auf Rezessionsniveau. Im Jahresverlauf sei allerdings mit einer langsamen Stabilisierung der Konjunktur zu rechnen. Dabei dürfte eine erwartete Belebung in vielen europäischen Staaten sowie ein anhaltend dynamisches Wachstum in der Region Südostasien die Exportnachfrage antreiben.

Zudem würden Industrieunternehmen in Erwartung einer steigenden Nachfrage ihre zuletzt deutlich gesunkenen Lagerbestände aufstocken. Nicht zuletzt sollten die - derzeit durch hohe Lohnabschlüsse bei gleichzeitig weiter sinkender Inflation - stark steigenden Realeinkommen für eine höhere private Konsumgüternachfrage sorgen.

Die noch schwache gesamtwirtschaftliche Nachfrage mildere den Preissteigerungsdruck in der Eurozone. Folglich habe die EZB ihre eigenen Inflationsprojektionen deutlich auf 2,3 Prozent im Jahr 2024 und 2,0 Prozent im Folgejahr gesenkt. Christine Lagarde habe zwar die aktuell hohen Lohnsteigerungen als Grund für weiterhin bestehende Inflationsgefahren angeführt, jedoch gleichzeitig bemerkt, dass ein Teil davon durch sinkende Margen von Unternehmen kompensiert werde.

Zudem habe der Februar-Arbeitsmarktbericht für Deutschland einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit gezeigt, sodass sich der Lohndruck nach dem Ende der laufenden Tarifverhandlungen und der Berücksichtigung der hohen Inflationsraten der letzten zwei Jahre normalisieren sollte. Die Analysten würden davon ausgehen, dass das Inflationsziel der EZB von 2 Prozent im Laufe der nächsten Monate erreicht werde und die Notenbank vor diesem Hintergrund eine erste Leitzinssenkung spätestens im Juni vornehmen werde.

Für die US-Volkswirtschaft hingegen werde zwar weiterhin eine im Vergleich zum Vorjahr nachlassende Dynamik erwartet. Trotzdem seien die Erwartungen auf rund 2 Prozent Wachstum nach oben korrigiert worden. Besonders der sehr gut ausgelastete Arbeitsmarkt sorge für eine starke Nachfrage bei Dienstleistungen und Konsumgütern. Das Szenario einer Rezession werde für die US-Volkswirtschaft immer unwahrscheinlicher. Trotz der - mit rund 3 Prozent - vergleichsweise hohen Inflationsrate dürfte die US-Notenbank FED die Leitzinsen im Laufe des Sommers senken, denn das hohe Zinsniveau sorge bereits für zunehmende Ausfallraten bei Konsumentenkrediten und Kreditkartenforderungen. Zudem stünden US-Regionalbanken durch den Preisverfall im Segment der gewerblichen Immobilienfinanzierungen unter erheblichem Druck.

Der Nationale Volkskongress in China habe sich auf ein Wachstumsziel in Höhe von 5 Prozent für das Jahr 2024 festgelegt. Um dieses zu erreichen, würden weitere gezielte fiskal- und geldpolitische Stimuli nötig sein, die über eine Steigerung der Exportnachfrage auch den ausgeprägten Auftragsmangel deutscher Industrieunternehmen etwas lindern dürften.

Zudem versuche die chinesische Regierung weiterhin den Binnenkonsum zu stärken und die Abhängigkeit insbesondere vom Handel mit westlichen Industriestaaten zu verringern. Gleichzeitig sei eine Ausweitung der Militärausgaben beschlossen und betont worden, dass man Taiwan weiterhin als Teil Festlandchinas betrachte. Vor dem Hintergrund der potenziell enorm hohen ökonomischen Kosten für China würden die Analysten eine kriegerische Eskalation des Taiwankonfliktes für vorerst unwahrscheinlich halten.

Die Perspektiven für die Aktienseite würden trotz vielfach erreichter Allzeithöchststände auf Indexebene konstruktiv bleiben. Vor allem europäische Aktienindices seien aufgrund parallel ebenfalls gestiegener Unternehmensgewinne nicht überbewertet. Zudem sollten absehbare Zinssenkungen, die Stabilisierung der chinesischen Wirtschaft und die anstehende US-Präsidentschaftswahl die Aktienmärkte unterstützen, wenngleich geopolitische Unsicherheiten als Risikofaktoren im Blick bleiben sollten. Die Analysten würden davon ausgehen, dass der Selektion von Einzeltiteln eine große Bedeutung zukommen werde, denn insbesondere von der weiter steigenden Entwicklung und Nutzung Künstlicher Intelligenz würden einige, aber nicht alle Unternehmen deutlich profitieren. (08.03.2024/alc/a/a)






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