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EZB geht auf Nummer sicher


10.12.24 10:15
La Française

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihren Leitzins auf ihrer letzten Sitzung des Jahres angesichts der rückläufigen Wachstums- und Inflationsrisiken voraussichtlich um 25 Basispunkte senken, so François Rimeu, Senior Market Strategist, Crédit Mutuel Asset Management bei La Française Systematic Asset Management.

Dies dürfte sich in der Neubewertung ihrer makroökonomischen Projektionen widerspiegeln. Trotz Anzeichen wirtschaftlicher Schwäche in der Region würden die Experten jedoch nicht davon ausgehen, dass die EZB ihre geldpolitische Lockerung im Dezember beschleunigen werde, indem sie sich für eine Senkung um 50 Basispunkte entscheide.

Die Erwartungen der Experten:

Der EZB-Rat werde den zentralen Referenzzinssatz (Einlagefazilität) um 25 Basispunkte auf 3,0% senken.

Da die Inflation im Dienstleistungssektor weiterhin zu hoch sei (rund 4%), würden die Experten auf dieser Sitzung keine veränderte Kommunikation zur europäischen Geldpolitik erwarten. Die EZB werde wahrscheinlich ihren datenabhängigen Kurs beibehalten und ihre Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung treffen, ohne sich im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad festzulegen. Allerdings werde die EZB darauf hinweisen, dass in den kommenden Monaten weitere Zinssenkungen in Richtung "neutrale Zone" (die das Wirtschaftswachstum weder stimuliere noch bremse), schätzungsweise bei etwa 2%, zu erwarten seien.

In den neuen Wirtschaftsprojektionen:

Entsprechend den Erklärungen ihrer Mitglieder seit Oktober würden die Experten vom Bericht der EZB erwarten, dass die Gesamtinflation bis zum vierten Quartal 2025 zum Ziel von 2% zurückkehren werde (wie in ihrer Prognose vom September). Die EZB werde wahrscheinlich auch ihre Inflationsprognose für 2025 senken (-0,1% gegenüber den Erwartungen vom September) und die Kerninflation (ohne Lebensmittel- und Energiepreise) leicht über dem Zielwert halten. Darüber hinaus würden die Experten davon ausgehen, dass die EZB ihre Inflationserwartungen für 2027 bekannt geben werde - mit einer Stabilisierung der Kerninflation bei 2%.

Was das Wachstum betreffe, so würden die Prognosen für 2025 und 2026 voraussichtlich leicht nach unten korrigiert (-10 Basispunkte, 1,2% bzw. 1,4%). EZB-Präsidentin Christine Lagarde werde darauf hinweisen, dass diese Prognosen mit erheblichen Unsicherheiten bezüglich der Finanzpolitik in den beiden größten Volkswirtschaften der Region (Frankreich und Deutschland) behaftet seien.

Insgesamt werde die Europäische Zentralbank trotz eines fragilen wirtschaftlichen Umfelds wahrscheinlich an schrittweisen Zinssenkungen festhalten. Christine Lagarde könnte jedoch in Anlehnung an die Äußerungen des EZB-Chefvolkswirts Philip Lane in der Pressekonferenz eine mögliche Abkehr von der datenabhängigen Strategie in der Zukunft (sobald "der Disinflationsprozess abgeschlossen sei") zugunsten eines Ansatzes andeuten, der sich auf die Bewertung künftiger Risiken konzentriere. Außer einer Zinssenkung um 25 Basispunkte gebe es nur wenige Erwartungen an diese Sitzung. Es bestehe eine sehr geringe Chance, dass es zu einer akkommodierenden Haltung komme, die zu niedrigeren Zinssätzen entlang der gesamten Kurve führe. (10.12.2024/alc/a/a)