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EZB: Das ist keine Wende in der Geldpolitik!
25.07.22 16:00
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Entscheidungen der EZB vom 21. Juni 2022, die von ihr selbst und vielen Markt-kommentatoren als "Wende in der Geldpolitik" bezeichnet worden sind, stellen keine echte Wende dar, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Sie würden anstelle der bisherigen Einschätzung als "ultra-expansive Geldpolitik" jetzt allenfalls die Bezeichnung "expansive Geldpolitik" verdienen. Von der angestrebten "Normalisierung" sei sie damit noch immer ein sehr großes Stück entfernt. Bei Leitzinsen von jetzt 0,5% und einer Inflationsrate von 8,6% könne von Normalisierung keine Rede sein. Die Geldpolitik bleibe damit immer noch Inflationsgefahren fördernd.
Eine "normale Geldpolitik" wirke weder expansiv noch restriktiv. Das Institut habe bisher die Meinung geäußert, dass die Inflationsrate nur vorübergehend zu hoch sei und sich allein wegen des Basiseffektes wieder zurückbilden dürfte. Wie in der Vergangenheit aber schon öfter habe beobachtet werden können, stecke in der Inflationsentwicklung so viel Dynamik, dass ein noch weiterer Anstieg nicht ausgeschlossen werden könne. Zu beachten seien die Preisauftriebe auf den Vorebenen des privaten Konsums, die Rohstoffpreise, die Industrieerzeugerpreise, Groß- und Einzelhandel, die sich erfahrungsgemäß bis auf die Konsumebene auswirken würden, wenn auch mit sich abschwächender Wirkung. Wie zu erwarten gewesen sei, falle das Umschalten auf eine normale Geldpolitik, die weder expansiv noch restriktiv wirke, äußerst schwer.
Die EZB beschreibe ihre Haltung selbst als: "Dies ist ein weiterer Schritt zur Normalisierung unserer Geldpolitik. Weitere Zinserhöhungen werden folgen. Diese werden von unserer Einschätzung der weiteren Entwicklung der Wirtschaft und Inflation abhängen. Die Zinserhöhungen werden dazu beitragen, die Inflation wieder auf unser 2-%-Ziel zurückzuführen."
Besonders umstritten bleibe das TPI-Programm, das hoch verschuldete Länder der Eurozone unterstützen solle. Damit werde der Druck auf deren Haushaltspolitik zur Einschränkung ihres steigenden Defizits des Staatshaushaltes kaum erhöht: "Das TPI wird das Instrumentarium des EZB-Rats ergänzen und kann aktiviert werden, um ungerechtfertigten, ungeordneten Marktdynamiken entgegenzuwirken, die eine ernsthafte Bedrohung für die Transmission der Geldpolitik im Euroraum darstellen. Der Umfang von Ankäufen im Rahmen des TPI hängt von der Schwere der Risiken für die geldpolitische Transmission ab. Die Ankäufe sind nicht von vornherein beschränkt. Das TPI wird den Transmissionsmechanismus absichern und dem EZB-Rat dadurch eine effektivere Erfüllung seines Preisstabilitätsmandats ermöglichen".
Mit dem "Instrument zur Absicherung der Transmission" erteile sich die EZB selbst die Erlaubnis, Staatsanleihen einzelner besonders hoch verschuldeter EU-Mitgliedsländer mit extra zu diesem Zweck neu geschöpftem Geld zu kaufen. Auf diese Weise wolle sie "ungerechtfertigten, ungeordneten Marktdynamiken entgegenwirken, die eine ernsthafte Bedrohung für die Transmission der Geldpolitik im Euroraum darstellen." Diese Anleihenkäufe "sind nicht von vornherein beschränkt." Mit diesem Programm verstoße die EZB gegen das Grundprinzip: Keine Staatsfinanzierung durch die Notenbank.
Selbst die noch in Aussicht gestellten weiteren Leitzinserhöhungen würden das zweite Grundprinzip der Förderung der privaten Ersparnisse durch die Notenbank ins Gegenteil verkehren. Negative Realzinsen würden zu einer Enteignung der Sparer führen. Ersparte Mittel würden nicht mehr optimal in produktive und langfristig Erfolg versprechende Investitionen fließen. Doch diese Funktion des Marktes sei immer noch aufgehoben. Die Funktion des Zinses als optimaler Marktregulator funktioniere nicht mehr. Die Renditen würden nicht einmal mehr einen Ausgleich für die Inflationsrate bieten. Banken könnten "faule Kredite" zum Nullzinssatz finanzieren, ohne sie abschreiben zu müssen. Wenn es so "billig" sei, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes.
Einsparungen oder Steuererhöhungen zur Sanierung des Staatshaushaltes seien politisch viel schwieriger zu erreichen. Motor des Wirtschaftswachstums seien nicht Ersparnisse und Investitionen, sondern der Staatsverbrauch, der von den Notenbanken zum "Nulltarif" durch den Ankauf von Staatsanleihen (QE) finanziert werde. Jetzt wolle die EZB dieses Mittel nur noch zur Finanzierung hoch verschuldeter Länder der Eurozone anwenden.
Folgerung: In einer Zeit steigender Leitzinsen, sich abschwächender Konjunkturerwartungen und zumindest teilweise absurd hoher Staatsverschuldung einzelner Länder sei eine defensive Anlagepolitik zu empfehlen. Am Aktienmarkt sei als Ausnahmesituation der Megatrend in erneuerbare Energien interessant. Hohe und steigende Inflation würden Edelmetalle begünstigen. (25.07.2022/alc/a/a)
Sie würden anstelle der bisherigen Einschätzung als "ultra-expansive Geldpolitik" jetzt allenfalls die Bezeichnung "expansive Geldpolitik" verdienen. Von der angestrebten "Normalisierung" sei sie damit noch immer ein sehr großes Stück entfernt. Bei Leitzinsen von jetzt 0,5% und einer Inflationsrate von 8,6% könne von Normalisierung keine Rede sein. Die Geldpolitik bleibe damit immer noch Inflationsgefahren fördernd.
Eine "normale Geldpolitik" wirke weder expansiv noch restriktiv. Das Institut habe bisher die Meinung geäußert, dass die Inflationsrate nur vorübergehend zu hoch sei und sich allein wegen des Basiseffektes wieder zurückbilden dürfte. Wie in der Vergangenheit aber schon öfter habe beobachtet werden können, stecke in der Inflationsentwicklung so viel Dynamik, dass ein noch weiterer Anstieg nicht ausgeschlossen werden könne. Zu beachten seien die Preisauftriebe auf den Vorebenen des privaten Konsums, die Rohstoffpreise, die Industrieerzeugerpreise, Groß- und Einzelhandel, die sich erfahrungsgemäß bis auf die Konsumebene auswirken würden, wenn auch mit sich abschwächender Wirkung. Wie zu erwarten gewesen sei, falle das Umschalten auf eine normale Geldpolitik, die weder expansiv noch restriktiv wirke, äußerst schwer.
Die EZB beschreibe ihre Haltung selbst als: "Dies ist ein weiterer Schritt zur Normalisierung unserer Geldpolitik. Weitere Zinserhöhungen werden folgen. Diese werden von unserer Einschätzung der weiteren Entwicklung der Wirtschaft und Inflation abhängen. Die Zinserhöhungen werden dazu beitragen, die Inflation wieder auf unser 2-%-Ziel zurückzuführen."
Mit dem "Instrument zur Absicherung der Transmission" erteile sich die EZB selbst die Erlaubnis, Staatsanleihen einzelner besonders hoch verschuldeter EU-Mitgliedsländer mit extra zu diesem Zweck neu geschöpftem Geld zu kaufen. Auf diese Weise wolle sie "ungerechtfertigten, ungeordneten Marktdynamiken entgegenwirken, die eine ernsthafte Bedrohung für die Transmission der Geldpolitik im Euroraum darstellen." Diese Anleihenkäufe "sind nicht von vornherein beschränkt." Mit diesem Programm verstoße die EZB gegen das Grundprinzip: Keine Staatsfinanzierung durch die Notenbank.
Selbst die noch in Aussicht gestellten weiteren Leitzinserhöhungen würden das zweite Grundprinzip der Förderung der privaten Ersparnisse durch die Notenbank ins Gegenteil verkehren. Negative Realzinsen würden zu einer Enteignung der Sparer führen. Ersparte Mittel würden nicht mehr optimal in produktive und langfristig Erfolg versprechende Investitionen fließen. Doch diese Funktion des Marktes sei immer noch aufgehoben. Die Funktion des Zinses als optimaler Marktregulator funktioniere nicht mehr. Die Renditen würden nicht einmal mehr einen Ausgleich für die Inflationsrate bieten. Banken könnten "faule Kredite" zum Nullzinssatz finanzieren, ohne sie abschreiben zu müssen. Wenn es so "billig" sei, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes.
Einsparungen oder Steuererhöhungen zur Sanierung des Staatshaushaltes seien politisch viel schwieriger zu erreichen. Motor des Wirtschaftswachstums seien nicht Ersparnisse und Investitionen, sondern der Staatsverbrauch, der von den Notenbanken zum "Nulltarif" durch den Ankauf von Staatsanleihen (QE) finanziert werde. Jetzt wolle die EZB dieses Mittel nur noch zur Finanzierung hoch verschuldeter Länder der Eurozone anwenden.
Folgerung: In einer Zeit steigender Leitzinsen, sich abschwächender Konjunkturerwartungen und zumindest teilweise absurd hoher Staatsverschuldung einzelner Länder sei eine defensive Anlagepolitik zu empfehlen. Am Aktienmarkt sei als Ausnahmesituation der Megatrend in erneuerbare Energien interessant. Hohe und steigende Inflation würden Edelmetalle begünstigen. (25.07.2022/alc/a/a)


