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Die EZB kauft


19.03.20 15:00
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank hat heute Morgen versucht, ihre Glaubwürdigkeit wiederzuerlangen, indem sie ein Pandemie-Notkaufprogramm in Höhe von 750 Milliarden Euro gestartet hat, so David Zahn, Chef für Europäische Anleihen bei Franklin Templeton.

Der Umfang des Programms sei genau das, was die Experten letzte Woche bei der EZB und nach einer Woche der Verwerfungen an den europäischen Anleihemärkten gesucht hätten. Damit belaufe sich das in der vergangenen Woche angekündigte neue QE auf insgesamt 870 Milliarden Euro, was zur Beruhigung der Märkte für Staatsanleihen ausreichen dürfte. Die Experten würden davon ausgehen, dass dies vor allem für die italienische, spanische und griechische Verschuldung vorteilhaft sein werde, aber auch die Spreads anderer europäischer Staatsanleihen enger werden dürften. Dies zeige auch, dass die EZB weiterhin Maßnahmen zur Bekämpfung der durch die Pandemie verursachten Marktverwerfungen auf den Weg bringen werde.

Das verstärkte Programm zur quantitativen Lockerung in Verbindung mit den Maßnahmen, die die EZB in der vergangenen Woche angekündigt habe, dürfte die Eurozone sehr unterstützen. Wir gehen davon aus, dass die Politik äußerst akkommodierend bleibt und die EZB die Märkte unterstützt, da wir eine fiskalische Lockerung der europäischen Länder haben, die eine der Hauptforderungen Lagardes war, so die Experten von Franklin Templeton.

Die EU habe auch ein 55 Milliarden Euro-Paket angekündigt, um die Liquidität der Unternehmen zu unterstützen, die für die Eurozone zu gering sei und es sollten noch mehrere kommen. Die EU werde jedoch Flexibilität für den Stabilitäts- und Wachstumspakt zulassen, um den Regierungen Spielraum für eine fiskalische Reaktion auf die Pandemie in Europa zu geben. Einzelne Länder seien bereits dabei, Maßnahmen zu ergreifen, wobei Deutschland seine Schwarz-null-Politik lockere und eine Politik des "Wir tun, was immer nötig ist" verfolge, wobei die KFW (die staatliche Entwicklungsbank) hauptsächlich dazu genutzt werde, den von der Krise betroffenen Unternehmen unbegrenzte Mittel zur Verfügung zu stellen.

Das deutsche Paket scheine rund 460 Milliarden Euro zu betragen, könnte aber bis zu 550 Milliarden Euro (15% des deutschen BIP) betragen. Außerdem hätten Spanien und Frankreich angekündigte Pakete von 200 bzw. 300 Milliarden Euro vorgelegt. Italien habe bisher ein kleineres Paket angekündigt, aber die Experten würden erwarten, dass man bald ein größeres, umfassenderes Paket sehen werde. Außerdem habe es Diskussionen darüber gegeben, dass auf europäischer Ebene eine "Pandemie"-Anleihe mit Quergarantien zur Bekämpfung der Krise begeben werden könnte, und Deutschland unterstütze dies nur bedingt, weshalb die Experten die Situation für sehr unsicher halten würden.

Angesichts des plötzlichen Stillstands der europäischen Volkswirtschaften würden die Experten in diesem Jahr einen erheblichen Rückgang des BIP erwarten. Diese Umstände und die Ungewissheit, wie lange die "Shot Down" in Europa dauern werde, würden es notwendig machen, dass die europäischen Entscheidungsträger sowohl auf der Ebene der EZB, der EU als auch auf der Ebene der einzelnen Regierungen kreativ sein und weiterhin Maßnahmen zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie ankündigen müssten. Nach Ansicht der Experten sei eine kombinierte monetäre und fiskalische Reaktion die einzige Möglichkeit, diesem systemischen Ereignis zu begegnen. (19.03.2020/alc/a/a)