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EZB sieht sich erneut genötigt, ihre expansive Politik auszuweiten


21.03.16 11:53
IKB Deutsche Industriebank

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat zwar erneute Maßnahmen, wie die Ausweitung des Aufkaufprogramms sowie weitere Zinssenkungen beschlossen, doch Draghi musste in der jüngsten Pressekonferenz bekennen, dass die EZB an ihre Grenzen kommen könnte, zumindest, was die Zinspolitik angeht, so Dr. Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt bei der IKB Deutsche Industriebank AG.

Dies sei im Vergleich zur früheren Sitzung doch eher eine Kehrtwende. Seinerzeit habe er betont, dass es grundsätzlich für die EZB, was Instrumente und Bereitschaft angehe, keine Grenzen gebe.

Vielleicht bestehe die Sorge der EZB, den Handlungsspielraum der FED durch mögliche Erwartungen der Märkte nicht zu sehr einzuengen. Grundsätzlich stehe die EZB-Politik aber in der Kritik. Und sicherlich könne über den direkten Einfluss der jüngsten Maßnahmen gezweifelt werden. Doch habe sie angesichts einer passiven Fiskalpolitik wenig alternative Handlungsoptionen. Der Grund für niedrige Zinsen liege weniger bei der EZB, sondern vielmehr bei der nicht ausreichenden Fiskal- und Reformpolitik vieler Euroländer.

Die Inflationsrate in der Euro-Zone sollte auch in den kommenden Monaten negativ bzw. nahe bei 0% liegen, bevor sie in der zweiten Jahreshälfte ansteigen werde. Mit der aktuellen EZB-Politik und diesen Inflationsvorgaben gebe es wenig Grund, einen steigenden Druck auf das lange Ende der deutschen Zinskurve zu erwarten. Auch die US-Renditen sollten als Folge der jüngsten FED-Einschätzung wohl kaum bedeutend nach oben korrigieren.

Neben der FED, der EZB und der japanischen Notenbank stehe verstärkt auch die britische Notenbank (BoE) im Fokus der Märkte. Die Sorge um den Ausgang des für Mitte Juni anvisierten Referendums über die EU-Mitgliedschaft habe Erwartungen über eine mögliche Zinsstraffung im Schatten der FED weit in die Zukunft verschoben, was zu einer Abwertung des Britischen Pfunds geführt habe. Und auch, wenn sich die Briten für einen Verbleib aussprechen würden, so sei aufgrund des unsicherheitsbedingten schwächeren Konjunkturbilds nicht vor 2017 mit einer Zinsanhebung zu rechnen. Ob diese Zinswende bedeutender sein werde als die der USA, sei allerdings fraglich. (Ausgabe März 2016) (21.03.2016/alc/a/a)