EZB trägt mit ihrer Schwachwährungspolitik das Ihre zur Inflation bei


04.02.22 12:30
LOYS

Oldenburg (www.anleihencheck.de) - Der Start in das neue Börsenjahr wurde im Januar deutlich verhagelt, so Dr. Christoph Bruns und Ufuk Boydak von LOYS.

Nach dem prachtvollen 21er Jahrgang seien die Aktienbörsen in einen Korrekturmodus übergegangen. Beunruhigt durch Zinssteigerungsängste und Kriegsvorbereitungen an der Grenze zwischen Russland und der Ukraine sei es mitunter zu heftigen Abverkäufen an den Kapitalmärkten gekommen. Vormals hoch beliebte Aktien mit bisweilen astronomischen Bewertungen (Peloton Interactive, Zoom Communications, DocuSign, Moderna etc.) hätten den Reigen der Kursverlierer angeführt. Unterdessen sei das Niveau der Aktienindices durch die recht stabile Entwicklung einiger hoch gewichteter Aktien einigermaßen gehalten worden.

Inzwischen gehe ein breiter Konsens von Marktteilnehmern davon aus, dass die Vereinigten Staaten eine Zinswende vollziehen würden. Die amerikanische Notenbank FED habe für das laufende Jahr drei Zinsanhebungen in Höhe von jeweils 0,25% angekündigt. Eine Beendigung der monatlichen Anleihenkäufe sei bis Ende des Jahres vorgesehen. Insgesamt würden die Realzinsen (Nominalzinsen minus Inflationsrate) somit negativ bleiben, denn an der Inflationsfront werde nicht mit einer Trendwende gerechnet. Bestenfalls würden Volkswirte eine Verlangsamung der Geldentwertungsrate erwarten.

Ungeachtet dessen dürfte die Inflation auch im Jahr 2022 unangenehm hoch liegen, sodass sich die Bevölkerung auf realen Kaufkraftverlust einstellen müsse. Keineswegs seien es ausschließlich die Energiepreise, die auch im Jahr 2022 deutlich steigen würden. Mittlerweile hätten Zweitrundeneffekte dazu geführt, dass die meisten Warenkategorien des statistischen Warenkorbs von Preiserhöhungen tangiert seien. Überdies sei die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale gegeben, denn die Arbeitnehmer würden einen Ausgleich der hohen Teuerungsraten verlangen. Überdies trage der Staat zur Inflation bei, indem er bei den Steuern und Abgaben sowie bei Mindestlohn und Rente markante Zuwächse ins Werk setze.

Vor diesem Hintergrund sei die träge Haltung der Europäischen Zentralbank erstaunlich, insofern sie wenig Engagement erkennen lasse, der Inflation Einhalt zu tun. Die Lektüre klassischer Lehrbücher hätte den Leser etwas anderes erwarten lassen. Des Weiteren trage die EZB mit ihrer Schwachwährungspolitik das Ihre zur Inflation bei, zumal bei importierten Gütern aus dem Ausland wie z.B. Erdöl.

Freilich werde der erfahrene Politikbeobachter wissen, dass neue Köpfe auch veränderte Politiken nach sich ziehen könnten. Man denke etwa an den neuen Ausdruck "Greenflation", der einen Teil der hohen Geldentwertung mit den staatlichen Maßnahmen zu Begrenzung der CO2 Emissionen beschreibe. Auch der Terminus einer "feministischen Außenpolitik", wie er zuletzt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen gewesen sei, sei noch etwas gewöhnungsbedürftig. Früher hätte man sich eine vor allem kluge Außenpolitik gewünscht. Heute wolle man scheinbar anderes. Und auch das Wort vom "ökologischen Patriotismus", das der neue Klimaminister Habeck auf seiner jüngsten Bayern-Reise verkündet habe, möge manche Besorgnis wecken, zumal kaum ein Konzept in der Menschengeschichte derart manipulativ eingesetzt worden sei wie jenes des Patriotismus.

Spannend werde es beim Thema Wohlstand. Wie zu vernehmen sei, wolle der neue Wirtschaftsminister Abschied vom Bruttosozialprodukt nehmen und Wohlstand neu definieren. Das könnte sich als gute Idee erweisen, denn die Wohlstandsverluste, die den Deutschen nach traditionellen Berechnungen ins Haus stünden, würden sich dann vielleicht zu Wohlstandsgewinnen umdefinieren lassen.

Ungeachtet dessen wollen wir uns im Hause LOYS an Altbewährtes klammern, so die Experten von LOYS. Die Quadriga aus Qualität, Unterbewertung, Streuung und Zeit dürfte auch in den kommenden Monaten und Jahren das Klügste sein, was man in Sachen Geldanlage tun könne. Die Tage, an denen Zinsanlagen eine attraktive Alternative zur Aktienfondsanlage sein würden, lägen noch sehr weit in der Zukunft. (Ausgabe vom 31.01.2022) (04.02.2022/alc/a/a)