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EZB verändert Euro-Ausblick nicht
22.03.16 09:57
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Die EZB scheint erkannt zu haben, dass eine weitere künstliche Schwächung des Euro andere Zentralbanken zu einer ähnlichen Politik gezwungen hätte, die den Währungseffekt egalisiert hätten, so Ursina Kubli, Ökonomin bei der Bank J. Safra Sarasin AG.
Dennoch erwarte man einen moderat tieferen EUR/USD-Wechselkurs: Zwei Zinsschritte des US-FED dürften die Finanzmärkte im 2016 überraschen und würden politische Risiken den Euro belasten. Brexit sei nicht nur ein britisches Thema, sondern stelle auch für Euroland eine Gefahr dar. Abwärtsrisiken des Britischen Pfund bestünden insbesondere gegenüber dem US-Dollar.
Eine Anlageregel bei Devisen sei im März ins Wanken gekommen. Normalerweise sei eine überraschend expansive Geldpolitik von einer kräftigen Währungsabwertung gefolgt. Nicht jedoch bei der vergangenen EZB-Sitzung. Obwohl die EZB insgesamt deutlich expansiver gewesen sei als erwartet, sei der Euro in Folge gestiegen. Dieses scheinbare Paradox beruhe auf dem Schwenker der EZB weg von einer auf eine schwache Währung basierende Gelpolitik hin zu einer den Kreditmarkt unterstützenden Politik. In den letzten Jahren sei zumindest implizit klar geworden, dass die EZB mit der berühmten "whatever it takes"-Aussage von EZB-Präsident Draghi eine schwache Währung anvisiert habe. Dieser Transmissionskanal stehe nun nicht mehr im Fokus. Draghi habe klargestellt, das nicht mit weiteren Zinssenkungen zu rechnen sei. Werde der Euro seine Rally fortsetzten?
Der starke Fokus der Zentralbanken auf den Wechselkurskanal sei nicht unproblematisch. Währungsschwächende Maßnahmen einer Zentralbank würden zwangsläufig zu einer Aufwertung in den übrigen Währungsräumen führen. Diese Zentralbanken würden jedoch nicht tatenlos zusehen. Trübe sich der Wirtschafsausblick ein und bleibe auch der Inflationsausblick aufgrund der stärkeren Währungen gedämpft, würden sie ebenfalls expansiver. Das Resultat sei schlussendlich ein Nullsummenspiel und der Währungseffekt entfalle. Die Politik einer schwachen Währung könne nur kurzfristig funktionieren.
Im Februar habe die Bank of Japan negative Zinsen eingeführt, um den Zinsvorteil gegenüber anderen Währungen zu reduzieren. Die schwedische Riksbank habe im März ihre Zinsen auf ein Niveau von -0,50% gesenkt. Auch SNB-Präsident Jordan habe am G20-Gipfel betont, dass weniger Ausnahmen bei den Negativzinsen möglich seien. Der Währungskanal der EZB-Politik sei bereits an seine Grenzen gestoßen worden.
Die Einschätzung des EUR/USD-Wechselkurses bleibe damit unverändert. Die Experten würden eine moderate Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar erwarten. Erstens dürften die zwei Zinsschritte des US-FED, welche sie in ihrem Szenario erwarten würden, dem US-Dollar Aufwind verleihen. An den Finanzmärkten würden kaum weitere FED-Zinsschritte erwartet, wie die Preise der FED Fund Futures zeigen würden. Zweitens seien die politischen Unsicherheiten in Euroland deutlich gestiegen. Wichtige Wahlen stünden an und die Politik scheine bei Migrationsfragen so uneinig wie noch nie.
Brexit, die zurzeit größte politische Gefahr, sei auch nicht nur ein Problem des Vereinigten Königreiches, sondern würde auch der europäischen Konjunktur und dem Euro schaden. Die Frage um die britische Zugehörigkeit zur EU sei ein emotionales Thema und der Ausgang des Referendums bleibe offen. Diese Unsicherheiten würden das Britische Pfund insbesondere gegenüber dem US-Dollar schwächen. (Ausgabe vom 21.03.2016) (22.03.2016/alc/a/a)
Dennoch erwarte man einen moderat tieferen EUR/USD-Wechselkurs: Zwei Zinsschritte des US-FED dürften die Finanzmärkte im 2016 überraschen und würden politische Risiken den Euro belasten. Brexit sei nicht nur ein britisches Thema, sondern stelle auch für Euroland eine Gefahr dar. Abwärtsrisiken des Britischen Pfund bestünden insbesondere gegenüber dem US-Dollar.
Eine Anlageregel bei Devisen sei im März ins Wanken gekommen. Normalerweise sei eine überraschend expansive Geldpolitik von einer kräftigen Währungsabwertung gefolgt. Nicht jedoch bei der vergangenen EZB-Sitzung. Obwohl die EZB insgesamt deutlich expansiver gewesen sei als erwartet, sei der Euro in Folge gestiegen. Dieses scheinbare Paradox beruhe auf dem Schwenker der EZB weg von einer auf eine schwache Währung basierende Gelpolitik hin zu einer den Kreditmarkt unterstützenden Politik. In den letzten Jahren sei zumindest implizit klar geworden, dass die EZB mit der berühmten "whatever it takes"-Aussage von EZB-Präsident Draghi eine schwache Währung anvisiert habe. Dieser Transmissionskanal stehe nun nicht mehr im Fokus. Draghi habe klargestellt, das nicht mit weiteren Zinssenkungen zu rechnen sei. Werde der Euro seine Rally fortsetzten?
Im Februar habe die Bank of Japan negative Zinsen eingeführt, um den Zinsvorteil gegenüber anderen Währungen zu reduzieren. Die schwedische Riksbank habe im März ihre Zinsen auf ein Niveau von -0,50% gesenkt. Auch SNB-Präsident Jordan habe am G20-Gipfel betont, dass weniger Ausnahmen bei den Negativzinsen möglich seien. Der Währungskanal der EZB-Politik sei bereits an seine Grenzen gestoßen worden.
Die Einschätzung des EUR/USD-Wechselkurses bleibe damit unverändert. Die Experten würden eine moderate Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar erwarten. Erstens dürften die zwei Zinsschritte des US-FED, welche sie in ihrem Szenario erwarten würden, dem US-Dollar Aufwind verleihen. An den Finanzmärkten würden kaum weitere FED-Zinsschritte erwartet, wie die Preise der FED Fund Futures zeigen würden. Zweitens seien die politischen Unsicherheiten in Euroland deutlich gestiegen. Wichtige Wahlen stünden an und die Politik scheine bei Migrationsfragen so uneinig wie noch nie.
Brexit, die zurzeit größte politische Gefahr, sei auch nicht nur ein Problem des Vereinigten Königreiches, sondern würde auch der europäischen Konjunktur und dem Euro schaden. Die Frage um die britische Zugehörigkeit zur EU sei ein emotionales Thema und der Ausgang des Referendums bleibe offen. Diese Unsicherheiten würden das Britische Pfund insbesondere gegenüber dem US-Dollar schwächen. (Ausgabe vom 21.03.2016) (22.03.2016/alc/a/a)


