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Eine extrem lange Nullzinsphase birgt ernste Nachteile
06.07.15 12:06
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) kritisiert in ihrem neuen Jahresbericht die Geld- und Krisenpolitik der Notenbanken, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Seit schon sehr lange Zeit würden die realen Leitzinsen und die langfristigen Rentenrenditen immer weiter fallen, obwohl die globalen Schulden (Schulden des öffentlichen und des privaten nicht-finanziellen Sektors) immer höher auf neue Höchststände steigen würden. Die Kosten einer langen Niedrigzinsphase würden bei einer ständig nur auf kurzfristige Erfolge ausgerichteten Geldpolitik unterschätzt.
Die Bank appelliere eine neue Geldpolitik und rufe zu einem radikalen Richtungswechsel auf. Sie fordere eine stärkere und intensivere Zusammenarbeit der Notenbanken. Die tiefen und vielfach negativen Inflationsraten bzw. ihre Erwartungen würden falsche Signale vermitteln und sollten in der Bestimmung der Geldpolitik weniger Gewicht erhalten.
In der Theorie würden sinkende Leitzinsen die Kreditaufnahme für neue Investitionen verbilligen. Die die dadurch erhöhte Produktion von Produktionsgütern wiederum führe zu höherer Beschäftigung, was den Konsum fördere. Multiplikatorwirkungen mit Hebelwirkung würden die Konjunktur stimulieren. Soweit die Lehrbücher. Doch je weiter die Leitzinsen sinken würden, desto weniger würden sie zur Stimulierung nützen.
Wenn ein Unternehmen nicht bei 2% investiere, werde es das auch nicht bei 1% tun aus Sorge, für die neuen Produkte keine Abnehmer zu finden. Bei einer Senkung auf 0% sehe sich das Unternehmen in seiner Vorsicht bestätigt, die Konjunktur verlaufe ja viel schlechter als bisher angenommen. Bei einer Senkung unter 0% würden die Alarmglocken schrillen, die Notenbank scheine ja einen schweren Konjunktureinbruch zu befürchten, vielleicht sogar Rezession und Deflation. Jetzt bloß keine neuen Investitionen vornehmen. Und dieses Verhalten belaste die Konjunktur zusätzlich. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst erreicht, die letzte Senkung wirke schon kontraproduktiv.
An Sparer, Rentenfonds oder Lebensversicherungen, die auf Zinseinnahmen angewiesen seien und ihren dadurch erzwungenen Konsumverzicht, denke bei ZIRP niemand. Neue Ersparnisse, die eigentlich die Investitionen finanzieren sollten, an den Geld- und Rentenmärkten anzulegen, würden durch einen realen Wertverlust bestraft, da sie nicht einmal mehr Teuerung, Steuern und Bankgebühren ausgleichen würden. Anleger würden in immer riskantere Märkte getrieben. Mittel würden in Schwellenländer fließen. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst überschritten.
Die Zinsstruktur werde verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Wenn es so "leicht" werde, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes, ohne sich um die künftige Zinsbelastung allzu viele Sorgen zu machen. Wieviel schwieriger und unpopulärer sei es doch, Steuern zu erhöhen oder gar Ausgaben zu kürzen. Reformen würden auf der Strecke bleiben, die Senkungen würden kontraproduktiv.
Die Konjunkturentwicklung in der ganzen Welt sei zwar noch immer anfällig, doch die Sorgen vor einer Deflation hätten sich spürbar verringert. Einen Rückfall in eine Rezession der Weltwirtschaft, der Industrieländer insbesondere der USA und der Eurozone würden die supranationalen Institute wie IWF, Weltbank, OECD sowie die Notenbanken nicht prognostizieren. Andererseits habe die griechische Tragödie deutlich vor Augen geführt, was einem Land mit steigender Verschuldung und mangelnden Reformen blühen könne.
Auf die Appelle der BIZ habe es diesmal keine sonderlichen Kommentare durch die Notenbanken gegeben. Die FED strebe eine Normalisierung der Zinsstruktur an und könnte die erste Zinserhöhung im Herbst durchführen. Die nächsten Schritte dürften aber langsam und klein ausfallen, da die US-Staatsverschuldung keine stärkeren Erhöhungen vertrage. EZB Chef Draghi wolle noch bis September 2016 sein QE-Programm fortsetzen. Die Bank of Japan bleibe unvermindert bei ihrer extrem lockeren Geldpolitik.
Die Notenbanken seien mit ihrer Nullzinspolitik vermutlich schon zu weit gegangen. Auf diesem Niveau würden bereits kontraproduktive Kräfte auf den Konjunkturverlauf wirken. Bei den Staatsbudgets habe der Reformwille zur Staatsverschuldung abgenommen. Aktien, Renten, Immobilien und andere Vermögensformen würden bereits spekulative Preisblasen erleben. (06.07.2015/alc/a/a)
Seit schon sehr lange Zeit würden die realen Leitzinsen und die langfristigen Rentenrenditen immer weiter fallen, obwohl die globalen Schulden (Schulden des öffentlichen und des privaten nicht-finanziellen Sektors) immer höher auf neue Höchststände steigen würden. Die Kosten einer langen Niedrigzinsphase würden bei einer ständig nur auf kurzfristige Erfolge ausgerichteten Geldpolitik unterschätzt.
Die Bank appelliere eine neue Geldpolitik und rufe zu einem radikalen Richtungswechsel auf. Sie fordere eine stärkere und intensivere Zusammenarbeit der Notenbanken. Die tiefen und vielfach negativen Inflationsraten bzw. ihre Erwartungen würden falsche Signale vermitteln und sollten in der Bestimmung der Geldpolitik weniger Gewicht erhalten.
In der Theorie würden sinkende Leitzinsen die Kreditaufnahme für neue Investitionen verbilligen. Die die dadurch erhöhte Produktion von Produktionsgütern wiederum führe zu höherer Beschäftigung, was den Konsum fördere. Multiplikatorwirkungen mit Hebelwirkung würden die Konjunktur stimulieren. Soweit die Lehrbücher. Doch je weiter die Leitzinsen sinken würden, desto weniger würden sie zur Stimulierung nützen.
An Sparer, Rentenfonds oder Lebensversicherungen, die auf Zinseinnahmen angewiesen seien und ihren dadurch erzwungenen Konsumverzicht, denke bei ZIRP niemand. Neue Ersparnisse, die eigentlich die Investitionen finanzieren sollten, an den Geld- und Rentenmärkten anzulegen, würden durch einen realen Wertverlust bestraft, da sie nicht einmal mehr Teuerung, Steuern und Bankgebühren ausgleichen würden. Anleger würden in immer riskantere Märkte getrieben. Mittel würden in Schwellenländer fließen. Der Grenznutzen der Leitzinssenkung sei längst überschritten.
Die Zinsstruktur werde verzerrt, Kredite würden nicht mehr optimal in produktive und aussichtsreiche Investitionen fließen und könnten dadurch neue Krisen auslösen. Wenn es so "leicht" werde, neue staatliche Schulden zu finanzieren, nehme der Treasurer umso lieber den Weg des geringsten Widerstandes, ohne sich um die künftige Zinsbelastung allzu viele Sorgen zu machen. Wieviel schwieriger und unpopulärer sei es doch, Steuern zu erhöhen oder gar Ausgaben zu kürzen. Reformen würden auf der Strecke bleiben, die Senkungen würden kontraproduktiv.
Die Konjunkturentwicklung in der ganzen Welt sei zwar noch immer anfällig, doch die Sorgen vor einer Deflation hätten sich spürbar verringert. Einen Rückfall in eine Rezession der Weltwirtschaft, der Industrieländer insbesondere der USA und der Eurozone würden die supranationalen Institute wie IWF, Weltbank, OECD sowie die Notenbanken nicht prognostizieren. Andererseits habe die griechische Tragödie deutlich vor Augen geführt, was einem Land mit steigender Verschuldung und mangelnden Reformen blühen könne.
Auf die Appelle der BIZ habe es diesmal keine sonderlichen Kommentare durch die Notenbanken gegeben. Die FED strebe eine Normalisierung der Zinsstruktur an und könnte die erste Zinserhöhung im Herbst durchführen. Die nächsten Schritte dürften aber langsam und klein ausfallen, da die US-Staatsverschuldung keine stärkeren Erhöhungen vertrage. EZB Chef Draghi wolle noch bis September 2016 sein QE-Programm fortsetzen. Die Bank of Japan bleibe unvermindert bei ihrer extrem lockeren Geldpolitik.
Die Notenbanken seien mit ihrer Nullzinspolitik vermutlich schon zu weit gegangen. Auf diesem Niveau würden bereits kontraproduktive Kräfte auf den Konjunkturverlauf wirken. Bei den Staatsbudgets habe der Reformwille zur Staatsverschuldung abgenommen. Aktien, Renten, Immobilien und andere Vermögensformen würden bereits spekulative Preisblasen erleben. (06.07.2015/alc/a/a)


