Erweiterte Funktionen
Eine neue Phase im Investmentzyklus?
08.07.13 14:41
ING Investment Management
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Die jüngste Marktkorrektur bietet Chancen, denn noch ist das Marktumfeld für risikoreiche Assets unserer Einschätzung nach günstig, so die Experten von ING Investment Management (ING IM).
Dies möge der Auftakt zu einer neuen Phase im Investmentzyklus sein: ein stärker wachstumsorientiertes Umfeld, in dem Aktien Anleihen deutlich übertreffen würden.
Trotz der Verunsicherung am Markt, was die weitere Geldpolitik der FED betreffe, sei die Botschaft der US-Zentralbank unmissverständlich: Quantitative Easing (QE) werde erst enden, wenn Wachstum oder Inflation sich beschleunige. Außer in dem höchst unwahrscheinlichen Fall, dass die Inflation über den Zielwert der FED hinausschieße, sei das ein für riskante Vermögenswerte - insbesondere Aktien - günstiges Umfeld.
Doch nicht nur ein verlangsamtes Wachstum und eine rückläufige Arbeitsmarktdynamik könnten für eine Fortsetzung der QE sprechen, sondern auch ein deutliches Unterschreiten des Inflationsziels der FED. Letzteres sei - angesichts der aktuellen Trends bei Kerninflation sowie Rohstoffpreisen und Löhnen - in der Tat sehr viel wahrscheinlicher als ein sprunghafter Anstieg der Inflation über die nächsten sechs bis zwölf Monate.
Eine ausgewogenere Einschätzung der mit QE verbundenen Risiken sowie die Einsicht, dass eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik erst dann stattfinde, wenn es dafür wirklich gute Gründe gebe, dürfte vorerst weiterhin günstig sein für Risiko-Assets. Dies sollte zumindest eine partielle Umkehr der jüngsten Marktkorrektur anstoßen.
Die entscheidende Frage für Investoren laute nun: Wie gehe es weiter nach der Korrektur? Werde "Normalisierung" demnächst bedeuten, dass die Märkte sich wieder den Investmentthemen der letzten Jahre zuwenden würden oder beginne eine ganz neue Phase im Investmentzyklus?
Sofern Anleger die jüngste Volatilität an den Märkten nur als vorübergehende Erscheinung betrachten, aber weiterhin auf die Politik des "leichten Geldes" vertrauen würden, dann könnte die Jagd nach Rendite und Einkommen munter weitergehen. Davon würden sowohl Anleihen als auch Aktien profitieren: Vor allem aktienähnliche Bonds wie Investment Grade und Hochverzinsliche sowie anleiheähnliche Aktien, also defensive Sektoren wie Healthcare und Konsummassengüter.
Es sei durchaus möglich, dass sich das "Normalniveau" nach der Korrektur auf einem etwas anderen Level einpendele. Die jüngsten Turbulenzen hätten vor Augen geführt, wie sensibel bestimmte Marktsegmente auf die Aussicht einer höheren Realverzinsung reagieren würden. Hier seien insbesondere jene Segmente genannt, die in den letzten Jahren die größten Zuflüsse verzeichnet hätten, in den Portfolios am stärksten übergewichtet seien bzw. gegenüber Cash oder anderen Assets mit den geringsten Risikoaufschlägen notieren würden.
Auch wenn noch keine Aussicht auf höhere Realzinsen bestehe, sollte man bei einkommensgenerierenden Assets künftig auf etwas höhere Risikoprämien drängen. Immerhin bestehe eine zumindest 50%ige Wahrscheinlichkeit, dass Normalisierung am Markt eine stärkere Wachstumsorientierung bedeuten werde. Dazu trage auch die Erholung der Weltkonjunktur bei, die sich - unter Führung der entwickelten Märkte - auf Jahressicht abzeichnen sollte.
In diesem Umfeld dürften Aktien Anleihen deutlich übertreffen und zyklische Sektoren Renditewerte übertrumpfen.
Aus denselben zyklischen Gründen erleben wir eine allgemeine Verschiebung bei der Sektor-Performance, so die Experten von ING IM. Obwohl defensive Sektoren sich in letzter Zeit etwas erholt hätten, gelte das Anlegerinteresse seit April vor allem den konjunkturabhängigen Sektoren. Auch Finanzwerte seien populär.
Seit Jahresbeginn würden sich anleiheähnliche Aktien mit auskömmlicher, stabiler und ausbaufähiger Dividende wachsender Beliebtheit erfreuen. Das seien typische Merkmale für Basiskonsumgüter und Healthcare. Ein (moderater) Anstieg der Anleiherenditen könnte - gekoppelt mit einer konjunkturellen Verbesserung - Anlass für ein vermehrtes Engagement in zyklischeren Sektoren sein. Hier seien der gehobene Konsumgüterbereich, IT und - in geringerem Maße - Industriewerte am besten aufgestellt.
Geschichte wiederhole sich zwar nicht, aber man könne die Vergangenheit auch nicht ignorieren. Auf jeden Fall lasse sich das Marktverhalten nicht immer ganz klar deuten. So entwickle sich an den Emerging Markets derzeit eine Negativspirale, die durch Finanzbedingungen/Kreditversorgung einerseits und Wachstum andererseits angetrieben werde.
Seit die FED im Mai ein mögliches Ende der QE angedeutet habe, zeichne sich an den EM eine Negativdynamik ab. Durch die rapide Auflösung von Carry-Trades seien EM-Währungen unter Druck geraten. Manche EM-Zentralbanken würden sich schwer tun, auf den Kapitalabfluss angemessen zu reagieren. Eine Zinssenkung würde diesen Prozess nur noch beschleunigen und die Währung schwächen. Eine Zinsanhebung könnte die Kapitalflucht zwar eindämmen, doch würde dies die Finanzlage am Binnenmarkt und damit die Wachstumsaussichten belasten.
Insofern mache die jüngste Entwicklung in China Sorge. Die Wirtschaftsdaten würden weiter enttäuschen, während der Interbankenmarkt unter Druck stehe. Die chinesischen Währungshüter würden mit Liquidität geizen; entsprechend seien die Interbankensätze jetzt höher als zuvor. Für China habe die Bewältigung der Schwächen im Finanzsystem momentan Priorität, Wirtschaftswachstum sei zweitrangig.
Diese Faktoren könnten sich auf die globalen Wachstumsaussichten auswirken. Das sei zwar nicht das Basisszenario der Experten, doch müsse man die Entwicklung im Auge behalten. (08.07.2013/alc/a/a)
Dies möge der Auftakt zu einer neuen Phase im Investmentzyklus sein: ein stärker wachstumsorientiertes Umfeld, in dem Aktien Anleihen deutlich übertreffen würden.
Trotz der Verunsicherung am Markt, was die weitere Geldpolitik der FED betreffe, sei die Botschaft der US-Zentralbank unmissverständlich: Quantitative Easing (QE) werde erst enden, wenn Wachstum oder Inflation sich beschleunige. Außer in dem höchst unwahrscheinlichen Fall, dass die Inflation über den Zielwert der FED hinausschieße, sei das ein für riskante Vermögenswerte - insbesondere Aktien - günstiges Umfeld.
Doch nicht nur ein verlangsamtes Wachstum und eine rückläufige Arbeitsmarktdynamik könnten für eine Fortsetzung der QE sprechen, sondern auch ein deutliches Unterschreiten des Inflationsziels der FED. Letzteres sei - angesichts der aktuellen Trends bei Kerninflation sowie Rohstoffpreisen und Löhnen - in der Tat sehr viel wahrscheinlicher als ein sprunghafter Anstieg der Inflation über die nächsten sechs bis zwölf Monate.
Eine ausgewogenere Einschätzung der mit QE verbundenen Risiken sowie die Einsicht, dass eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik erst dann stattfinde, wenn es dafür wirklich gute Gründe gebe, dürfte vorerst weiterhin günstig sein für Risiko-Assets. Dies sollte zumindest eine partielle Umkehr der jüngsten Marktkorrektur anstoßen.
Die entscheidende Frage für Investoren laute nun: Wie gehe es weiter nach der Korrektur? Werde "Normalisierung" demnächst bedeuten, dass die Märkte sich wieder den Investmentthemen der letzten Jahre zuwenden würden oder beginne eine ganz neue Phase im Investmentzyklus?
Sofern Anleger die jüngste Volatilität an den Märkten nur als vorübergehende Erscheinung betrachten, aber weiterhin auf die Politik des "leichten Geldes" vertrauen würden, dann könnte die Jagd nach Rendite und Einkommen munter weitergehen. Davon würden sowohl Anleihen als auch Aktien profitieren: Vor allem aktienähnliche Bonds wie Investment Grade und Hochverzinsliche sowie anleiheähnliche Aktien, also defensive Sektoren wie Healthcare und Konsummassengüter.
Auch wenn noch keine Aussicht auf höhere Realzinsen bestehe, sollte man bei einkommensgenerierenden Assets künftig auf etwas höhere Risikoprämien drängen. Immerhin bestehe eine zumindest 50%ige Wahrscheinlichkeit, dass Normalisierung am Markt eine stärkere Wachstumsorientierung bedeuten werde. Dazu trage auch die Erholung der Weltkonjunktur bei, die sich - unter Führung der entwickelten Märkte - auf Jahressicht abzeichnen sollte.
In diesem Umfeld dürften Aktien Anleihen deutlich übertreffen und zyklische Sektoren Renditewerte übertrumpfen.
Aus denselben zyklischen Gründen erleben wir eine allgemeine Verschiebung bei der Sektor-Performance, so die Experten von ING IM. Obwohl defensive Sektoren sich in letzter Zeit etwas erholt hätten, gelte das Anlegerinteresse seit April vor allem den konjunkturabhängigen Sektoren. Auch Finanzwerte seien populär.
Seit Jahresbeginn würden sich anleiheähnliche Aktien mit auskömmlicher, stabiler und ausbaufähiger Dividende wachsender Beliebtheit erfreuen. Das seien typische Merkmale für Basiskonsumgüter und Healthcare. Ein (moderater) Anstieg der Anleiherenditen könnte - gekoppelt mit einer konjunkturellen Verbesserung - Anlass für ein vermehrtes Engagement in zyklischeren Sektoren sein. Hier seien der gehobene Konsumgüterbereich, IT und - in geringerem Maße - Industriewerte am besten aufgestellt.
Geschichte wiederhole sich zwar nicht, aber man könne die Vergangenheit auch nicht ignorieren. Auf jeden Fall lasse sich das Marktverhalten nicht immer ganz klar deuten. So entwickle sich an den Emerging Markets derzeit eine Negativspirale, die durch Finanzbedingungen/Kreditversorgung einerseits und Wachstum andererseits angetrieben werde.
Seit die FED im Mai ein mögliches Ende der QE angedeutet habe, zeichne sich an den EM eine Negativdynamik ab. Durch die rapide Auflösung von Carry-Trades seien EM-Währungen unter Druck geraten. Manche EM-Zentralbanken würden sich schwer tun, auf den Kapitalabfluss angemessen zu reagieren. Eine Zinssenkung würde diesen Prozess nur noch beschleunigen und die Währung schwächen. Eine Zinsanhebung könnte die Kapitalflucht zwar eindämmen, doch würde dies die Finanzlage am Binnenmarkt und damit die Wachstumsaussichten belasten.
Insofern mache die jüngste Entwicklung in China Sorge. Die Wirtschaftsdaten würden weiter enttäuschen, während der Interbankenmarkt unter Druck stehe. Die chinesischen Währungshüter würden mit Liquidität geizen; entsprechend seien die Interbankensätze jetzt höher als zuvor. Für China habe die Bewältigung der Schwächen im Finanzsystem momentan Priorität, Wirtschaftswachstum sei zweitrangig.
Diese Faktoren könnten sich auf die globalen Wachstumsaussichten auswirken. Das sei zwar nicht das Basisszenario der Experten, doch müsse man die Entwicklung im Auge behalten. (08.07.2013/alc/a/a)


