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Ende des Booms bei High-Yield-Anleihen?


28.06.13 15:10
AllianceBernstein

London (www.anleihencheck.de) - Im letzten Monat ging es auf dem Anleihemarkt bergab, so die Experten von AllianceBernstein.

Sei die Hausse damit nun vorbei? "Aus unserer Sicht handelt es sich bei Unternehmensanleihen eher um eine Korrektur, denn das Interesse an höheren Renditen ist immer noch groß. Zudem dürfte man mit europäischen High-Yield-Anleihen noch länger relativ hohe Erträge erzielen können als mit US-Papieren", so Jorgen Kjaersgaard, Head of European Credit Portfolio Management bei ACMBernstein.

Aus Sicht des Credit-Portfolio-Experten bestehe das größte Risiko für Unternehmensanleihe-Investoren in steigenden Staatsanleiherenditen. Mittlerweile habe es dazu bereits einen ersten Vorgeschmack gegeben: Als die US-Notenbank begonnen habe, die Märkte auf einen allmählichen Rückzug aus ihrem Aufkaufprogramm von Staatsanleihen vorzubereiten, hätten diese entsprechend reagiert. Seit Mitte Mai seien die durchschnittlichen Renditen von in Euro denominierten High-Yield-Anleihen von 5,5 Prozent auf rund 6,5 Prozent gestiegen.

In den USA sei die Geldpolitik schon etwas weiter als in Europa, und auch die Konjunktur sei stärker. Im Euroraum dürften die Leitzinsen und Staatsanleiherenditen daher noch länger niedrig bleiben. Ob man trotz steigender Zinsen in hochverzinsliche Anleihen investieren sollte oder nicht, hänge davon ab, ob die höheren Renditen die Kursverluste ausgleichen würden. "Wir sind der festen Überzeugung, dass der Renditeaufschlag von europäischen High-Yield-Anleihen den in den nächsten zwölf Monaten zu erwartenden Anstieg der Staatsanleiherenditen wettmachen wird", so Kjaersgaard.

Seit Mai habe sich die grundsätzliche Einschätzung bei dem Experten von ACMBernstein nicht geändert, jedoch erwarte er eine steigende Volatilität am High-Yield-Markt. Entscheidend sei aus seiner Sicht das Zinsänderungs- beziehungsweise Durationsrisiko. Aber es gebe auch Möglichkeiten, dieses zu mindern. Zum einen, indem in Anleihen mit kürzeren Laufzeiten oder in variabel verzinsliche Papiere (Floaters) investiert werde. Zum anderen, indem Emittenten ausgewählt würden, deren Wertentwicklung von unternehmensspezifischen Faktoren abhängen würden und deren Anleihen sich deshalb relativ unabhängig vom Auf und Ab der Märkte entwickeln würden. Dazu würden vor allem einige kleinere Emittenten zählen, beispielsweise aus Großbritannien oder Unternehmen mit einem B-Rating.

Im Gegensatz dazu seien laut Einschätzung von ACMBernstein Anleihen von BB-bewerteten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors anfälliger für Zinsänderungsrisiken und Volatilität als Papiere mit niedrigeren Ratings. Diese Unternehmen würden ungefähr 50 Prozent des Gesamtmarktes ausmachen. In diesem Marktsegment seien die Spreads mit durchschnittlich 390 Basispunkten nur halb so hoch wie 2011 und nur ein Drittel so hoch wie 2009. Deshalb hätten sie steigenden Renditen nur wenig entgegenzusetzen.

Das BB-Segment werde von einigen großen Unternehmen dominiert, die zum Teil sehr konjunkturabhängig seien. Anders als bei kleinen Emittenten würden oft größere systematische Risiken hinzu kommen, das heiße, sie würden meist stärker auf die Schwankungen des Gesamtmarkts reagieren. Aufgrund des relativ großen Emissionsvolumens seien sie auch stärker von Kreditkrisen bedroht, sollte die Liquidität im Markt stark zurückgehen.

"Wir bevorzugen nach wie vor eine Untergewichtung von BB-Anleihen, eine Übergewichtung von B-Anleihen und die Beimischung von Papieren ausgewählter CCC-Emittenten. Auch einige Anleihen außerhalb des Finanzsektors in den Euro-Peripherieländern halten wir für zunehmend interessant. Wir glauben, dass die jüngsten Turbulenzen für einige Kaufchancen bei nachrangigen Finanzanleihen gesorgt haben. Angesichts der aktuellen Kurse dürfte man mit einem gut diversifizierten Portfolio eine Rendite von etwa 6,8 Prozent erzielen können - und ist dabei auch noch recht gut vor zukünftigen Zinsschwankungen geschützt", so Kjaersgaard zu den Chancen, die sich den Investoren im aktuellen Marktumfeld bieten würden. (28.06.2013/alc/a/a)