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Das Ende der quantitativen Lockerung in der Eurozone?


31.08.17 11:15
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - David Zahn, CFA, FRM, Head of European Fixed Income, Senior Vice President bei Franklin Templeton Fixed Income Group, erläutert, warum aus seiner Sicht der Anfang vom Ende der quantitativen Lockerung in Europa bevorstehen könnte, warum die EZB jedoch noch auf längere Zeit an ihrer gemäßigten Haltung festhalten dürfte.

Man wisse, dass die Europäische Zentralbank (EZB) Änderungen an ihrem geldpolitischen Ansatz gerne lange vor deren Umsetzung signalisiere. Daher rechne man damit, dass EZB-Präsident Mario Draghi in unmittelbarer Zukunft ankündigen werde, dass die Bank im nächsten Jahr damit beginnen werde, ihr Programm zur quantitativen Lockerung (QE) zurückzufahren.

Diese Ankündigung könnte bereits am 7. September erfolgen, wenn der EZB-Rat das nächste Mal zusammenkomme. Allerdings erwarten die Experten von Franklin Templeton ein tatsächliches "Tapering" frühestens 2018.

Jegliche Ankündigung dürfte zwar eine dramatische Reaktion der Finanzmärkte auslösen (insbesondere angesichts der Tatsache, dass nur wenige Märkte die Möglichkeit einer Kurskorrektur einzupreisen scheinen), wir rechnen jedoch nicht mit einem schnellen Ende des Wertpapierkaufprogramms der EZB, so die Experten von Franklin Templeton.

Nach Ansicht der Experten lägen die Aussichten auf mögliche Zinserhöhungen in der Eurozone in sogar noch weiterer Zukunft. Die Amtszeit Draghis als EZB-Präsident laufe noch bis Ende 2019, und es würde die Experten überraschen, noch vor diesem Zeitpunkt eine Zinsanhebung zu sehen.

Die EZB stehe wahrscheinlich vor einem Rätsel, das nach Einschätzung der Experten die Wahrscheinlichkeit eines steten Ansatzes für die Auflösung des QE-Programms erhöhe. Der Euro sei seit Beginn des Jahres aufgewertet worden, wodurch die wesentlichen Inflationskennzahlen der EZB unter Druck gekommen seien. Allerdings notiere er nur knapp höher als zum gleichen Zeitpunkt im Jahr 2016.

Sollte die Bank ihre Geldpolitik zu schnell straffen, könnte die Aufwertung der Währung zusätzlich beschleunigt werden, wodurch sich wiederum der Abwärtsdruck auf die Inflation erhöhen würde. In diesem Fall könnte die Bank mit Forderungen konfrontiert werden, ihre Geldpolitik weiter zu lockern.

Die EZB sei eine Zentralbank, die vornehmlich die Inflation ins Visier nehme. Ihre Inflationsprognose für 2019 liege derzeit bei 1,5%, nachdem die vorherige Prognose bei der letzten Ratssitzung nach unten korrigiert worden sei. Ihrem Ziel von knapp unter 2% komme sie also nicht nahe. Sowohl beim Wachstum als auch im politischen Umfeld sei eine fortlaufende Verbesserung zu beobachten. Nach Ansicht der Experten von Franklin Templeton könnten die Mitglieder des EZB-Rates bei Berücksichtigung dieser Faktoren zu dem Schluss kommen, dass die Zentralbank zwar eine gelockerte, aber nicht unbedingt eine ultralockere Geldpolitik benötigt.

Nach Erachten der Experten müsse die EZB ihren QE-Ansatz neu überdenken - nicht zuletzt aufgrund der zunehmenden Ähnlichkeiten zwischen den Entwicklungspfaden der Wirtschaft im Euroraum und in den USA.

So würden die beiden Wirtschaftsräume beispielsweise eine ähnliche Größe und auffallend ähnliche Wachstumsraten aufweisen. Auch bei der Inflation seien die Unterschiede nicht allzu groß. In Europa liege sie ein wenig geringer, aber auch nicht in dramatischem Ausmaß. Und auch die Arbeitsmarktdaten würden nicht allzu weit auseinander fallen. In Europa habe die Arbeitslosigkeit den in den USA verzeichneten extrem niedrigen Stand zwar nicht erreicht, sie sei jedoch auf den tiefsten Stand seit neun Jahren gefallen.

Vor diesem Hintergrund könnte man zu Recht fragen, warum es sinnvoll sei, dass sich ein Wirtschaftsraum (die USA) in einem geldpolitischen Straffungszyklus befinde, während der andere (die Eurozone) sein Programm zur geldpolitischen Lockerung fortsetze.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Experten von Franklin Templeton empfehlen keineswegs, dass die EZB eine Straffung einleiten sollte. Nach Ansicht der Experten sollte sie jedoch damit beginnen, den Umfang ihrer Maßnahmen zur quantitativen Lockerung zu verringern.

Diese Einschätzung falle mit der Erwartung zusammen, dass die EZB hinsichtlich der Mengen an Anleihen, die sie im kommenden Jahr kaufen könne, an ihre Grenzen stoßen werde. Grund hierfür seien vor allem Beschränkungen in Bezug auf ihr Eigentum an Anleihenemissionen (derzeit dürfe sie maximal ein Drittel einer Anleihenemission halten).

Nach Ansicht der Experten sei es wichtig, anzuerkennen, dass die quantitative Lockerung in der Eurozone äußerst erfolgreich verlaufen sei. Die Zinsen seien hierdurch auf ein sehr akkommodierendes Niveau gesunken.

Der EZB sei es gelungen, die Diskrepanzen zwischen den Bankzinsen im Norden und Süden Europas auszuräumen. Vor Einleitung der Maßnahmen zur quantitativen Lockerung seien die Zinsen in den südlichen Ländern Europas deutlich höher gewesen, sodass es dort sehr viel teurer gewesen sei, sich Geld zu leihen.

Zudem beobachte man allmählich positives Lohnwachstum, das es in Europa schon lange nicht mehr gegeben habe. Das positive Lohnwachstum belege, dass eine Senkung der Zinsen tatsächlich eine effektive Kreditvergabe und damit auch Wachstum nach sich ziehe.

Die EZB werde hoffen, dass sich dieses Wachstum in der Inflation niederschlage. Angesichts der niedrigen Inflationstrends in der Eurozone dürfte die EZB kurzfristig jedoch wohl noch auf längere Zeit an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten. (Ausgabe vom 28.08.2017) (31.08.2017/alc/a/a)