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Es wird spannend!


08.07.22 13:00
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Grundsätzlich ist natürlich jede Berichtssaison spannend und für den weiteren Marktverlauf mitentscheidend, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG im aktuellen Kapitalmarktkommentar.

Doch der ab Mitte Juli beginnenden Berichtssaison über das zweite Quartal 2022 könnte besondere Aufmerksamkeit zukommen, denn bis dato scheine die Unternehmensebene von den bereits länger eingetrübten Makro-Frühindikatoren nahezu unbeeindruckt zu sein. In der letzten Gewinnberichtssaison seien zwar negative Inflationseffekte seitens der Unternehmen schon deutlich verstärkt thematisiert und erstmals leicht rückläufige Gewinnmargen berichtet worden, allerdings hätten immer noch die positiven Überraschungen in Relation zu den Analystenschätzungen überwogen. Erwartungsgemäß werde das zweite Quartal die geringste Gewinnwachstumsrate seit über einem Jahr hervorbringen, aber es würden eben immer noch Zuwächse - sowohl bei Umsätzen als auch bei Gewinnen - erwartet. Und zwar nicht nur für das abgelaufene Quartal, sondern auch für die Folgequartale. Und dies in einer Zeit, wo die Diskussion über eine absehbare Rezession infolge der bekannten Herausforderungen und Unwägbarkeiten an Intensität deutlich zugenommen habe. Dementsprechend sei der Fokus der Marktteilnehmer in den nächsten Wochen wohl noch stärker als gewöhnlich darauf gerichtet, ob die Unternehmen trotz erschwerter Rahmenbedingungen diesen immer noch optimistischen Erwartungen gerecht werden könnten. Im Vorfeld habe es zwar vereinzelte Gewinnwarnungen von Firmenchefs gegeben, insgesamt seien jedoch noch keine Anzeichen für eine Gewinnrezession auf breiter Front zu erkennen. Daher könnte die Berichtssaison ein weiteres Mal dem Aktienmarkt eine zumindest temporäre Unterstützung bieten. Sollten jedoch die Berichte und/oder die Ausblicke enttäuschen, werde sich der Bärenmarkt wohl ungebremst fortsetzen. Raiffeisen KAG bleibe bei Aktien somit weiter vorsichtig positioniert.

Italienische Staatsanleihen im Fokus

Bei den Staatsanleihen sehe Raiffeisen KAG vor allem bei italienischen Papieren attraktive Möglichkeiten, nachdem die Spreads hier deutlich angestiegen seien und die EZB Mitte Juni angekündigt habe, "eine Fragmentierung des EUR Staatsanleihemarktes vermeiden" zu wollen. Mit diesem Wording habe die Notenbank dem Markt de facto ein Spreadlimit für italienische Anleihen von etwa 200 Basispunkten kommuniziert. Zudem bevorzuge Raiffeisen KAG kurze Staatsanleihen (Deutschland, USA) und rechne mittelfristig mit einer steileren Zinskurve.

Unternehmensanleihen: Steigende Ausfallsraten bei EUR High-Yield-Anleihen zu erwarten

Am Corporate-Bond-Markt präferiere Raiffeisen KAG aktuell Bankanleihen gegenüber Non-Financials-Anleihen (Industrieanleihen), aber auch EUR Investmentgrade-Titel gegenüber EUR High-Yield- Unternehmensanleihen. Die Risikoprämien von EUR High-Yield-Anleihen würden zwar deutlich angestiegene Ausfallsrisiken signalisieren, würden aber nach Meinung der Raiffeisen KAG aber noch nicht ausreichend die zu erwartende konjunkturelle Abkühlung diskontieren.

Emerging-Markets-Anleihen: Kaum prognostizierbare Auswirkungen der restriktiven Covid-Politik

Die Risikoprämien von Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen seien zwar durchaus attraktiv, doch v.a. die in Asien/China zunehmend schwachen Konjunkturindikatoren und die kaum zu prognostizierenden Auswirkungen der restriktiven Covid-Politik (Lockdowns), würden Raiffeisen KAG dazu veranlassen, bei dieser Anleiheklasse vorerst nicht zuzugreifen.

Entwickelte Aktienmärkte: Restriktiver werdendes Liquiditätsumfeld als Belastung

Die internationalen Aktienmärkte würden sich zuletzt unverändert schwach präsentierten. Die Sorge vor steigenden Renditen scheine zunehmend von Ängsten bezüglich einer deutlichen Gewinneintrübung abgelöst zu werden. Raiffeisen KAG sehe das restriktiver werdende Liquiditätsumfeld aber unverändert als einen der größten Belastungsfaktoren für die nächsten Monate. Im Gegensatz zu den Anleihemärkten betrachte Raiffeisen KAG dieses Thema auf der Aktienseite noch nicht ausreichend in den Kursen reflektiert. Raiffeisen KAG bleibe bei Aktien daher sehr zurückhaltend.

Schwellenländer-Aktienmärkte: Teilweise große Rohstoffreserven als Vorteil

Emerging-Markets-Aktien könnten sich dem allgemeinen Abwärtstrend nicht entziehen. Dennoch sei aktuell im Vergleich zu entwickelten Aktienmärkten zu erkennen, dass sich die Schwellenländer teilweise aufgrund der großen Rohstoffreserven besser halten könnten. Zum anderen sei speziell in Bezug auf China und Indien eine opportunistische Herangehensweise in der Rohstoffbeschaffung sehr hilfreich. Auch in Bezug auf die Inflationsentwicklung sei man hier mehr daran gewöhnt, mit solchen Situationen umzugehen (starke Zinsanhebungen seien bereits durchgeführt worden).

Rohstoffmärkte zuletzt schwächer - mit Ausnahme des Energiesektors

Die Rohstoffmärkte hätten sich zuletzt durch die Bank schwächer präsentiert. Vor allem die zyklischen Industriemetalle hätten aufgrund von zunehmenden Konjunkturwachstumsängsten Verluste hinnehmen müssen. Eine Sonderrolle nehme unverändert der Energiesektor ein, der stark von der Nachrichtenlage in der Ukraine bzw. von den Entwicklungen im Bereich Erdgas beeinflusst werde.

Hinweis: Die Raiffeisen KAG stehe für Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. (08.07.2022/alc/a/a)