Erweiterte Funktionen

Eskalation in Nahost verschärft Trends an Finanzmärkten


23.10.23 14:18
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Schon vor der plötzlichen Eskalation in Nahost waren die internationalen Finanzmärkte von einer ausgeprägten Unsicherheit gekennzeichnet, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Die drohende Flaute in der Weltwirtschaft, die hartnäckige Inflation, globale Turbulenzen, Krieg in der Ukraine u. a. würden die Investmentstimmungen trüben. Jetzt seien sehr negative Informationen aus dem Nahen Osten hinzugekommen. Wie solle sich in diesem Umfeld die Stimmung wieder bessern? Die Zinsen würden wohl länger so hoch bleiben, die Hoffnungen auf erste Senkungen durch die Zentralbanken müssten verschoben werden.

Mit einer solchen Situation seien die Finanzmärkte schon lange nicht mehr konfrontiert worden. Finanzanalysten und Investoren müssten ihre Prognosen überdenken. Der Fokus liege in erster Linie auf den Risiken, denen die Banken ausgesetzt seien. Vorbild für die Verhaltensanalyse seien die Ereignisse an den Finanzmärkten nach dem Bankenzusammenbruch 2008. Die gegenwärtigen Stimmungen seien nur ein eingeschränkter Indikator. Einem Stimmungstief könne durchaus noch ein tieferer Stand folgen. Wenn die Nacht am finstersten sei, dann sei der Morgen nicht mehr weit. Das sei zurzeit nur ein unzureichender Ratgeber. Die Zukunft bleibe ungewiss. Es könnte ja zu einer ganz neuen Weltordnung führen.

Auf die Risiken der Banken weise der IWF hin: Die schwachen Banken würden eine umfangreiche Gruppe bilden.

Die Gruppe der schwachen Banken leide besonders unter den gestiegenen und vielleicht noch weiter steigenden Zinsen und Renditen, unter steigenden Insolvenzen und fallenden Wertpapierpreisen.

Folgerung: Die Zentralbanken hätten allzu lange eine ultra-expansive Geldpolitik zur Konjunkturförderung beibehalten. Zur Bekämpfung der Inflation sei zwar ein restriktiverer Kurs eingeschlagen worden, aber die Geldmenge sei immer noch viel zu hoch. Eine neue Weltwirtschaftskrise könnte sie dazu zwingen, trotz bereits extrem hoher Verschuldung wieder neue quantitative Lockerungen einzuführen, wodurch die Stabilität des internationalen Finanzmarktes weiter gefährdet würde. Langfristig drohe dadurch eine weitere Inflationierung.

Der Bank Crédit Analyst meine, dass ein Einstieg der Renditen wie gegenwärtig häufig zu einem finanziellen Fiasko geführt habe

Geldmarkt: Die Notenbanken, allen voran die FED und die EZB, würden ihren restriktiven Kurs zur Bekämpfung der Inflation weiter fortsetzen. Die Geldmarktzinsen würden hoch bleiben, gegebenenfalls müsse mit einem weiteren Anstieg gerechnet werden. Termingeld werde jetzt interessant.

Rentenmarkt: Die derzeit erzielbaren Rentenrenditen bei hohem Rating böten noch keinen Inflationsausgleich. Mit weiteren Einbußen sei bei Obligationen zu rechnen. Käufe zurückstellen.

Aktienmarkt: noch immer rückläufiges Kursniveau. Trotz Stimmungstief Käufe weiter zurückstellen. Ausnahme Hersteller erneuerbarer Energien.

Devisenmarkt: Der US-Dollar habe seinen "Militärbonus" in den Kursen eskomptiert. Eine weitere Verschärfung der geopolitischen Turbulenzen werde ihn eher weiter beflügeln. Die Märkte würden volatil bleiben.

Immobilien: Die Märkte seien angesichts der erreichten hohen Preise einem allgemeinen Preisdruck ausgesetzt. Neubauten würden unter den höheren Zinsen sowie den stark gestiegenen Baustoffpreisen aufgrund von Lieferengpässen leiden. Die Baugenehmigungen in Deutschland würden die desolate Lage zeigen.

Edelmetalle: Nicht zuletzt wegen der gestiegenen Risiken in anderen Anlageformen habe der Goldpreis binnen kurzer Zeit starke Gewinne erzielt. Die unsolide Geld- und die Verschuldungspolitik würden kräftigen Rückenwind geben. Die Aussichten würden weiterhin hervorragend bleiben. (23.10.2023/alc/a/a)