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Euro-Anleihenmärkte durch Brexit-Verunsicherung und EZB-Politik weiterhin unterstützt


07.07.16 12:50
Pioneer Investments Austria

Wien (www.anleihencheck.de) - Europa steht an einem Scheideweg, so die Experten von Pioneer Investments Austria.

"Im Grunde gibt es zwei mögliche, aber entgegengesetzte Richtungen", sage Hans Köck, Investmentstratege bei Pioneer Investments Austria. "Entweder eine Entwicklung zu einer stärkeren Fragmentierung der EU, die letztlich sogar ein Auseinanderbrechen der Freihandelszone und ein Scheitern des langfristigen Projekts einer politischen Union zur Folge haben könnte. Oder man verstärkt und erneuert die Bemühungen um eine politische Integration, die über eine reine Währungs- und Wirtschaftsunion hinausgeht." Welchen Weg Europa einschlagen werde, werde man erst in einigen Monaten sehen.

Die "Brexit"-Entscheidung habe unmittelbar zu einem deutlichen Einbruch vor allem europäischer Aktien geführt. "In den letzten drei Börsentagen des Juni wurde aber rund die Hälfte der Verluste wieder aufgeholt", erkläre Köck.

Die japanische Börse sei stärker unter Druck gekommen, weil der Yen massiv gestiegen sei und damit die Wechselwirkung steigender Yen/fallende japanische Börse sich wieder einmal durchgesetzt habe. Ein steigender Yen verteuere japanische Exporte, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sinke.

Die US-Börsen hätten sich gegen den allgemeinen Börsentrend gehalten. Die britische Entscheidung habe dazu geführt, dass die Volatilitäten angestiegen seien, die Unsicherheit steige und die amerikanische Notenbank werde daher die Zinsen vorerst nicht erhöhen. Der Markt preise derzeit ein, dass die FED Funds Ende 2018 (!) bei 0,66% liegen würden (aktuell: 0,25% bis 0,5%). Der Markt erwarte also derzeit maximal eine Zinserhöhung in den kommenden eineinhalb Jahren.

Emerging Markets hätten gegen den Trend deutlich zulegen können, vor allem Brasilien sei im Juni mit +20% auf Eurobasis deutlicher Outperformer gewesen.

Der Euro-Staatsanleihenmarkt habe seine extrem positive Entwicklung im Juni fortgesetzt (+2,3%) und sei damit seit Jahresbeginn bereits mit 5,7% im Plus. 2016 habe bisher ganz im Zeichen des Anleihen-Ankaufprogramms der EZB gestanden, die als massiver Käufer auftrete. Durch die Entscheidung der Briten für den Brexit habe sich die Nachfrage nach Staatsanleihen zusätzlich verstärkt.

Mittlerweile würden rund 50% der Euro-Staatsanleihen negativ rentieren, etwa 85% hätten eine Rendite unter 1%. Die Durchschnittsrendite des Euro-Staatsanleihen-Marktes liege bei 0,24% (Stand Ende Juni 2016).

Euro Unternehmensanleihen aus dem Nicht-Finanzsektor hätten 2016 bisher in jedem Monat zulegen können und seien im Juni um weitere 1,6% gestiegen, seit Jahresbeginn um 5,4%. Die Durchschnittsrendite von Euro-Unternehmensanleihen liege bei 0,9%.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Europa habe gestanden und stehe ganz im Zeichen des Brexit. Der zu erwartende lange Brexit-Prozess erhöhe die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in Großbritannien mit möglichen negativen Auswirkungen für das Wachstum vor allem in Europa. Die Experten würden aber davon ausgehen, dass die Notenbanken ihre Unterstützung der Finanzmärkte fortsetzen würden. Die Märkte könnten allerdings die Effizienz zusätzlicher geldpolitischer Maßnahmen in Frage stellen.

Die wirtschaftliche Entwicklung in den USA habe - wie in Europa - ganz im Zeichen der Unsicherheit um das Brexit-Referendum gestanden. Auch aufgrund der Präsidentschaftswahlen im November rücke hier die Politik stärker in den Vordergrund. Insgesamt sollte aber der Einfluss des Brexit auf die US-Wirtschaft deutlich geringer sein als in Europa. Die Experten würden bei ihrer grundsätzlich positiven Einschätzung der US-Wirtschaft bleiben, die nach wie vor vom Konsum getragen werde. Wichtig für die Stimmung würden unter anderem die Aktienmärkte bleiben. Fallende Aktienmärkte könnten das Konsumentenvertrauen durch den negativen Vermögenseffekt belasten. Die FED bleibe weiterhin bei ihrer sehr vorsichtigen Haltung.

Durch das letztlich doch unerwartete Brexit-Votum sei die Unsicherheit weiter gestiegen. Für aktive Fondsmanager könne das aber auch zusätzliche Renditechancen bedeuten. "All das spricht für ein aktives Management in Form von gemischten Fonds. Wir sehen nach wie vor einen Großteil der Nachfrage der Investoren in dieser Fondskategorie, bei der die Anleger einem professionellen Manager die Entscheidung übertragen, wann und wie stark er riskantere Asset Klassen wie z.B. Aktien, High Yield Anleihen, Emerging Markets Anleihen gegenüber Staatsanleihen gewichtet", erkläre Köck. Aktives Risikomanagement sei dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor, um über Phasen immer wieder auftretender Volatilitäten relativ unbeschadet hinwegzukommen. (07.07.2016/alc/a/a)