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Euro-Bund-Future: Abnehmende Tendenz in der Fastenzeit?
14.02.13 15:35
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Am 24. Februar entscheiden die Wahlberechtigten Italiens über ihre neue politische Vertretung und zugleich auch über die Zukunft Eurolands, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Nur ein Fortschreiten in die momentan eingeschlagene Richtung werde Italien eine Stabilisierung ihrer angeschlagenen Wirtschaft ermöglichen. Ein Linksrutsch, eine Pattsituation oder eine Zersplitterung in viele nicht kompatible Einzelteile würde auch Euroland ins Mark treffen und eine neue Welle der Spekulation gegen den Fortbestand der "Eurozone alter Prägung" in Gang setzen. Nicht zuletzt sei die Verunsicherung der Märkte bei den Auktionen italienischer Staatsanleihen deutlich geworden, die sich wieder von ihren Tiefstständen im Januar des Jahres entfernt hätten. So habe in dieser Woche z.B. bei zwölfmonatigen Geldmarktpapieren im Volumen von 8,5 Mrd. EUR eine Rendite von 1,09% gezahlt werden müssen.
Noch im Januar sei seitens der Anleger eine effektive Verzinsung von 0,86% akzeptiert worden. Trotz des Anstiegs sei man aber meilenweit von dem Satz im Juni 2012 (ca. 4,00%) entfernt. Dennoch wäre nachlassender Reformwille der Beginn vom Ende und würde den Ängsten Flügel verleihen. Eine Entspannung am Rentenmarkt werde nur möglich sein, wenn nach der Wahl reformwillige Kräfte auf der politischen Bühne das Sagen haben würden.
Allerdings würden jüngste Umfragen zeigen, dass die Bevölkerung Italiens zum Teil gewillt sei, den nationalen Gedanken stärker in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen zu rücken. Dabei sei in der wirtschaftlichen Lage sicherlich vielen Menschen das Hemd näher als der Rock. Somit werde es Überwindung kosten, den Versuchungen einer Steueramnestie und anderen Versprechungen zu widerstehen. Bereits Odysseus habe Mittel und Wege finden müssen, um dem betörenden Gesang der Sirenen nicht zu erliegen. Wie prekär die Situation aktuell sei, werde in der monatlichen Auswertung der Italienischen Zentralbank deutlich, die das höchste Verhältnis zwischen ausstehenden und notleidenden Krediten des privaten Sektors seit April 2000 ausweise.
Die lähmende Unsicherheit sei wieder da. Nachdem man in den vergangenen Wochen hätte glauben können, eine Eurokrise mit wankenden Banken und überschuldeten Staaten hätte es nie gegeben, ziehe die Angst die Anleihenmärkte wieder in ihren Bann. Dies habe zur Folge, dass die Investoren weitgehend auf Tauchstation gehen würden und ihre bisher praktizierte Rochade, bei der Bundesanleihen gegen Titel aus der Euro-Peripherie getauscht worden seien, gestoppt hätten. Zu den Ursachen für diese Entwicklung zähle neben der oben beschriebenen Verunsicherung in Italien eine Reihe von Gründen.
Da sei zunächst die Euro-Baustelle Spanien, dem die Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit auf "BBB" durch Fitch drohe. Den spanischen Hoffnungen auf großzügige Hilfen durch die Notenpresse habe indessen EZB-Präsident Mario Draghi einen Dämpfer erteilt. Denn die EZB könne nur dann von ihrem Anleihekaufprogramm Gebrauch machen, wenn eine ernsthafte Störung der Geldpolitik vorliege. Außerdem habe Spanien noch nicht mal einen Antrag gestellt, um unter den Rettungsschirm schlüpfen zu können.
Dann würden die Niederländer schon mal die Abkehr von der Gemeinschaft üben, indem sie im Internet Stimmung gegen die EU machen und Stimmen für ein Referendum sammeln würden, das über die Zukunft der Niederlande in der EU entscheiden solle.
Da gebe es wieder mal neue Hiobsbotschaften aus Griechenland, wo die Zahl der Baugenehmigungen im November 2012 um 67% gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen sei. Dabei verharre die Bautätigkeit in Hellas eh schon auf extrem niedrigem Niveau.
Dann wäre da noch die Baustelle Zypern, wo es weiterhin Streit um das Rettungspaket gebe, zu dem sich die Euro-Finanzminister bedeckt halten würden. Einen Schuldenschnitt nach dem Vorbild von Griechenland sei jedenfalls nicht diskutabel, habe die EU-Kommission abgewehrt.
Und dann laufe Portugal die Zeit davon. 2014 und 2015 würden riesige Mengen an Schuldentiteln fällig. Und Lissabon habe bereits jetzt einen Anleiheumtausch ins Spiel gebracht, um die Laufzeiten zu verlängern.
Nachdem während der vergangenen Wochen die Vielzahl der Baustellen an den Märkten vorübergehend ausgeblendet worden seien, sei nach Ende der Faschingszeit wieder Schluss mit lustig und das Wechselbad der Gefühle kehre zurück.
Nachdem Investoren auf ihrer Suche nach rentablen Anlagealternativen zu den niedrig verzinslichen Titeln in Zentraleuropa bereits osteuropäische Länder wie Polen, Tschechien, Ungarn oder die Slowakei entdeckt hätten, ziehe die Karawane nun weiter nach Osten. So lasse sich in den von der Baader Bank an den Börsen Düsseldorf und München betreuten Titeln beobachten, dass Anleger nach ausgesuchten, auf Rubel lautenden Anleihen, Ausschau halten würden. Die Emittenten wie Rabobank, Europäische Investitionsbank oder KfW seien alle keine Unbekannten und die Renditen von mehr als 5% würden allemal interessant erscheinen.
Selektiv gesucht sei in Düsseldorf und München ein Kurzläufer (ISIN XS0587814954 / WKN A1GL1R; LiRa 3) der Rabobank mit Laufzeit 2/2014, der mit ca. 5,3% rentiere. Ebenso stehe eine Anleihe (ISIN XS0791160178 / WKN A1ML45, LiRa 3) der KfW, die 6/2016 endfällig sei und ca. 5,6% Rendite aufweise, sowie ein Bond der Europäischen Investitionsbank (ISIN XS0801408435 / WKN A1G6Y8; LiRa 3) mit Laufzeit 7/2019 und ca. 6,1% Rendite vereinzelt auf den Kauflisten. Neben den Renditen dürfte bei diesen Investments auch die Spekulation auf Währungsgewinne beim Rubel, dem man ein gewisses Aufwertungspotenzial zutraue, eine Rolle spielen.
Da die Rubel-Bonds teilweise nicht besonders liquide seien, sollte bei einer Anlageentscheidung auf das von der Baader Bank entwickelte Liquiditätsrating (LiRa 1 bis 6) geachtet werden. Mit LiRa 1 seien jederzeit handelbare Titel gekennzeichnet, LiRa 6 kennzeichne illiquide Papiere.
Nahezu winterliche Ruhe herrsche derzeit am Primärmarkt für Corporate Bonds. Nachdem sich viele Unternehmen bereits in den vergangenen Monaten am Kapitalmarkt vorfinanziert hätten, seien vielerorts die Kassen gut gefüllt. Große Namen unter den Emittenten würden bisher im neuen Jahr nahezu ganz fehlen.
So sei in dieser Woche lediglich die Emission des britischen Strom- und Gasversorgers National Grid aufgefallen, der eine Unternehmensanleihe (ISIN XS0891393414 / WKN A1HF9W) im Volumen von 500 Mio. EUR und einer Laufzeit von fünf Jahren begeben habe (Fälligkeit 02/18). Erwartet worden sei ein Spread im Bereich von 70 bis 75 bps gegenüber Mid Swap. Gepreist worden sei die Anleihe mit 70 bps über Mid Swap am unteren Ende der Bandbreite. Dies habe einem Emissionspreis von 99,796% entsprochen. Den Investoren zahle National Grid jährlich einen Kupon von 1,75%.
Geradezu glimpflich seien die Corporate Bonds von Peugeot davongekommen. Nachdem bekannt geworden sei, dass die französische Produktion im Fahrzeugbau im Dezember 2012 um 22,3% auf den niedrigsten Wert seit 1993 eingebrochen sei und der Konzern 2012 den höchsten Verlust seiner Geschichte habe hinnehmen müssen, hätten sich die Preise der Peugeot-Bonds sogar wider Erwarten erholt. Offenbar seien die schlechten Branchenwerte schon eingepreist gewesen und die Anleger hätten nach dem Motto "Buy on bad news" gehandelt. So hätten Peugeot-Bonds (ISIN FR0010780452 / WKN A1AJ7Z und ISIN FR0011124544 / WKN A1GVY7) mit Laufzeiten 7/2014 bzw. 3/2016 und ca. 3,8% Rendite bzw. ca. 5,2% auf den Kauflisten gestanden.
Es sei sicherlich nicht einfach die wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft richtig zu prognostizieren, denn bei der Fülle der Einflussfaktoren sei grundsätzlich immer alles möglich. So würden sich die großen Unternehmen zurückhalten und sich in "Understatement" üben. Viele Gesellschaften würden vom Export leben und seien vor den Folgen eines Währungskrieges nur unzureichend geschützt. Aber es gebe in der Exportnation Deutschland auch Unternehmen, die trotz starker Ausfuhrtätigkeit nicht dem Währungsrisiko ausgeliefert seien. Speziell mittelständische Unternehmen würden nach Euroland exportieren und aus diesem Grunde zuversichtlich in die Zukunft blicken. Dies habe auch eine Umfrage bestätigt, die von der Industrie- und Handelskammer in Auftrag gegeben worden sei.
Somit sei es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich immer mehr mittelständische Unternehmen am Kapitalmarkt refinanzieren würden. Aber wie im wahren Leben gebe es auch hierbei Unternehmen, die nur mit ihrem "guten" Namen und ohne Rating mittels einer Anleihe Gelder bei Investoren einsammeln würden. Hierbei würden die Risiken vieler Mittelstandsanleihen von den Anlegern zum Teil unterschätzt, denn solche Anleihen würden oft nur aus einem Grunde begeben, dem "Freischaufeln" von Sicherheiten. Nach einer Emission würden die Gelder verwendet, um andere (alte) Darlehen bei Banken zurückzuzahlen. Dadurch würden Sicherheiten, die die Banken verlangt hätten, frei. Allerdings würden diese nicht automatisch zur Besicherung der neuen Anleihen herangezogen, sondern für andere Transaktionen verwendet. Dies wiederum könne für Investoren bedeuten, dass sie im Fall der Fälle (Super-GAU) oft nur noch ihrem Geld hinterher schauen könnten.
Die Verlockung nach den vermeintlich hohen Zinsen sei für viele Investoren einfach zu groß, denn bei konservativer Anlage seien werterhaltende Investitionen fast unmöglich. Dass eine hohe Rendite aus einem hohen Risiko entsteht, scheinen viele Anleger auszublenden, so die Analysten der Baader Bank. Deshalb gelte auch an der Börse: "Augen auf am Kapitalmarkt".
Nicht erst seit der Finanzkrise 2008 werde den Bürgern bewusst, dass die Banken Risiken in sich bergen würden, die unter Umständen nicht mehr beherrschbar seien. Das Geschäftsmodell einer Bank: Versorgung der Unternehmen und privaten Haushalte mit den notwendigen finanziellen Mitteln wäre nach dem zweiten Weltkrieg mit den heutigen Maßstäben kläglich gescheitert. Risikolos sei keine Finanzierung gewesen und mit dem Aufschwung seien auch andere Geschäftsfelder hinzugekommen. Dennoch hätten sich die Ausfallraten in Grenzen gehalten. Nach dem Wiederaufbau sei es viele Jahre später zur Finanzkrise gekommen und nun hätten Banken infolge der Krise inzwischen faule Kredite in Höhe von fast einer Billion Euro in ihren Büchern angesammelt. Eine tickende Zeitbombe, die insbesondere den Banken der Sorgenkinder Italien und Spanien zu schaffen mache.
Nach Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young seien im Euroraum 10,2% (Italien) und 15,5% (Spanien) der Kredite vom Ausfall bedroht. Wie würden die Banken aber mit diesen Gefahren umgehen? Momentan versuche man die Risiken schön zu reden und verlasse sich auf die Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Rettungsfonds ESM. Diese beiden Institutionen hätten allerdings vorerst die Hoffnungen auf bedingungslose Unterstützung gedämpft. Nach Aussage unseres Bundesfinanzministers wird der ESM lediglich maximal 80 Mrd. EUR für direkte Hilfen zur Verfügung stellen, so die Analysten der Baader Bank. Das Ausleihvolumen in Höhe von 500 Mrd. EUR sei mit Bedacht einzusetzen und nicht nach dem Gießkannen-Prinzip zu verteilen.
Voraussetzung für eine direkte Bankenstützung sei aber weiterhin der Aufbau einer europäischen Bankenaufsicht. Diese Behörde sei bereits seit vielen Monaten Anlass für viele Besprechungen und die Verankerung bei der EZB könnte sich als geschickter Schachzug herausstellen. Denn dadurch wäre der unkomplizierte Blick hinter die Kulissen der europäischen Banken seitens der Notenbanker und somit eine bessere Feinsteuerung der Geldpolitik möglich.
Bei einer solchen Anhäufung von Risiken müsse die Politik der ruhigen Hand sowohl von Politikern als auch Notenbankern praktiziert werden.
Mit dem gestrigen Aschermittwoch habe die 40-tägige Fastenzeit begonnen. Das habe sich auch der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) zu Herzen genommen und sei gestern pünktlich das Abspecken gestartet. Die Sorgenkinder Italien und Spanien würden die Märkte zwar nach wie vor beschäftigen, aber ohne neue Informationen werde sich eine abwartende Haltung manifestieren. Charttechnisch habe der kurzfristige Aufwärtstrend der vergangenen Woche nicht bestätigt werden können. Somit befinde sich das Sorgenbarometer weiterhin in seinem seit Jahresanfang anhaltenden Abwärtstrend. Die Tradingrange werde weiterhin vorgegeben durch die Marke 143% (psychologischer Widerstand) und den Bereich um 141% als etwas stärker ausgeprägte Unterstützung.
Es bleibe abzuwarten ob der Bund-Future seine Diät weiter fortsetze oder ob die Probleme in Euroland zu einem Jojo-Effekt führen würden.
Im Gegensatz zu den Unternehmen hätten die Staatsregierungen weiterhin einen enormen Refinanzierungsbedarf. So hätten z.B. die Niederlande (A1G612 / 2018) und Italien (ISIN IT0004880990 / WKN A1HD62 / 2015; ISIN IT0004644735 / WKN A1A1QV / 2026; ISIN IT0004532559 / WKN A1AMH5 / 2040) Altemissionen aufgestockt. Aber auch Spanien benötige liquide Mittel und habe sich mittels sechs- und zwölfmonatiger Geldmarkttitel refinanziert. Trotz der "Schmiergeldaffäre" könne die Mittelaufnahme von 5,6 Mrd. EUR durchaus als gelungen bezeichnet werden. Die Rendite für sechs Monate belaufe sich auf 0,859% (vorher: 0,888%) und für zwölf Monate auf 1,548% (vorher: 1,472%).
In Deutschland müsse man solche Renditen für neunjährige Anleihen ausloben und bereits in der Vergangenheit habe die Bundesfinanzagentur zweimal zweijährige Bundesschatz-Anweisungen mit einem Kupon von 0% auflegen können. Insgesamt hätten so 29 Mrd. EUR refinanziert werden können. Am gestrigen Mittwoch sei es dann endlich wieder soweit gewesen und die neue Serie (ISIN DE0001137412 / WKN 113741) sei mit einem Kupon von 0,25% getendert worden. Bei einer 1,8-fachen Überzeichnung sei die Zuteilung mit einer Durchschnittsrendite von 0,21% erfolgt. Bereits am Dienstag sei die inflationsindexierte Anleihe (ISIN DE0001030534 / WKN 103053) um 1 Mrd. EUR auf insgesamt 8 Mrd. EUR aufgestockt worden. Die reale Durchschnittsrendite belaufe sich hierbei auf -0,78%.
Premiere habe in dieser Woche aber ein anderer Emittent gefeiert. Der Rettungsschirm EFSF habe am Kapitalmarkt ca. 1 Mrd. EUR für die Euroländer Irland und Portugal mittels einer zehnjährigen Anleihe eingesammelt. Es handle sich hierbei um die erste langlaufende Emission und die Rendite für die Investoren habe ca. 2,3% betragen.
In den vergangenen Tagen habe die Frage nach der richtigen Währungspolitik zum Thema Nummer 1 in der Medienwelt mutiert. Im Anschluss an den G-7-Gipfel hätten sich die Vertreter der sieben führenden Industrie-Nationen (G-7), zu denen auch Japan zähle, dazu geäußert und sich für freie Wechselkurse ausgesprochen. Doch in der Vergangenheit habe sich eher der Eindruck verstärkt, dass die jeweiligen Regierungen - insbesondere Nippon - nach dem Motto "der Schwächste siegt" verfahren und ihre Landeswährung schwächen würden, um dadurch die eigene Konjunktur zu beleben. Devisenhändler hätten auf das Bekenntnis der Politiker mit einem leicht erholten Yen gegenüber Dollar und Euro reagiert.
In Bezug auf den US-Dollar zeige sich die europäische Gemeinschaftswährung von den aktuellen Währungsspekulationen allerdings wenig beeindruckt und verharre weiterhin bei ca. 1,3400 USD.
Die aktuellen Diskussionen rund um die Währungspolitik würden dafür sorgen, dass Fremdwährungsanleihen weiter auf dem Radar der Anleger bleiben würden. Auf rege Nachfrage würden nach wie vor Anleihen auf Norwegische Kronen, Australische Dollar, Türkische Lira, Südafrikanische Rand sowie auch Rubel stoßen.
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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (14.02.2013/alc/a/a)
Nur ein Fortschreiten in die momentan eingeschlagene Richtung werde Italien eine Stabilisierung ihrer angeschlagenen Wirtschaft ermöglichen. Ein Linksrutsch, eine Pattsituation oder eine Zersplitterung in viele nicht kompatible Einzelteile würde auch Euroland ins Mark treffen und eine neue Welle der Spekulation gegen den Fortbestand der "Eurozone alter Prägung" in Gang setzen. Nicht zuletzt sei die Verunsicherung der Märkte bei den Auktionen italienischer Staatsanleihen deutlich geworden, die sich wieder von ihren Tiefstständen im Januar des Jahres entfernt hätten. So habe in dieser Woche z.B. bei zwölfmonatigen Geldmarktpapieren im Volumen von 8,5 Mrd. EUR eine Rendite von 1,09% gezahlt werden müssen.
Noch im Januar sei seitens der Anleger eine effektive Verzinsung von 0,86% akzeptiert worden. Trotz des Anstiegs sei man aber meilenweit von dem Satz im Juni 2012 (ca. 4,00%) entfernt. Dennoch wäre nachlassender Reformwille der Beginn vom Ende und würde den Ängsten Flügel verleihen. Eine Entspannung am Rentenmarkt werde nur möglich sein, wenn nach der Wahl reformwillige Kräfte auf der politischen Bühne das Sagen haben würden.
Allerdings würden jüngste Umfragen zeigen, dass die Bevölkerung Italiens zum Teil gewillt sei, den nationalen Gedanken stärker in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen zu rücken. Dabei sei in der wirtschaftlichen Lage sicherlich vielen Menschen das Hemd näher als der Rock. Somit werde es Überwindung kosten, den Versuchungen einer Steueramnestie und anderen Versprechungen zu widerstehen. Bereits Odysseus habe Mittel und Wege finden müssen, um dem betörenden Gesang der Sirenen nicht zu erliegen. Wie prekär die Situation aktuell sei, werde in der monatlichen Auswertung der Italienischen Zentralbank deutlich, die das höchste Verhältnis zwischen ausstehenden und notleidenden Krediten des privaten Sektors seit April 2000 ausweise.
Die lähmende Unsicherheit sei wieder da. Nachdem man in den vergangenen Wochen hätte glauben können, eine Eurokrise mit wankenden Banken und überschuldeten Staaten hätte es nie gegeben, ziehe die Angst die Anleihenmärkte wieder in ihren Bann. Dies habe zur Folge, dass die Investoren weitgehend auf Tauchstation gehen würden und ihre bisher praktizierte Rochade, bei der Bundesanleihen gegen Titel aus der Euro-Peripherie getauscht worden seien, gestoppt hätten. Zu den Ursachen für diese Entwicklung zähle neben der oben beschriebenen Verunsicherung in Italien eine Reihe von Gründen.
Da sei zunächst die Euro-Baustelle Spanien, dem die Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit auf "BBB" durch Fitch drohe. Den spanischen Hoffnungen auf großzügige Hilfen durch die Notenpresse habe indessen EZB-Präsident Mario Draghi einen Dämpfer erteilt. Denn die EZB könne nur dann von ihrem Anleihekaufprogramm Gebrauch machen, wenn eine ernsthafte Störung der Geldpolitik vorliege. Außerdem habe Spanien noch nicht mal einen Antrag gestellt, um unter den Rettungsschirm schlüpfen zu können.
Dann würden die Niederländer schon mal die Abkehr von der Gemeinschaft üben, indem sie im Internet Stimmung gegen die EU machen und Stimmen für ein Referendum sammeln würden, das über die Zukunft der Niederlande in der EU entscheiden solle.
Da gebe es wieder mal neue Hiobsbotschaften aus Griechenland, wo die Zahl der Baugenehmigungen im November 2012 um 67% gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen sei. Dabei verharre die Bautätigkeit in Hellas eh schon auf extrem niedrigem Niveau.
Dann wäre da noch die Baustelle Zypern, wo es weiterhin Streit um das Rettungspaket gebe, zu dem sich die Euro-Finanzminister bedeckt halten würden. Einen Schuldenschnitt nach dem Vorbild von Griechenland sei jedenfalls nicht diskutabel, habe die EU-Kommission abgewehrt.
Und dann laufe Portugal die Zeit davon. 2014 und 2015 würden riesige Mengen an Schuldentiteln fällig. Und Lissabon habe bereits jetzt einen Anleiheumtausch ins Spiel gebracht, um die Laufzeiten zu verlängern.
Nachdem während der vergangenen Wochen die Vielzahl der Baustellen an den Märkten vorübergehend ausgeblendet worden seien, sei nach Ende der Faschingszeit wieder Schluss mit lustig und das Wechselbad der Gefühle kehre zurück.
Nachdem Investoren auf ihrer Suche nach rentablen Anlagealternativen zu den niedrig verzinslichen Titeln in Zentraleuropa bereits osteuropäische Länder wie Polen, Tschechien, Ungarn oder die Slowakei entdeckt hätten, ziehe die Karawane nun weiter nach Osten. So lasse sich in den von der Baader Bank an den Börsen Düsseldorf und München betreuten Titeln beobachten, dass Anleger nach ausgesuchten, auf Rubel lautenden Anleihen, Ausschau halten würden. Die Emittenten wie Rabobank, Europäische Investitionsbank oder KfW seien alle keine Unbekannten und die Renditen von mehr als 5% würden allemal interessant erscheinen.
Selektiv gesucht sei in Düsseldorf und München ein Kurzläufer (ISIN XS0587814954 / WKN A1GL1R; LiRa 3) der Rabobank mit Laufzeit 2/2014, der mit ca. 5,3% rentiere. Ebenso stehe eine Anleihe (ISIN XS0791160178 / WKN A1ML45, LiRa 3) der KfW, die 6/2016 endfällig sei und ca. 5,6% Rendite aufweise, sowie ein Bond der Europäischen Investitionsbank (ISIN XS0801408435 / WKN A1G6Y8; LiRa 3) mit Laufzeit 7/2019 und ca. 6,1% Rendite vereinzelt auf den Kauflisten. Neben den Renditen dürfte bei diesen Investments auch die Spekulation auf Währungsgewinne beim Rubel, dem man ein gewisses Aufwertungspotenzial zutraue, eine Rolle spielen.
Da die Rubel-Bonds teilweise nicht besonders liquide seien, sollte bei einer Anlageentscheidung auf das von der Baader Bank entwickelte Liquiditätsrating (LiRa 1 bis 6) geachtet werden. Mit LiRa 1 seien jederzeit handelbare Titel gekennzeichnet, LiRa 6 kennzeichne illiquide Papiere.
Nahezu winterliche Ruhe herrsche derzeit am Primärmarkt für Corporate Bonds. Nachdem sich viele Unternehmen bereits in den vergangenen Monaten am Kapitalmarkt vorfinanziert hätten, seien vielerorts die Kassen gut gefüllt. Große Namen unter den Emittenten würden bisher im neuen Jahr nahezu ganz fehlen.
So sei in dieser Woche lediglich die Emission des britischen Strom- und Gasversorgers National Grid aufgefallen, der eine Unternehmensanleihe (ISIN XS0891393414 / WKN A1HF9W) im Volumen von 500 Mio. EUR und einer Laufzeit von fünf Jahren begeben habe (Fälligkeit 02/18). Erwartet worden sei ein Spread im Bereich von 70 bis 75 bps gegenüber Mid Swap. Gepreist worden sei die Anleihe mit 70 bps über Mid Swap am unteren Ende der Bandbreite. Dies habe einem Emissionspreis von 99,796% entsprochen. Den Investoren zahle National Grid jährlich einen Kupon von 1,75%.
Geradezu glimpflich seien die Corporate Bonds von Peugeot davongekommen. Nachdem bekannt geworden sei, dass die französische Produktion im Fahrzeugbau im Dezember 2012 um 22,3% auf den niedrigsten Wert seit 1993 eingebrochen sei und der Konzern 2012 den höchsten Verlust seiner Geschichte habe hinnehmen müssen, hätten sich die Preise der Peugeot-Bonds sogar wider Erwarten erholt. Offenbar seien die schlechten Branchenwerte schon eingepreist gewesen und die Anleger hätten nach dem Motto "Buy on bad news" gehandelt. So hätten Peugeot-Bonds (ISIN FR0010780452 / WKN A1AJ7Z und ISIN FR0011124544 / WKN A1GVY7) mit Laufzeiten 7/2014 bzw. 3/2016 und ca. 3,8% Rendite bzw. ca. 5,2% auf den Kauflisten gestanden.
Es sei sicherlich nicht einfach die wirtschaftliche Entwicklung einer Volkswirtschaft richtig zu prognostizieren, denn bei der Fülle der Einflussfaktoren sei grundsätzlich immer alles möglich. So würden sich die großen Unternehmen zurückhalten und sich in "Understatement" üben. Viele Gesellschaften würden vom Export leben und seien vor den Folgen eines Währungskrieges nur unzureichend geschützt. Aber es gebe in der Exportnation Deutschland auch Unternehmen, die trotz starker Ausfuhrtätigkeit nicht dem Währungsrisiko ausgeliefert seien. Speziell mittelständische Unternehmen würden nach Euroland exportieren und aus diesem Grunde zuversichtlich in die Zukunft blicken. Dies habe auch eine Umfrage bestätigt, die von der Industrie- und Handelskammer in Auftrag gegeben worden sei.
Somit sei es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich immer mehr mittelständische Unternehmen am Kapitalmarkt refinanzieren würden. Aber wie im wahren Leben gebe es auch hierbei Unternehmen, die nur mit ihrem "guten" Namen und ohne Rating mittels einer Anleihe Gelder bei Investoren einsammeln würden. Hierbei würden die Risiken vieler Mittelstandsanleihen von den Anlegern zum Teil unterschätzt, denn solche Anleihen würden oft nur aus einem Grunde begeben, dem "Freischaufeln" von Sicherheiten. Nach einer Emission würden die Gelder verwendet, um andere (alte) Darlehen bei Banken zurückzuzahlen. Dadurch würden Sicherheiten, die die Banken verlangt hätten, frei. Allerdings würden diese nicht automatisch zur Besicherung der neuen Anleihen herangezogen, sondern für andere Transaktionen verwendet. Dies wiederum könne für Investoren bedeuten, dass sie im Fall der Fälle (Super-GAU) oft nur noch ihrem Geld hinterher schauen könnten.
Die Verlockung nach den vermeintlich hohen Zinsen sei für viele Investoren einfach zu groß, denn bei konservativer Anlage seien werterhaltende Investitionen fast unmöglich. Dass eine hohe Rendite aus einem hohen Risiko entsteht, scheinen viele Anleger auszublenden, so die Analysten der Baader Bank. Deshalb gelte auch an der Börse: "Augen auf am Kapitalmarkt".
Nach Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young seien im Euroraum 10,2% (Italien) und 15,5% (Spanien) der Kredite vom Ausfall bedroht. Wie würden die Banken aber mit diesen Gefahren umgehen? Momentan versuche man die Risiken schön zu reden und verlasse sich auf die Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Rettungsfonds ESM. Diese beiden Institutionen hätten allerdings vorerst die Hoffnungen auf bedingungslose Unterstützung gedämpft. Nach Aussage unseres Bundesfinanzministers wird der ESM lediglich maximal 80 Mrd. EUR für direkte Hilfen zur Verfügung stellen, so die Analysten der Baader Bank. Das Ausleihvolumen in Höhe von 500 Mrd. EUR sei mit Bedacht einzusetzen und nicht nach dem Gießkannen-Prinzip zu verteilen.
Voraussetzung für eine direkte Bankenstützung sei aber weiterhin der Aufbau einer europäischen Bankenaufsicht. Diese Behörde sei bereits seit vielen Monaten Anlass für viele Besprechungen und die Verankerung bei der EZB könnte sich als geschickter Schachzug herausstellen. Denn dadurch wäre der unkomplizierte Blick hinter die Kulissen der europäischen Banken seitens der Notenbanker und somit eine bessere Feinsteuerung der Geldpolitik möglich.
Bei einer solchen Anhäufung von Risiken müsse die Politik der ruhigen Hand sowohl von Politikern als auch Notenbankern praktiziert werden.
Mit dem gestrigen Aschermittwoch habe die 40-tägige Fastenzeit begonnen. Das habe sich auch der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) zu Herzen genommen und sei gestern pünktlich das Abspecken gestartet. Die Sorgenkinder Italien und Spanien würden die Märkte zwar nach wie vor beschäftigen, aber ohne neue Informationen werde sich eine abwartende Haltung manifestieren. Charttechnisch habe der kurzfristige Aufwärtstrend der vergangenen Woche nicht bestätigt werden können. Somit befinde sich das Sorgenbarometer weiterhin in seinem seit Jahresanfang anhaltenden Abwärtstrend. Die Tradingrange werde weiterhin vorgegeben durch die Marke 143% (psychologischer Widerstand) und den Bereich um 141% als etwas stärker ausgeprägte Unterstützung.
Es bleibe abzuwarten ob der Bund-Future seine Diät weiter fortsetze oder ob die Probleme in Euroland zu einem Jojo-Effekt führen würden.
Im Gegensatz zu den Unternehmen hätten die Staatsregierungen weiterhin einen enormen Refinanzierungsbedarf. So hätten z.B. die Niederlande (A1G612 / 2018) und Italien (ISIN IT0004880990 / WKN A1HD62 / 2015; ISIN IT0004644735 / WKN A1A1QV / 2026; ISIN IT0004532559 / WKN A1AMH5 / 2040) Altemissionen aufgestockt. Aber auch Spanien benötige liquide Mittel und habe sich mittels sechs- und zwölfmonatiger Geldmarkttitel refinanziert. Trotz der "Schmiergeldaffäre" könne die Mittelaufnahme von 5,6 Mrd. EUR durchaus als gelungen bezeichnet werden. Die Rendite für sechs Monate belaufe sich auf 0,859% (vorher: 0,888%) und für zwölf Monate auf 1,548% (vorher: 1,472%).
In Deutschland müsse man solche Renditen für neunjährige Anleihen ausloben und bereits in der Vergangenheit habe die Bundesfinanzagentur zweimal zweijährige Bundesschatz-Anweisungen mit einem Kupon von 0% auflegen können. Insgesamt hätten so 29 Mrd. EUR refinanziert werden können. Am gestrigen Mittwoch sei es dann endlich wieder soweit gewesen und die neue Serie (ISIN DE0001137412 / WKN 113741) sei mit einem Kupon von 0,25% getendert worden. Bei einer 1,8-fachen Überzeichnung sei die Zuteilung mit einer Durchschnittsrendite von 0,21% erfolgt. Bereits am Dienstag sei die inflationsindexierte Anleihe (ISIN DE0001030534 / WKN 103053) um 1 Mrd. EUR auf insgesamt 8 Mrd. EUR aufgestockt worden. Die reale Durchschnittsrendite belaufe sich hierbei auf -0,78%.
Premiere habe in dieser Woche aber ein anderer Emittent gefeiert. Der Rettungsschirm EFSF habe am Kapitalmarkt ca. 1 Mrd. EUR für die Euroländer Irland und Portugal mittels einer zehnjährigen Anleihe eingesammelt. Es handle sich hierbei um die erste langlaufende Emission und die Rendite für die Investoren habe ca. 2,3% betragen.
In den vergangenen Tagen habe die Frage nach der richtigen Währungspolitik zum Thema Nummer 1 in der Medienwelt mutiert. Im Anschluss an den G-7-Gipfel hätten sich die Vertreter der sieben führenden Industrie-Nationen (G-7), zu denen auch Japan zähle, dazu geäußert und sich für freie Wechselkurse ausgesprochen. Doch in der Vergangenheit habe sich eher der Eindruck verstärkt, dass die jeweiligen Regierungen - insbesondere Nippon - nach dem Motto "der Schwächste siegt" verfahren und ihre Landeswährung schwächen würden, um dadurch die eigene Konjunktur zu beleben. Devisenhändler hätten auf das Bekenntnis der Politiker mit einem leicht erholten Yen gegenüber Dollar und Euro reagiert.
In Bezug auf den US-Dollar zeige sich die europäische Gemeinschaftswährung von den aktuellen Währungsspekulationen allerdings wenig beeindruckt und verharre weiterhin bei ca. 1,3400 USD.
Die aktuellen Diskussionen rund um die Währungspolitik würden dafür sorgen, dass Fremdwährungsanleihen weiter auf dem Radar der Anleger bleiben würden. Auf rege Nachfrage würden nach wie vor Anleihen auf Norwegische Kronen, Australische Dollar, Türkische Lira, Südafrikanische Rand sowie auch Rubel stoßen.
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