Euro-Bund-Future: Die Untertasse lässt grüßen


22.08.13 14:53
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Bis vor wenigen Wochen galt eine erneute Hilfe für Griechenland als Affront gegen die guten Sitten, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Nun scheine sich das Sentiment aber zu drehen und auch der deutsche Finanzminister räume ein, dass an weiteren Hilfen für Athen wohl kein Weg vorbeiführe. Das Jahr 2013 scheine schon jetzt zum "Jahr der Wahrheit" zu mutieren! Politiker würden stets dazu neigen, ihre Worte genau abzuwägen und das geschehe auch in diesem Fall.

Inzwischen argumentiere man, dass es einen zweiten Schuldenschnitt nicht geben werde, aber neue Hilfen könne man sich vorstellen. Hierbei gelte also erneut: Der liebe Gott dürfe mir alles nehmen, aber bitte nicht meine Ausreden! Ein Denkansatz, der unter Politikern weit verbreitet sei. Was aber bei den Bürgern ankomme, sei die Botschaft, dass in punkto Griechenland anscheinend das Sprichwort gelte: Aller guten Dinge seien drei.

Nun stelle sich aber insbesondere der deutsche Steuerzahler die Frage: Was sei besser für mich? Wenn die Schulden erlassen würden oder wenn man noch mehr Geld hineinpumpe, das man später nicht wiedersehen werde? Unter’m Strich komme es auf’s Gleiche raus, denn man müsse davon ausgehen, dass die neuerlichen finanziellen Mittel nie zurückgezahlt werden könnten! Und tröstlich sei hierbei auch nicht die neue Variante, dass die Finanzierung teilweise aus dem EU-Haushalt erfolgen solle, an dem alle EU-Staaten und insbesondere Deutschland in großem Stil mitzahlen dürften.

Aber auch diesmal würden die Gelder nicht den kleinen bedürftigen Bürger erreichen, sondern es werde weiterhin lediglich versucht, die internationalen Kapitalgeber Griechenlands, die Banken, zu retten. Somit werde auch Schaden von großen deutschen Finanzinstituten bzw. Bad Banks abgewendet werden. Und das könne durchaus auch im Sinne der Bundesregierung sein, die ansonsten als Anteilseigner finanziell leiden würde.

Ein solches Hilfsprogramm 3.0 hätte aber auch Konsequenzen für die im Jahr 2015 geplante Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt. Dies wäre so nicht mehr umsetzbar und zusätzlich würde auch der Schuldenstand in Dimensionen vorstoßen, die selbst für die Skeptiker unter den Sanierern unvorstellbar gewesen seien.

Habe der Schuldenstand der Hellenen im Jahre 2008 bereits 112,9% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen, so werde gegenwärtig noch mit einem Anstieg für das Jahr 2013 auf 188,9% gerechnet, um bis 2022 wieder auf 110% zu fallen. Dieser bisherige Plan, der auf finanzieller Unterstützung in Höhe von ca. 240 Mrd. EUR mittels der Hilfspakete I und II aufbaue, sei allerdings mit diesen neuen Informationen nicht haltbar und die Schuldenfalle würde erneut zuschnappen!

Gestern Abend sei es dann endlich soweit gewesen. Die US-Notenbank habe das Protokoll der Sitzung des Offenmarktausschusses vom 30./31. Juli des Jahres veröffentlicht. Börsianer und Investoren würden sich dadurch Hinweise auf die weitere Geldpolitik der Amerikanischen Notenbank (FED) erhoffen, denn die Unsicherheit hierzu habe in den vergangenen Wochen sowohl den Renten- als auch den Aktienmärkten stark zugesetzt. Die magische Rendite von 3,00% für zehnjährige US-Treasuries, die lange Zeit in weiter Ferne gewesen sei, sei im Rahmen dieser Diskussion um die Reduzierung des Anleihekaufprogramms in greifbare Nähe gerückt.

Momentan scheine sich nach der Analyse des Protokolls allerdings etwas Zuversicht breit zu machen, dass doch nicht alles so heiß gegessen werde, wie es gekocht werde. Denn die Unwägbarkeiten bei der konjunkturellen Entwicklung seien noch lange nicht vom Tisch. Nicht nur in Deutschland habe sich herauskristallisiert, dass der Trend hin zu mehreren Nebenjobs ungebrochen sei, sondern auch in den USA.

Und solange die wirtschaftliche Situation so fragil sei, bestehe lediglich die Möglichkeit einer vorsichtigen Reduzierung, aber nicht eines unmittelbar bevorstehenden Endes der unterstützenden Maßnahmen. Dies würde ansonsten einem Liebesentzug der amerikanischen Notenbank für die internationalen Kapitalmärkte gleichkommen, den sich die internationale Gemeinschaft - insbesondere vor dem Hintergrund des in den USA noch nicht gelösten Haushaltskonflikts - ersparen müsse. Denn einen dramatischen Anstieg der Refinanzierungskosten könne sich kein Staat und kein Unternehmen mehr leisten.

Nachdem viele Schwellenländer in den vergangenen Monaten und Jahren auch als Profiteure der Euro-Schuldenkrise gegolten hätten, habe sich das Blatt inzwischen gewendet. Und zwar in einer Art und Weise, die viele Fachleute überrascht habe. Zuerst seien die Bonds der Schwellenländer als Alternative zu den niedrig verzinslichen Anleihen angepriesen worden und das habe sich auch in der Entwicklung der Devisenkurse widergespiegelt.

Kursgewinne bei der Währung und Kursgewinne bei den Anleihen hätten viele Investoren das Risiko ihrer Anlageentscheidung ausblenden lassen. Negative Realverzinsungen seien die Folge gewesen und dann sei es gekommen, wie es habe kommen müssen: Die Diskussion um die weitere Geldpolitik in den USA, Japan und auch Europa habe einen Ausverkauf entfacht, der die Renditen der Anleihen von Schwellenländern auf Höchststände getrieben habe und auch die Währungen in den Keller habe rauschen lassen.

Da man aber weiterhin davon ausgehen könne, dass die Zinsen in den Industriestaaten und Schwellenländern auf einem niedrigen Niveau verharren würden, sehe der weltgrößte Investor, Pacific Investment Management (Pimco), eine Chance für Investments in Schwellenländer-Bonds und sei sogar bereit, sich dafür sich von anderen "klassischen" Emittenten zu trennen. So habe man beispielsweise, wegen des unverändert negativen Ausblicks der Rating-Agentur Fitch für die immer noch mit AAA bewerteten Niederlande, das Volumen derer Staatsanleihen im Portfolio reduziert und Umschichtungen vorgenommen.

Früher habe stets der Grundsatz gegolten: "Aus Erfahrung wird man klug!". Dies scheine allerdings nicht für alle Bereiche des Lebens und insbesondere nicht für die Finanzbranche zu gelten. Habe man vor Jahren noch erwartet, dass die Immobilienblase in den USA und Spanien ein Ausrutscher gewesen seien, so scheine inzwischen das Problem auch in China und Großbritannien zu bestehen. Hierbei stelle sich die Situation in beiden Staaten trotz ihrer unterschiedlichen Struktur ähnlich dar. In Großbritannien zum Beispiel seien Kredite mit Hilfe der großzügigen Unterstützung des Staates leicht zu bekommen. Dadurch erhoffe man sich seitens der Regierung eine Konjunkturbelebung.

Nur was passiere mit dem Geld? Meist profitiere der private Konsum, aber auch die Sicherung des Wohnraumes habe hohe Priorität. So seien innerhalb des Jahres die Immobilienpreise in Teilen Londons so stark gestiegen wie seit drei Jahren nicht mehr. Dies habe eine Erhebung des Bauunternehmens Nationwide ergeben. Hierbei sei natürlich eine Unterscheidung zwischen bevorzugtem Wohnraum in Großstädten und in ländlichen Gegenden zu machen. Aber auch China vermelde für Juli Preissteigerungen von 14,1% bei Häuserpreisen in Peking und von 13,7% in Shanghai.

Vermeiden lasse sich eine solch drohende Immobilienblase aber nur durch steigende Zinsen und das müsse beispielsweise die Bank von England aus anderen Gründen unbedingt vermeiden. Die Konjunktur würde unvermittelt ins Stocken geraten und in China wären soziale Unruhen die Folge, wenn über Zinserhöhungen die Preise für Grundnahrungsmittel anziehen würden. Es werde also keine leichte Aufgabe sein, die Inflation zu zügeln, die Konjunktur zu stimulieren und gleichzeitig Auswüchse bei den Immobilienpreisen zu vermeiden. Zu beneiden seien die Notenbanker wirklich nicht.

Es sei schon faszinierend. Deutschland spare sich in den Jahren 2010 bis 2014 nach den jüngsten Analysen wegen der niedrigen Zinsen insgesamt 40,9 Mrd. EUR. Dies resultiere aus niedrigeren Zinskosten als ursprünglich geplant. Sei aber auch der Tatsache geschuldet, dass die Deutsche Finanzagentur einen immer größeren Anteil der Staatsschulden langfristig refinanziere. Gepaart mit Steuermehreinnahmen habe das allerdings nicht zu einem Abbau der Schulden Deutschlands, sondern lediglich zu einer um 73 Mrd. EUR geringeren Neuverschuldung geführt!

Jetzt aber wieder die Karte zu ziehen, dass Deutschland der große Profiteur der Finanzkrise sei, sei zu kurz gesprungen. Denn bei einem aktuellen Bestand von ca. 200 Mrd. EUR an Staatsanleihen der Krisenstaaten wäre wegen der 27%-igen Haftungsbeteiligung Deutschlands an der EZB das Ersparte schnell aufgebraucht.

Dass viele Politiker, die neidvoll auf die günstigen Refinanzierungskosten schauen würden, zusätzlich auch noch die Haftungsrisiken für den ESM ausblenden würden, sei bekannt. Denn Bareinlagen in Höhe von 22 Mrd. EUR, Garantien für 168 Mrd. EUR und Rücküberweisung eines Teils der vereinnahmten Zinsen würden Risiken darstellen, die nur bei einer "Milchmädchenrechnung" ausgeblendet werden könnten.

Grundsätzlich gelte aber auch hierbei wieder der alte Spruch: "Neid muss man sich hart erarbeiten, Mitleid wird einem geschenkt."

Während der vergangenen Handelswoche habe der Euro-Bund-Future eine Formation gebildet, die in der Chartanalyse als normale Untertasse bezeichnet werde. So sei er am Donnerstag letzter Woche um die Marke von 141,00% in den Handel gestartet und bis zum Nachmittag auf sein Zehn-Monats-Tief bei 139,83% gefallen. Auslöser hierfür seien Aussagen seitens der deutschen Regierung gewesen, dass der Anfang vom Ende der Krise in Sicht sei.

Zusätzlich seien die US-Konjunkturdaten als robust bewertet worden, was die Spekulationen auf eine baldige Reduzierung des Anleihekaufprogramms der FED weiter befeuert habe. An diesem Montag habe das Rentenbarometer, wie schon am vergangenen Freitag, ohne große Ausschläge um die Marke von 139,90% gependelt, aber am Dienstag sei es dann mit der Ruhe vorbei gewesen. Durch die Diskussion, über ein drittes Hilfsprogramm für Griechenland, habe das Sorgenbarometer seinem Namen alle Ehre gemacht und sei im Tagesverlauf auf 140,68% gestiegen.

Auch nach den jüngsten Kursbewegungen seien die psychologisch wichtigen Marken von 141,00% und 142,00% als Widerstände anzusehen und erst im Bereich von 139,90% (Tief im Juni 2013) sei die erste ernstzunehmende Unterstützung auszumachen.

Ob sich der Euro-Bund-Future in den nächsten Wochen wieder als fliegende Untertasse etablieren könne, oder ob er abstürze und zum Scherbenhaufen werde, sei weiterhin von vielen Faktoren abhängig. Es bleibe also spannend.

In dieser Handelswoche hätten sich die Finanzagenturen der Euroländer entspannt zurückgelehnt, auf Aufstockungen von Altemissionen verzichtet und aus der Ferne das Investorenverhalten in den USA beobachtet. Dort seien lediglich T-Bills mit Laufzeiten von vier Wochen, drei und sechs Monaten, sowie 52 Wochen in einem Gesamtvolumen von 130 Mrd. US-Dollar begeben worden. Insgesamt habe es hierbei keine Überraschungen gegeben und die Platzierung sei wie erwartet verlaufen.

Aber in Euroland habe gestern ein Tender für die neuen zweijährigen Schatzanweisungen der Bundesrepublik Deutschland auf der Agenda gestanden. Diese Gattung sei mit einem Kupon von 0,25% ausgestattet und am 11. September 2015 endfällig. Die Zuteilung der 5 Mrd. EUR sei bei einer 1,8-fachen Überzeichnung mit einer Durchschnittsrendite von 0,23% erfolgt.

Momentan erinnere der Chart des Euros gegenüber dem US-Dollar an ein Sägezahnmuster. Bereits seit vielen Wochen liege die Tradingrange zwischen 1,28 und 1,34 USD. Aber diese enge Bandbreite gelte nicht für alle Devisen. So habe die Indische Rupie (INR) einen Einbruch sondergleichen verzeichnet.

Habe der Euro im Mai diesen Jahres noch bei 69,85 INR notiert, so stehe er aktuell bei 86,57 INR. Als Grund werde hier u.a. die Geldpolitik der Amerikanischen Notenbank, aber auch das unattraktive Zinsniveau genannt. Leitzinsen zwischen 6,25% und 10,25% in Indien als uninteressant zu bezeichnen, sei für Industriestaaten nicht nachvollziehbar. Aber bei einer Inflationsrate von 11% erscheine die Sache wieder rund.

Da es sich bei einer Devisenbörse wie bei jeder anderen Börse nicht um Einbahnstraßen handle, würden viele Investoren die Kurschwankungen nutzen, um Gewinne zu realisieren oder Neuengagements zu tätigen. Somit würden die Analysten vermehrt Handelstätigkeit in Fremdwährungsanleihen auf Australische und Amerikanische Dollar, Norwegische Kronen, Brasilianische Real sowie Türkische Lira registrieren.

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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (22.08.2013/alc/a/a)





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