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FED: Keine Zinssenkung im Januar, Trumps Angriffe gehen nach hinten los


23.01.26 15:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das FOMC wird den Leitzinskorridor wohl bei 3,50% bis 3,75% belassen, so die Analysten der Helaba.

Im Hintergrund tobe der Streit, ob es in den USA zukünftig noch eine unabhängige Geldpolitik geben werde.

Von "too late", "incompetent", "numbskull" bis zu "He’s got some real mental problems. There is something wrong with him!", um nur einige zu nennen - FED-Chair Jerome Powell habe bislang alle Beschimpfungen durch Präsident Trump stoisch über sich ergehen lassen. Als Trump die FED-Gouverneurin Lisa Cook wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten in ihren privaten Hypothekenangelegenheiten habe feuern wollen, habe sich Powell nicht zum Vorgang geäußert. Die - vorsichtig formuliert - unorthodoxen Ansichten von Trumps Handlanger im Board of Governors, Stephen Miran, habe Powell nicht öffentlich kritisiert. Journalistenfragen nach Angriffen Trumps auf die Unabhängigkeit der FED sei er ausgewichen oder habe die Antwort verweigert ganz. Auch habe Angriffe auf ihn persönlich im Zusammenhang mit der Renovierung des FED-Hauptgebäudes provozierten keine Gegenattacke wiederholt. Mit der von Trumps Justizministerium gegen Powell betriebenen Anklage wegen dieses Vorgangs habe sich das nun aber geändert.

In einer Videobotschaft habe Powell dem Präsidenten ausdrücklich vorgeworfen, mit diesem juristischen Vorgehen Einfluss auf die Geldpolitik nehmen zu wollen. Er habe angekündigt, sich dem zu widersetzen. Es werde spannend, wie er auf die unvermeidlichen Journalistenfragen zu diesem Thema auf der Pressekonferenz am 28. Januar reagiere. Mit der Anklage dürfte sich Team Trump daher selbst ins Knie geschossen haben. Es habe Kritik gehagelt, nicht nur von anderen (ehemaligen) Notenbankchefs und Ökonomen, sondern auch in der eigenen Partei. Sogar der sonst absolut loyale Finanzminister schien nicht begeistert.

Relevanter für Trumps Forderung nach "Zinsen unter 1%" dürfte aber sein, dass nun die Wahrscheinlichkeit deutlich höher eingeschätzt werde, dass Powell angesichts dieses Frontalangriffs auf eine unabhängig agierende Notenbank nach dem Ende seiner Amtszeit als Chair seinen Posten als stimmberechtigten Gouverneur (bis 2028) behalten werde. Damit würde sein Nachfolger potenziell auf einen respektierten, erfahrenen Konkurrenten, wenn nicht Widersacher, im eigenen Haus treffen, um den sich andere Geldpolitiker, die Trumps Vorgehen ablehnen würden, scharen könnten. Der neue FED-Chef werde nun einen noch schwereren Stand haben als schon vorher. Infolgedessen habe der juristische Vorstoß nach Erachten der Helaba die Gefahr einer unangemessen lockeren Geldpolitik 2026 eher gesenkt. Mittelfristig werde es aber wohl vor allem am Kongress und den Gerichten hängen, ob eine "Gleichschaltung" der FED verhindert werden könne.

Auf der FOMC-Sitzung in der Berichtswoche werde nicht mit einer Leitzinsänderung gerechnet. Dies habe wenig mit der politischen Konfrontation mit dem Weißen Haus zu tun. Nach 75 Basispunkten Lockerung auf drei Sitzungen in Folge werde die FED erst einmal abwarten. Gouverneur Miran werde im Auftrag seines Herrn und Meisters wohl wieder für 50 Basispunkte Lockerung stimmen. Aber der Rest der stimmberechtigten Mitglieder dürfte den Status quo unterstützen.

Von einer weiteren Eintrübung am Arbeitsmarkt sei wenig zu sehen. Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung unter 200.000 würden zeigen, dass die Unternehmen nicht plötzlich mehr Beschäftigte entlassen würden, eher das Gegenteil. Zwar bleibe die Dynamik am Arbeitsmarkt insgesamt schwach, aber dies sei vor dem Hintergrund der Einwanderungspolitik Trumps zu sehen, die das Arbeitskräfteangebot merklich schwäche. Auch die fast 300.000 Jobs in der Bundesregierung, die laut offiziellen Zahlen seit Anfang 2025 abgebaut worden seien, würden auf Trumps Konto gehen - und dieser Prozess scheine weitgehend abgeschlossen zu sein.

Gleichzeitig würden die Preisdaten unverändert einen zu hohen Inflationsdruck anzeigen. Im November hätten die Preisindices für Konsumausgaben (PCE), sowohl ins- gesamt als auch in der Kernrate, 2,8% über dem Vorjahreswert gelegen, deutlich oberhalb des Inflationsziels der FED von 2%. Da die Helaba von einer im Jahresverlauf abnehmenden Teuerung ausgehe, aber auch eine graduelle Verbesserung am Arbeitsmarkt erwarte, sei aus ihrer Sicht der weitere Bedarf für Zinssenkungen überschaubar. Die Helaba rechne in den kommenden Monaten nur noch mit einer leichten Lockerung auf einen Leitzins von knapp 3,5%, ein für die US-Wirtschaft "neutrales" Niveau. (23.01.2026/alc/a/a)