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FED-Präsidentin bereitet den Markt auf Zinserhöhung vor


02.09.16 12:12
Pioneer Investments Austria

Wien (www.anleihencheck.de) - FED-Chefin Janet Yellen bereitet die Märkte sukzessive auf die nächste Zinserhöhung vor, berichten die Experten von Pioneer Investments Austria.

Der Markt beginne einzupreisen, dass die FED die Zinsen nach den US-Wahlen auf ihrer Sitzung am 14. Dezember erhöhen werde, fast exakt ein Jahr nach der ersten Zinserhöhung. "Mit ihrer Forward Guidance-Politik will die FED die Märkte so auf die nächste Zinserhöhung vorbereiten, dass es keine Überraschung mehr ist und die Marktteilnehmer nicht schockiert sind", fasse Hans Köck, Investmentstratege bei Pioneer Investments Austria, die erwarteten Auswirkungen der Kommentare der FED zusammen.

Janet Yellen habe beim Jackson Hole Monetary Policy Symposium am 26. August wieder betont, dass die Notenbankzinsen aus der Sicht der FED bis Ende 2018 über 2% liegen könnten. Gleichzeitig habe sie aber erklärt, dass Schocks den Wirtschaftsausblick verändern und notwendige Anpassungen der Geldpolitik nach sich ziehen könnten. Die FED Funds Rate sollte sich daher Ende 2018 in einer Bandbreite von 0% bis 4,25% befinden.

Der Standard & Poor's 500-Index habe Mitte August wieder einen neuen historischen Höchststand erzielen können. Die positiven Arbeitsmarktdaten der vergangenen zwei Monate würden zeigen, dass die Wirtschaft weiterhin laufe, die veröffentlichten Daten lägen wieder über den Erwartungen der Analysten. "Im zweiten Halbjahr könnte die US-Wirtschaft nach dem gedämpften ersten Halbjahr an Dynamik zulegen. In den vergangenen fünf Quartalen wurden die Lager abgebaut. Wenn das Konsumklima positiv bleibt, könnten die Lager wieder aufgebaut werden, wodurch sich das Wachstumstempo beschleunigen könnte", ergänze Köck.

Europa hinke weiter hinterher. Die Brexit-Entscheidung habe vorerst nur kurzfristig für Turbulenzen an den Aktienmärkten gesorgt. Die anschließende Erholung habe dazu beigetragen, dass sich die Stimmungsindikatoren in der Industrie (Einkaufsmanagerindices) relativ gut entwickeln würden. Realwirtschaftlich sollte der Brexit nach Meinung der Experten das Wachstum vor allem in Großbritannien, aber auch in der Eurozone 2017 belasten.

"Durch die Unterstützung der Notenbanken mit Maßnahmen in Großbritannien und Japan sowie mit der EZB-Rhetorik ist es vorerst gelungen, die Märkte zu stabilisieren. Aber jetzt müssen Schritte der Politik folgen", fasse Köck die aktuelle Situation nach der Brexit-Entscheidung zusammen.

Selbst die EZB sei von den bisher relativ geringen Konsequenzen der Brexit-Entscheidung überrascht gewesen, wie das am 18. August veröffentlichte Protokoll der EZB-Sitzung vom 20./21. Juli belege. Seither seien die Märkte sogar weiter gestiegen.

Die Volatilitäten an den Märkten seien mittlerweile in der Nähe der Tiefstände, Köck sehe aber eine Reihe von geopolitischen Unsicherheitsfaktoren, die jederzeit zu einem Drehen der wieder positiveren Stimmung beitragen könnten: "Es gibt eine Reihe von möglichen Risiken, die jederzeit schlagend werden können. Ein drohender Währungskrieg, die Fragilität des Finanzsektors - speziell in Europa, eine Reihe von Wahlen und Referenden, ein mögliches Missmanagement in China beim strukturellen Übergang der Wirtschaft, ein zu rasches Tempo bei der Normalisierung der Zinsen durch die FED, wieder fallende Rohstoffpreise, Terrorismus und geopolitische Spannungen."

"Das Schlagwort TINA - "There Is No Alternative" - fasst die aktuelle Situation sehr gut zusammen. Aufgrund der niedrigen Zinsen sind Anleger gezwungen, in riskantere Assets zu gehen, um ihre Erträge zu steigern. Die meisten Märkte sind mittlerweile nicht mehr günstig oder sogar teuer bewertet. Die riskanten Märkte benötigen Wirtschafts- und Gewinnwachstum, um weiter nach oben zu gehen", fasse Köck die aktuelle Situation zusammen.

Das Umfeld, das weiterhin von gedämpftem Wirtschaftswachstum und niedriger Inflation gekennzeichnet sei - bei Pioneer Investments nenne es man "LowLow-Falle" - spreche weiterhin für eine breite Diversifikation und aktives Management mit gemischten Fonds. (02.09.2016/alc/a/a)