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FED-Zinserhöhung als Belastungsfaktor?


08.12.17 13:15
Alte Leipziger Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Ein rasches Ende des globalen wirtschaftlichen Aufschwungs ist nicht in Sicht, berichten die Experten der Alte Leipziger Trust.

Die Stimmungsindikatoren in der Eurozone und in den USA hätten sich zwar zuletzt nicht mehr substanziell verbessert, würden aber nahe ihrer hohen Niveaus aus den Vormonaten verharren. Die vom US-Senat beschlossene Steuerreform könnte - wenn man den Prognosen Glauben schenke - in den USA 2018 zudem für einen zusätzlichen Wachstumsimpuls sorgen.

Die geplante Entlastung um rund 1,4 Billionen US-Dollar wäre die größte Überarbeitung der Steuerordnung seit Präsident Reagan. Sollte der Steuersatz, mit dem US-Unternehmen ihre Gewinne versteuern würden, tatsächlich von nominell 35% auf 20% sinken, sei mit einem deutlichen Gewinnsprung bei amerikanischen Unternehmen zu rechnen.

Neben dem Konsum- und Immobiliensektor würden erstmals in vielen Industrieländern auch die Anlageinvestitionen zum Wachstum beitragen. Regionale und strukturelle Breite des Aufschwungs würden bis weit in das Jahr 2018 hinein eine hohe Aktivität der Weltwirtschaft erwarten lassen. Neben der guten Konjunktur würden die rekordtiefen Zinsen den Aufschwung befeuern und ihren Anteil an den in den vergangenen Monaten zu zeitweise neuen Rekordständen tendierenden Aktienmärkten beitragen.

Bei den Zinsen sei jedoch - zumindest in den USA - eine Trendwende eingeleitet worden. Die US-Notenbank Federal Reserve (FED) sollte in ihrer Dezember-Sitzung nicht nur die Leitzinsen zum fünften Mal erhöhen, sondern zugleich auch die Verkürzung der Bilanzsumme verkünden. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe die Halbierung ihrer Anleihekäufe auf monatlich 30 Millionen Euro ab Januar 2018 angekündigt.

Diese Schritte würden jedoch noch nicht ausreichen, um das Niedrigzinsumfeld zu beenden. Bleibe es bei den aktuell bekannten Rahmenbedingungen, sollten frühestens ab Mitte 2018 die internationalen Notenbanken durch die seit Jahren gewohnten Anleihekäufe keine zusätzliche Liquidität mehr zur Verfügung stellen. Ein schneller Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik sei aus fundamentaler Sicht dann keineswegs zwingend. Trotz zunehmend ausgelasteter Arbeitsmärkte erreiche die Inflation in den meisten Industrieländern nicht die Zielmarken der Notenbanken. Eine rückläufige Liquiditätsflut bedinge jedoch nicht zwingend einen parallel einsetzenden Kursrückgang an den Aktienmärkten.

Gleichwohl sollten Anleger nicht sorglos sein. Denn das Umfeld bleibe herausfordernd. Zu den Risiken würden unter anderem der Konflikt mit Nordkorea, der von der US-Administration gelebte Protektionismus und auch der Chefwechsel der amerikanischen Notenbank zählen. Nicht auszuschließen sei eine mögliche "Erdung" der Marktteilnehmer.

Die Aktienmärkte der Industrienationen seien inzwischen nicht mehr billig. Könnten Zinserhöhungen, wie in den USA, die Märkte belasten? Auch wenn die Federal Reserve weiter an der Zinsschraube drehe, sollten in den USA, in Europa und Japan die realen Zinsen, also die nach Abzug von Inflation, noch eine ganze Zeitlang negativ bleiben und die Attraktivität der Aktienmärkte untermauern.

Die Inflation als nachlaufender Indikator könnte vor allem in den Vereinigten Staaten in den kommenden Jahren nach oben tendieren. Eine aggressivere FED und ein möglicher Anstieg der US-Bonds mit 10-jähriger Laufzeit dürften die Ruhe an den Rentenmärkten beenden und die schon teuren amerikanischen Staatsanleihen und Unternehmenspapiere belasten und ihre Renditen steigen lassen. Auf kurze Sicht würden die Experten jedoch noch keine Trendwende bei den US-Renditen sehen.

Angesichts des sehr niedrigen Zinsniveaus zeige auch die Bewertung an den Aktienmärkten noch keine Überhitzungserscheinungen. Der Kursanstieg werde an den Börsen von einem zweistelligen Gewinnplus begleitet. Die Risikoprämie gegenüber Festverzinslichen sei zwar nicht mehr hervorragend, aber noch immer ausreichend. Die Experten würden über den Jahreswechsel hinaus keine generelle Trendwende an den Aktienmärkten erwarten. So sollte die Börsenrally - abgesehen von temporären und üblichen Korrekturen - die Chance haben, noch ein Stück weiterzugehen. Die Wachstumserwartungen seien erhöht worden, in Deutschland jüngst vom Sachverständigenrat. Zudem hätten Unternehmen in der laufenden Berichtssaison höhere Gewinne ausgewiesen.

Diese würden die weiter gestiegenen Kurse auf in der Vergangenheit noch nie gesehene Höhen rechtfertigen. Aus diesen und ähnlichen Daten lasse sich keine unmittelbare Gefährdung der laufenden Hausse ableiten.

Die aktuellen Rückläufe an den europäischen Aktienmärkten könnten von investierten Anlegern nach der aktuellen Einschätzung der Experten genutzt werden, bestehende Engagements in Aktienfonds nochmals aufzustocken. Allerdings seien die Aktienmärkte keineswegs unverwundbar. So zeige die per saldo niedrige Aktienvolatilität, dass die Kursrisiken vom Gros der Anleger derzeit als sehr gering eingeschätzt würden.

Das US-amerikanische Bruttoinlandsprodukt sei nach aktuellem Datenstand im 3. Quartal 2017 um 0,8% und damit noch etwas stärker gewachsen, als die vorläufigen Daten signalisiert hätten. Die US-Konjunktur habe dabei insbesondere von höheren Investitionen in Ausrüstungen profitiert, die darüber hinaus auch die zukünftige Wachstumsperspektive positiv erscheinen lassen würden. In die gleiche Richtung würden auch die bislang vorliegenden, harten Konjunkturdaten für das laufende Quartal deuten.

So liege der Industrieausstoß bereits deutlich über seinem durchschnittlichen Niveau des Vorquartals. Der stetige Aufwärtstrend der Industrieaufträge (ex Transport) im bisherigen Jahresverlauf spreche zudem für gut gefüllte Auftragsbücher der Unternehmen und damit gegen eine zeitnahe Trendwende in der US-Industrie. Untermauert werde diese Einschätzung zusätzlich durch den ISM-lndex. Eine wesentliche Wachstumsstütze der Konjunktur dürfte auch der private Verbrauch bleiben, für den sowohl harte (Einzelhandelsumsätze) als auch weiche Konjunkturindikatoren (Verbrauchervertrauen) weiteres Aufwärtspotenzial signalisieren würden. Für 2017 sollte ein BIP-Wachstum von 2,2% erreicht werden, das sich 2018 auf 2,4% beschleunigen sollte. Die Inflationsrate sollte 2017, bei 2,1% liegen und 2018 auf 2,3% moderat steigen.

ln Deutschland habe sich das Bruttoinlandsprodukt im 3. Quartal dieses Jahres kräftig um 0,8% gegenüber der Vorperiode verbessert. Ein kräftiger positiver Impuls sei von Seiten des Außenhandels gekommen, da die Exporte um 1,7% und damit wesentlich stärker als die Importe (+0,9%) zugelegt hätten. Der Außenhandel habe allein 0,4 Prozentpunkte und damit rund die Hälfte zum BIP-Wachstum beigesteuert.

Angesichts dieser Entwicklung stehe der Konjunkturaufschwung in Deutschland nochmals auf einer breiteren Basis. Auch in der gesamten EWU sei die Wirtschaftsleistung im 3. Quartal kräftig um 0,6% gegenüber der Vorperiode gestiegen.

Bislang gebe es zudem keine Anzeichen, dass sich der breite Konjunkturaufschwung in Deutschland und der EU zum Jahresende nicht fortsetzen sollte. Beim Blick auf die Sentiment-Indikatoren falle es aber schwer, negative Vorzeichen auszumachen. Auch das von der EU-Kommission erhobene Wirtschaftsvertrauen untermauere diese Einschätzung und zeige darüber hinaus die exzellente Stimmungslage der Verbraucher im Euroraum. Für Deutschland spiegele sich das hervorragende Stimmungsbild neben dem Einkaufsmanagerindex auch beim ifo-Geschäftsklima wider, wobei insbesondere die Geschäftserwartungen der gewerblichen Wirtschaft für die kommenden Monate zuletzt noch einmal deutlich zugelegt hätten.

Die EWU-Inflationsrate sei im November leicht von 1,4% auf 1,5% gestiegen. Ursächlich für den moderaten Anstieg sei vor allem die Entwicklung der Energiepreise gewesen. Die Preisdynamik im Euroraum komme damit - insbesondere gemessen an den Verbraucherpreisen - auch weiterhin kaum voran. 2018 sollte vor dem Hintergrund der robusten Konjunktur sowie der sinkenden Arbeitslosigkeit im Euroraum mit einem moderaten Anstieg der EWU-Inflationsrate auf 1,7% gerechnet werden.

Die Renditen diesseits und jenseits des Atlantiks würden niedrig bleiben. So würden deutsche Staatsanleihen im 2-jährigen (- 0,71%) und 5-jährigen Laufzeitenbereich (-0,34%) negative Renditen aufweisen. Lediglich 10-jährige Bunds würden mit 0,33% eine leicht positive Rendite aufweisen. Anders die Situation in den USA. Dort würden 2-jährige Treasuries bei 1,79% rentieren, 5-jährige bei 2,14% und 10-jährige Papiere bei 2,36%. (Ausgabe Dezember 2017) (08.12.2017/alc/a/a)