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Bei der FED geben die Tauben die Richtung vor
29.03.21 11:15
Edmond de Rothschild Asset Management
Paris (www.anleihencheck.de) - In seiner jüngsten Sitzung hielt der Offenmarktausschuss der FED an der ultraexpansiven Geldpolitik der US-Zentralbank fest. Und das, obwohl die Notenbanker ihre Wachstumsprognosen gerade erst deutlich nach oben angepasst hatten, nachdem vom Kongress ein massives Konjunkturprogramm verabschiedet worden war, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management.
"Klar ist: Nur eine Minderheit der Ausschussmitglieder ist für eine Straffung im Jahr 2023", sage Benjamin Melman. Dass die FED zudem noch immer nichts über die Bedingungen sage, die zu einem Tapering führen könnten, werte der Global Chief Investment Officer von Edmond de Rothschild Asset Management als Argument dafür, dass die Liquidität trotz eines deutlichen Wachstumsschubs noch mindestens einige Monate lang weiter zunehmen werde.
Die FED sei von dem Versuch, eine gewisse Kontrolle über das lange Ende der Zinskurve auszuüben, schnell dazu übergegangen, ihren Griff zu lockern. Infolgedessen hätten sich die Renditen langlaufender US-Anleihen rasch wieder normalisiert; die Rendite 10-jähriger US-Treasuries sei seit Anfang 2021 um 80 Basispunkte gestiegen. "Die große Frage ist, ob eine solch große Bewegung die Märkte destabilisieren wird", so Melman, aus dessen Sicht die Indices angesichts der aktuellen Bewertungen etwas fragil erscheinen, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. "Vorerst haben wir jedoch im Wesentlichen eine Sektor- und Faktorrotation gesehen, wobei zyklische Werte und Value-Titel einen starken Aufschwung erlebten", sage der Experte weiter.
Zwei Punkte würden für Melman allerdings dafür sprechen, dass sich die US-Anleihemärkte nun wieder beruhigen würden:
1. Sowohl die EZB als auch die Australische Zentralbank hätten ihre Entschlossenheit demonstriert, die Renditen langlaufender Anleihen auf dem aktuellen Niveau zu halten, indem sie ihre Käufe erhöht hätten. Dadurch werde sich der Spread zwischen dem Rest der Welt und den USA ausweiten, was US-Anleihen interessanter für Anleger mache und damit den Druck auf die Renditen von Treasuries verringere.
2. Die aktuellen Renditen in den USA würden zeigen, dass die Anleger bereits drei bis vier Zinserhöhungen bis Ende 2023 erwarten würden. Sollte sich das Szenario der FED als richtig erweisen, gebe es jedoch keine politische Mehrheit im Ausschuss für auch nur eine einzige Zinserhöhung. Mit anderen Worten: Die Anleihemärkte würden Schritte vorwegnehmen, die durch die Aussagen der FED nicht untermauert würden.
Einen weiteren Anstieg der Renditen von US-Langläufern möchte der Experte von Edmond de Rothschild Asset Management dennoch nicht ausschließen, schon allein deshalb, weil Rentenmärkte zu Übertreibungen neigen würden. "Zudem könnten wir mit der sich abzeichnenden Wiederbelebung der US-Wirtschaft kurzfristig auch erratische Inflationsdaten aufgrund einer Angebots- und Nachfrageverzögerung bei bestimmten Waren und Dienstleistungen sehen", erwarte Melman.
Die von Edmond de Rothschild Asset Management verwalteten Portfolios seien weiterhin in Aktien übergewichtet. Denn laut Melman sei ein weiterer Anstieg der Renditen für langlaufende Anleihen in den USA keine beschlossene Sache, insbesondere nicht in dem rasanten Tempo der letzten Zeit.
"Ein allmählicherer Anstieg würde von den Anlegern viel leichter akzeptiert werden. Und in jedem Fall wäre eine Marktkorrektur nicht automatisch die Folge, selbst wenn die Zinsen weiter ansteigen sollten. In der Vergangenheit kam es zu Ausverkäufen am Aktienmarkt, wenn die Anleger anfingen, Zinserhöhungen der FED zu berücksichtigen - was in diesem Jahr nicht der Fall sein wird - oder wenn die langfristigen Inflationserwartungen überzogen erschienen, d.h. über 2,5 Prozent für die 10-jährige Inflationsrate; mit derzeit 2,3 Prozent ist dies noch in weiter Ferne." Daher sei der aktuelle Anstieg der langfristigen Anleiherenditen offenbar nicht mit den üblichen Effekten verbunden, die sich auf alle Anlageklassen auswirken könnten.
Was laut Melman allerdings zurückkehren könne, sei Volatilität. Denn der S&P 500 sei derzeit stark auf Wachstumswerte mit langfristiger Perspektive ausgerichtet. Er reagiere daher naturgemäß empfindlicher auf steigende Renditen langlaufender Anleihen.
Aus genau diesem Grund habe das Unternehmen das Engagement in US-Aktien zugunsten von britischen Aktien reduziert. "Der Abschlag des britischen Marktes hat sich seit dem Brexit-Referendum vergrößert und die Tatsache, dass er auf Value-Aktien ausgerichtet ist, macht ihn weniger zinssensibel", erkläre Melman. "Außerdem war die Impfkampagne ein Erfolg und das Land hat im Wesentlichen das Brexit-Blatt gewendet."
Bei festverzinslichen Wertpapieren habe Edmond de Rothschild Asset Management im Januar beschlossen, Anleihen unterzugewichten - und halte auch weiterhin an dieser Überzeugung fest. "Wir halten es für zu früh, um das Durationsrisiko wieder aufzunehmen", erläutere Melman. "Außerdem berücksichtigen wir bei der Portfoliokonstruktion die Möglichkeit, dass die Renditen langlaufender Anleihen weiter steigen, was dazu führt, dass sich Aktien- und Anleiherisiken addieren anstatt sich gegenseitig aufzuheben." (29.03.2021/alc/a/a)
"Klar ist: Nur eine Minderheit der Ausschussmitglieder ist für eine Straffung im Jahr 2023", sage Benjamin Melman. Dass die FED zudem noch immer nichts über die Bedingungen sage, die zu einem Tapering führen könnten, werte der Global Chief Investment Officer von Edmond de Rothschild Asset Management als Argument dafür, dass die Liquidität trotz eines deutlichen Wachstumsschubs noch mindestens einige Monate lang weiter zunehmen werde.
Die FED sei von dem Versuch, eine gewisse Kontrolle über das lange Ende der Zinskurve auszuüben, schnell dazu übergegangen, ihren Griff zu lockern. Infolgedessen hätten sich die Renditen langlaufender US-Anleihen rasch wieder normalisiert; die Rendite 10-jähriger US-Treasuries sei seit Anfang 2021 um 80 Basispunkte gestiegen. "Die große Frage ist, ob eine solch große Bewegung die Märkte destabilisieren wird", so Melman, aus dessen Sicht die Indices angesichts der aktuellen Bewertungen etwas fragil erscheinen, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. "Vorerst haben wir jedoch im Wesentlichen eine Sektor- und Faktorrotation gesehen, wobei zyklische Werte und Value-Titel einen starken Aufschwung erlebten", sage der Experte weiter.
Zwei Punkte würden für Melman allerdings dafür sprechen, dass sich die US-Anleihemärkte nun wieder beruhigen würden:
1. Sowohl die EZB als auch die Australische Zentralbank hätten ihre Entschlossenheit demonstriert, die Renditen langlaufender Anleihen auf dem aktuellen Niveau zu halten, indem sie ihre Käufe erhöht hätten. Dadurch werde sich der Spread zwischen dem Rest der Welt und den USA ausweiten, was US-Anleihen interessanter für Anleger mache und damit den Druck auf die Renditen von Treasuries verringere.
Einen weiteren Anstieg der Renditen von US-Langläufern möchte der Experte von Edmond de Rothschild Asset Management dennoch nicht ausschließen, schon allein deshalb, weil Rentenmärkte zu Übertreibungen neigen würden. "Zudem könnten wir mit der sich abzeichnenden Wiederbelebung der US-Wirtschaft kurzfristig auch erratische Inflationsdaten aufgrund einer Angebots- und Nachfrageverzögerung bei bestimmten Waren und Dienstleistungen sehen", erwarte Melman.
Die von Edmond de Rothschild Asset Management verwalteten Portfolios seien weiterhin in Aktien übergewichtet. Denn laut Melman sei ein weiterer Anstieg der Renditen für langlaufende Anleihen in den USA keine beschlossene Sache, insbesondere nicht in dem rasanten Tempo der letzten Zeit.
"Ein allmählicherer Anstieg würde von den Anlegern viel leichter akzeptiert werden. Und in jedem Fall wäre eine Marktkorrektur nicht automatisch die Folge, selbst wenn die Zinsen weiter ansteigen sollten. In der Vergangenheit kam es zu Ausverkäufen am Aktienmarkt, wenn die Anleger anfingen, Zinserhöhungen der FED zu berücksichtigen - was in diesem Jahr nicht der Fall sein wird - oder wenn die langfristigen Inflationserwartungen überzogen erschienen, d.h. über 2,5 Prozent für die 10-jährige Inflationsrate; mit derzeit 2,3 Prozent ist dies noch in weiter Ferne." Daher sei der aktuelle Anstieg der langfristigen Anleiherenditen offenbar nicht mit den üblichen Effekten verbunden, die sich auf alle Anlageklassen auswirken könnten.
Was laut Melman allerdings zurückkehren könne, sei Volatilität. Denn der S&P 500 sei derzeit stark auf Wachstumswerte mit langfristiger Perspektive ausgerichtet. Er reagiere daher naturgemäß empfindlicher auf steigende Renditen langlaufender Anleihen.
Aus genau diesem Grund habe das Unternehmen das Engagement in US-Aktien zugunsten von britischen Aktien reduziert. "Der Abschlag des britischen Marktes hat sich seit dem Brexit-Referendum vergrößert und die Tatsache, dass er auf Value-Aktien ausgerichtet ist, macht ihn weniger zinssensibel", erkläre Melman. "Außerdem war die Impfkampagne ein Erfolg und das Land hat im Wesentlichen das Brexit-Blatt gewendet."
Bei festverzinslichen Wertpapieren habe Edmond de Rothschild Asset Management im Januar beschlossen, Anleihen unterzugewichten - und halte auch weiterhin an dieser Überzeugung fest. "Wir halten es für zu früh, um das Durationsrisiko wieder aufzunehmen", erläutere Melman. "Außerdem berücksichtigen wir bei der Portfoliokonstruktion die Möglichkeit, dass die Renditen langlaufender Anleihen weiter steigen, was dazu führt, dass sich Aktien- und Anleiherisiken addieren anstatt sich gegenseitig aufzuheben." (29.03.2021/alc/a/a)


