FED spielt weiter auf Zeit


23.09.16 09:30
Baader Bank

Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Auch auf der 6. US-Notenbanksitzung in diesem Jahr hat sich in Bezug auf die Leitzinsen nichts geändert, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.

Yanet Yellen spiele weiter auf Zeit und mit einer Zinserhöhung sei wohl frühestens auf der Sitzung im Dezember zu rechnen. Im Vorfeld der FED-Sitzung habe die Aussicht auf weiterhin billiges Geld den US-Aktienbörsen zu Kursgewinnen verholfen. Investoren hätten nach den jüngsten durchwachsenen Konjunkturdaten offenbar nicht damit gerechnet, dass die US-Notenbank am Mittwoch den Leitzins anheben würde. Und damit hätten sie Recht behalten.

Nie zuvor sei das Zinsniveau in den USA so lange so niedrig gewesen. Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 habe der Leitzins der US-Notenbank erst jahrelang knapp über 0% gelegen. Seit Ende vergangenen Jahres bewege er sich zwischen 0,25% und 0,5%. Eigentlich seien längst weitere Zinsschritte erwartet worden, aber seit Dezember sei nichts mehr passiert. Und auch für diese Sitzung sei in den Tagen zuvor nicht mit einem weiteren Zinsschritt gerechnet worden.

Dabei habe der Wahlkampf in den USA die Situation für FED-Chefin Janet Yellen nicht leichter gemacht. Je näher die Präsidentschaftswahl rücke, desto schwieriger werde es für die FED, die Zinsen zu erhöhen. Es verwundere nicht, dass der krawallige republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump die Geldpolitik der Notenbank massiv attackiert und Yellen persönlich angegriffen habe. Die FED solle die Wirtschaft ankurbeln und würde somit die Demokratin Hillary Clinton unterstützen. Donald Trump würde ohnehin eine Ablösung Yellen's bevorzugen, sollte er Präsident werden. Für die biete sich am 2. November nochmals die Möglichkeit, vor den Präsidentschaftswahlen zu handeln. Dann werde es aber zeitlich eng, denn der künftige US-Präsident werde sechs Tage später, am 8. November, gewählt. Daher sei wohl frühestens auf der letzten Sitzung in diesem Jahr am 14.12.2016 mit einem Zinsschritt zu rechnen.

Indessen habe sich die japanische Notenbank (Bank of Japan, BoJ) mehr Spielraum bei der Ausweitung der Geldmenge verschafft. Grundsätzlich solle diese weiter um jährlich 80 Billionen JPY (rund 700 Mrd. EUR) steigen. Aber die BoJ wolle dabei nicht mehr starr an dieser Marke festhalten, sondern kurzfristig auch flexibel sein können. Dies solle dazu beitragen, dass die Renditen bei den Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten nicht noch weiter absacken würden. Unter anderem sei das Ziel gesteckt worden, die Rendite für 10-jährige Staatspapiere nicht mehr unter 0% sinken zu lassen.

Zwar gebe sich Deutschlands größtes Bankhaus zuversichtlich, die Forderungen, die die US-Justiz an es herantrage, drücken zu können. Dennoch würden drohende Strafzahlungen in Höhe von 14 Mrd. USD wie ein Damoklesschwert über der Deutschen Bank hängen. So viel fordere das US-Justizministerium im Streit um krumme Hypotheken-Geschäfte in den Jahren vor der großen Finanzkrise. Kein Wunder, dass die Titel der Deutschen Bank auch am Bondmarkt unter besonderer Beobachtung der Anleger stünden.

So hätten die Kurse auch eher nachgegeben, bevor sie sich im Anschluss wieder leicht hätten erholen können. Im fünfjährigen Bereich notiere eine Medium-Term-Note (ISIN DE000DB7XJB9 / WKN DB7XJB) des Bankhauses bei rund 101,46% und rentiere damit mit ca. 0,94%. Noch am 7. September habe der Bond mit 102,828% sein Jahreshoch erreicht. Im langfristigen Bereich habe ein Titel (ISIN DE000DB7XJP9 / WKN DB7XJP) im Blickpunkt gestanden, der im März 2025 fällig werde und bei einem Kurs von ca. 97,15% eine Rendite von 1,48% aufweise. Sein 12-Monats-Hoch habe dieser Bond ebenfalls am 7. September mit 99,632% erreicht.

Ein Jahr nach Bekanntwerden der Abgasmanipulationen kämpfe Volkswagen immer noch an vielen Fronten. Die bisher eingereichten Schadenersatzklagen von rund 1.400 Investoren würden sich mittlerweile auf ca. 8,2 Mrd. Euro belaufen. Doch operativ sehe es immerhin besser aus als von vielen befürchtet. So würden auch die Kurse der Volkswagen-Corporates nahe ihrer Jahreshöchststände bleiben. Ein bis 10/2021 laufender Titel (ISIN XS1216647716 / WKN 780516) der Volkswagen Financial Services etwa notiere mit 101,89% knapp unter dem 12-Monats-Hoch von 102,29% am 11. August. Ein im Januar 2024 fällig werdender Bond (ISIN XS1014610254 / WKN A0JCCZ) der Volkswagen Leasing liege bei ca. 112,50%. Dies bedeute eine Rendite von rund 0,85%. Das Jahreshoch sei hier mit 113,14% am 10. August erreicht worden.

Aufmerksamkeit hätten auch die Corporates von Bayer generiert, nachdem bekannt geworden sei, dass der Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern gemeinsam mit dem Hamburger Biotechnologie-Unternehmen Evotec neue Therapien für die Behandlung von Nierenerkrankungen entwickeln wolle. Ein Titel (ISIN XS1135309794 / WKN A1ZSAC) von Bayer mit Laufzeit bis 11/2023 tendiere mit 106,15% wieder in Richtung 12-Monats-Hoch (107,16%) und werfe damit eine Rendite von ca. 0,34% ab.

Es sei eine Woche gewesen, in der ausgerechnet Bundesbank-Chef Jens Weidmann die Europäische Zentralbank (EZB) gegen Kritik in Schutz genommen habe, und umgekehrt die EZB in Person ihres Chefvolkswirts die Exportausrichtung der deutschen Wirtschaft angeprangert habe.

Als ungerecht habe der Mannheimer Professor Klaus Adam in einer Studie die Niedrigzinspolitik der EZB gebrandmarkt, weil sie kleine Sparer enteigne und wohlhabende Aktienbesitzer begünstige. Damit würde die Vermögensungleichheit verschärft. Noch bevor die EZB habe reagieren können, sei ihr ausgerechnet Jens Weidmann beigesprungen, der ansonsten selbst ein vehementer Kritiker der EZB-Geldpolitik sei. Eine solche Schlussfolgerung sei voreilig, so der Bundesbank-Chef. Die EZB-Politik schlage sich nicht nur in einem Anstieg der Vermögenspreise nieder, sondern auch in mehr Wachstum und Arbeitsplätzen, was dann auch wieder den unteren Bevölkerungsschichten nutze. Man wisse nicht, warum sich Weidmann zu dieser Reaktion bemüßigt gefühlt habe, habe doch ausgerechnet eine Mitarbeiterin des hauseigenen Bundesbank-Forschungszentrums an der Studie des Professors mitgeschrieben.

Indessen hätten die starke deutsche Exportindustrie und der damit verbundene Exportüberschuss immer wieder Kritiker auf den Plan gerufen. In dieser Woche habe sich auch der Chefvolkswirt der EZB, Peter Praet, eingereiht. Europas größte Volkswirtschaft solle seine derzeit günstige wirtschaftliche Lage doch nutzen, um endlich die Binnennachfrage anzukurbeln, fordere er. Aufgrund des Exportüberschusses in Höhe von nahezu 9 Prozent der Wirtschaftsleistung sei die deutsche Volkswirtschaft zu stark abhängig von der Nachfrage im Ausland, habe er der französischen Zeitung "L'Opinion" gesagt. Deutschland müsse nun Reformen durchsetzen und den Binnenmarkt voranbringen, so das Credo von Praet. Dies könne über höhere Löhne, eine Erhöhung der Investitionen oder eine Senkung der Steuerlast geschehen.

Ähnlich kritisch sehe dies bekanntlich die EU-Kommission, die der Bundesregierung bereits regelmäßig empfehle, mehr zu investieren und so die Nachfrage im Inland anzukurbeln, wodurch der Exportüberschuss schrumpfen würde. Tenor der Kritik sei dabei immer wieder, dass Länder mit hohen Überschüssen dazu beitragen würden, dass sich andere Staaten hoch verschulden würden, um ihre Importe zu finanzieren. Vielleicht aber liege das Geheimnis deutscher Exporterfolge ja einfach in wettbewerbsfähigen Produkten.

Das Ganze erinnere ein bisschen an Radio Erivan. So hätten die Richter des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) nun festgestellt, dass im Falle von Enteignungen "im Prinzip" die Möglichkeit bestehe, die EU-Kommission und die EZB auf Schadenersatz zu verklagen. Dann müsse aber nachgewiesen werden, dass sich die Behörden falsch verhalten hätten. Außerdem müssten Kläger einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer rechtswidrigen Entscheidung und ihrer persönlichen Enteignung nachweisen. Diesen Umstand nachzuweisen, dürfte einem Geschädigten schwerfallen - erst recht, wenn ein Zusammenbruch des Finanzsystems als Gegenargument ins Treffen geführt werde. "Im Prinzip" wäre es damit unmöglich, sich Schadensersatz zu erstreiten.

Im konkreten Fall seien mehrere Kläger aus Zypern mit Beschwerden um die Bankenrettung in der Euro-Krise vor dem EuGH gescheitert. Ihre Einlagen hätten bei der Umstrukturierung des zyprischen Finanzsektors 2013 erheblich an Wert eingebüßt. Daher hätten sie nun unter anderem Schadensersatz gefordert. Die EU-Kommission habe mit ihren Maßnahmen im Sinne des Gemeinwohls der EU gehandelt, habe der EuGH in Luxemburg geurteilt. Es sei um die Stabilität des Bankensystems im Euro-Raum gegangen.

Dynamisch und aktiv habe sich der Primärmarkt für Corporate Bonds auch in dieser Woche gezeigt. Ungeachtet der derzeit dominierenden Zentralbankentscheidungen sei es Unternehmen aus verschiedenen Branchen gelungen erfolgreich frisches Geld am Kapitalmarkt aufzunehmen.

Die Deutsche Bahn habe die Weichen für die Zukunft mit einer 12-jährigen Anleihe (ISIN XS1493724584 / WKN A186J2) im Volumen von 500 Mio. EUR gestellt. Das Unternehmen zahle dem Anleger eine jährliche Verzinsung von 0,625% bis zur Fälligkeit am 26.09.2028. Das Pricing sei mit +20 Bps über Mid Swap erfolgt. Folglich habe der Ausgabepreis bei 98,696% gelegen. Die Bahn habe sich bei diesem Papier für die "Privatanleger-freundliche" Mindestanlagesumme von 1.000 EUR entschieden.

Trotz des aktuell günstigen Ölpreises habe sich das im Erdölsektor tätige Unternehmen BP fit für kommende Projekte gemacht und sich mittels eines 8-jährigen Bonds (ISIN XS1492671158 / WKN A186HJ) im Volumen von 850 Mio. EUR refinanziert. Gezahlt werde ein Kupon in Höhe von 0,83% p.a. bis zum Laufzeitende am 19.09.2024. Der Reoffer habe bei 100% und somit +106,8 Bps über der vergleichbaren Bundesanleihe gelegen. BP habe sich für die Aufnahme eines vorzeitigen Kündigungsrechts drei Monate vor Fälligkeit der Anleihe entschieden. Die Mindeststückelung sei mit 100.000 EUR festgesetzt worden.

Auch Swiss Life sei am Primärmarkt präsent gewesen und habe eine Hybridanleihe (ISIN XS1492580516 / WKN A186J7) im Umfang von 600 Mio. EUR begeben. Der Anleger erhalte eine feste Verzinsung in Höhe von 4,5% bis zum 19.05.2027. Im Anschluss bis zur Fälligkeit bzw. der vorzeitigen Kündigung richte sich die Verzinsung nach dem dann gültigen 3-Monats-Euribor +5,1%. Das Unternehmen habe sich diverse Sonderkündigungsrechte festschreiben lassen. Beginnend ab dem 19.05.2027 sei die Kündigung quartalsweise vorzeitig zu 100% des Nennwertes möglich. Der Ausgabepreis habe bei 99,707% (+410 Bps über Mid Swap) gelegen und Swiss Life habe sich bei diesem Papier ebenfalls für die Mindeststückelung von 100.000 EUR entschieden. Deshalb dürfte sich diese Anleihe vornehmlich an institutionelle Anleger richten.

Die deutsche Finanzagentur habe ihren Emissionskalender für das vierte Quartal veröffentlicht. Danach wolle der Bund weniger Schulden machen als veranschlagt. Für das letzte Quartal dieses Jahres seien somit Emissionen im Volumen von insgesamt 27 Milliarden EUR vorgesehen. Dies entspreche 7 Mrd. EUR weniger als ursprünglich geplant.

Die Pläne des richtungsweisenden Euro-Bund-Future seien für die Marktteilnehmer auch schwerlich auszumachen. Seine jüngste Talfahrt habe der Bund-Future beendet und zeige sich wieder von seiner gewohnt beständigen Seite. So habe sich das Rentenbarometer von dem in der Vorwoche markierten September-Tief bei 162,56% deutlich entfernen können und sei innerhalb der Berichtswoche bis auf 164,37 Punkte gestiegen. Deutsche Staatsanleihen hätten somit wieder in der Gunst der Anleger gestanden, nachdem sie die Tage zuvor relativ deutliche Kursverluste zu verzeichnen gehabt hätten.

Im Gegensatz dazu sei die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen wieder in den negativen Bereich gefallen und notiere derzeit bei -0,04%. Nach den wichtigen Zentralbankentscheidungen der BoJ und insbesondere der amerikanischen Notenbank FED sei der Euro-Bund-Future gestern Morgen freundlicher bei 164,55% in den Handel gestartet.

Der obligatorische Blick auf die technische Chartanalyse offenbart uns die nächsten Widerstände bei 164,50% (mehrere September-Tiefs) sowie das Jahreshoch am 24. Juni von 165,63% im Dezember-Kontrakt, so die Analysten der Baader Bank. Der Blick in die andere Richtung zeige die nächste Unterstützung bei 163,67% respektive 162,56% (Tief 13. September).

Nicht nur in Japan und den USA sei intensiv über den geldpolitischen Kurs diskutiert worden, den die Notenbanker ja bereits auf ihren gestrigen Sitzungen bekannt gegeben hätten. Auch in der Türkei habe gestern die Zentralbank getagt. Anders als in Japan und den USA scheint in der Türkei aber bereits festzustehen, dass der Leitzins von 8,50% auf 8,25% gesenkt wird. Noch zu Beginn des Jahres habe der Leitzins bei 10,75% gelegen, zu dem sich die Geschäftsbanken untertägig Geld bei der Zentralbank hätten leihen können. Grund für die Rücknahme des Leitzinses dürfte weiter das schwache Wirtschaftswachstum sein.

Auch vom Außenhandel kämen keine nennenswerten Impulse, die als Konjunkturstütze dienen könnten. Die türkische Wirtschaft werde im Moment trotz steigender Arbeitslosigkeit fast ausschließlich vom privaten Konsum gestützt. Dies dürfte aber nicht ausreichend sein. So werde für die nächste Sitzung im Oktober bereits die nächste Senkung auf dann 8,00% erwartet. Einzig die anhaltend hohe Inflation von aktuell ca. 8% dürfte den Mitgliedern der Türkischen Zentralbank Sorge bereiten, zumal für Ende 2016 eine Inflation von 8,8% prognostiziert werde. Das Ziel liege aktuell bei 7%. Die Landeswährung zeige sich im Vorfeld der Sitzung wenig beeindruckt und pendle um die Marke von 3,3150 TRY (Türkische Lira). Verstärkte Handelsaktivitäten in Bonds, die in TRY emittiert worden seien, hätten nicht festgestellt werden können.

Allerdings hätten in dieser Berichtswoche Anleihen lautend auf Russische Rubel (RUB) und Mexikanische Peso (MXN)zu den Lieblingen der Privatanleger gezählt. So sei zum Beispiel verstärkt eine russische Staatsanleihe (ISIN RU000A0JTK38 / WKN A1HFLY) nachgefragt. Aktuell notiere sie um 93,35% und rentiere damit bei 8,11%. Der EUR pendle aktuell um die Marke von 71,80 RUB. Ebenso gefragt sei ein Bond (ISIN XS0961509543 / WKN A1HPVJ) der Weltbank mit einem aktuellen Kurs von ca. 98,50% und einer Rendite von rund 4,86% gewesen. Die europäische Gemeinschaftswährung handle gegenüber dem Peso bei rund 22,08 MXN.

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Die Baader Bank AG ist eine der führenden Investmentbanken für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) und Marktführer im Handel von Finanzinstrumenten.

Als Market Maker ist die Bank für die börsliche und außerbörsliche Preisfindung von über 800.000 Finanzinstrumenten verantwortlich.

Im Investment Banking entwickelt sie Finanzierungslösungen für Unternehmen und bietet institutionellen Anlegern umfassende Dienstleistungen beim Vertrieb und dem Handel von Aktien, Anleihen und Derivaten. (Ausgabe vom 22.09.2016) (23.09.2016/alc/a/a)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
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