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FED und EZB vor wichtigen Entscheidungen, EZB will alle Instrumente der Geldpolitik nutzen
11.11.15 12:39
Alte Leipziger Trust
Oberursel (www.anleihencheck.de) - Richtungsweisende Entscheidungen der großen Notenbanken werfen ihre Schatten voraus, so die Experten der Alte Leipziger Trust.
Dabei unterschätze der US-Geldmarkt wohl weiter die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der FED im Dezember, während der Euro-Geldmarkt die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der EZB eher überschätze.
Die Führungsspitze der amerikanischen Notenbank habe eine Zinserhöhung im Dezember angedeutet. Janet Yellen habe eine Anhörung zu Regulierungsfragen vor dem Kongress dazu genutzt, die Märkte auf den "Lift Off" vorzubereiten. Ihrer Meinung nach entwickele sich die US-Wirtschaft gegenwärtig positiv, die Binnennachfrage sei kräftig, und die Unterauslastung am Arbeitsmarkt habe sich deutlich verringert. Eine rechtzeitige Zinsanhebung sei daher eine "kluge Politik". Daher könne es angemessen sein, auf der FOMC-Sitzung am 15./16. Dezember die Zinsen anzuheben. Damit unterstreiche sie noch einmal die Bedeutung dieser Sitzung, die auch schon im letzten FED- Kommuniqué herausgestellt worden sei.
Der Präsident der FED von New York, Dudley, habe die Einschätzung Yellens bestätigt, indem er betont habe, dass er "völlig" mit der Vorsitzenden des Federal Reserve Board übereinstimme. Und als letzter des Triumvirats habe Stanley Fischer, der Stellvertreter Yellens, seiner Erwartung Ausdruck gegeben, dass sich die gewohnten Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation wieder durchsetzen würden. Damit wären stärkere Lohnerhöhungen nur eine Frage der Zeit. Die Märkte hätten diese Hinweise verstanden. Die FED-Funds-Futures würden einer Zinsanhebung im Dezember inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 58% beimessen, womit diese doppelt so hoch sei wie vor einem Monat.
Dass die Zinswende in den USA noch 2015 komme, sei angesichts der jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt deutlich wahrscheinlicher geworden. Denn dessen Entwicklung verlaufe deutlich robuster als erwartet. So seien im Oktober außerhalb der Landwirtschaft 271.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden, wie das US-Arbeitsministerium gemeldet habe. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hätten im Schnitt lediglich 185.000 neue Stellen erwartet. Der Vormonatswert sei auf 137.000 Stellen revidiert worden.
Die Arbeitslosenquote sei auf das niedrigste Niveau seit April 2008 gesunken. Positiv hervorzuheben sei weiterhin der unerwartet starke Anstieg der Stundenlöhne. So würden sich Erwartungen mit Blick auf eine anstehende Zinswende im Dezember verstärken. Die Marktreaktion am vergangenen Freitag sei eindeutig ausgefallen. Angesichts des positiven Signals von der US-Konjunktur sei der Euro in den Sinkflug übergegangen und binnen Sekunden unter die Marke von 1,08 Dollar gefallen. Der DAX sei dagegen erstmals seit Mitte August wieder über die Marke von 11.000 Punkten gesprungen.
An sich seien steigende Zinsen zwar tendenziell schlecht für die Aktienkurse. Doch die Börse liebe Gewissheiten - und hasse die Unsicherheit. In den vergangenen Monaten hätten die Spekulationen um den Zeitpunkt der Zinswende an den Nerven der Anleger gezehrt. Damit zusammenhängend sei die Sorge um den Zustand der amerikanischen Konjunktur gewachsen. Entsprechend nehme der Markt die zunehmende Gewissheit eines ersten Zinsschrittes im Dezember erleichtert auf.
So hätten auch die US-Börsenbarometer in den vergangenen Wochen fast ähnlich zugelegt wie ihre Pendants aus dem Euroraum, gleichwohl würden sie seit Jahresbeginn auf der Stelle treten (Stand: 05.11.2015). Marktteilnehmer würden eine mögliche Zinserhöhung der FED als Indiz wirtschaftlicher Stärke interpretieren. Folglich seien zwischenzeitliche Wachstumssorgen wieder in den Hintergrund gerückt.
EZB-Präsident Draghi habe gesagt, es sei eine "offene Frage", ob weitere Maßnahmen der Geldpolitik für die Eurozone seien. Er habe aber gleichzeitig betont, dass die EZB zusätzliche Schritte beschließen werde, falls das Erreichen des Inflationsziels in Gefahr gerate. Auf die Frage, ob eine Senkung des Einlagezinses zum gleichen Zeitpunkt in Frage käme wie Anpassungen beim Anleihekaufprogramm, habe der EZB-Präsident erklärt, es sei für ein Urteil noch zu früh.
Einem anderen EZB-Ratsmitglied zufolge werde der EZB-Rat auf der kommenden Sitzung Anfang Dezember alle möglichen Instrumente "ernsthaft bewerten", und zwar auf Basis der Ziele der Notenbank, der bisherigen Resultate ihrer Politik sowie der aktualisierten Wachstums- und Inflationsprojektionen. Es sei sehr wichtig, in der Geldpolitik "vorbeugend zu handeln".
Die Inflation sei zu niedrig. Selbst wenn dies hauptsächlich mit dem Rückgang des Ölpreises zusammenhänge, bestünde die Gefahr, dass dies die Inflationserwartungen negativ beeinflusse und sie ihre Verankerung verlören. Alle im Rahmen des EZB-Mandats möglichen Instrumente für eine Ankurbelung der Inflation lägen auf dem Tisch. Falls nötig, könnte sie zum Beispiel auch den Umfang, die Zusammensetzung und die Laufzeit der Anleihekäufe anpassen.
Während Euro-Staatsanleihen durch die Aussicht auf eine noch expansivere EZB-Geldpolitik gestützt würden, würden die verbesserte konjunkturelle Situation in der Eurozone und die bestehende fundamentale Überbewertung bei deutschen Bundesanleihen belastend wirken. Mittelfristig sei tendenziell mit moderat höheren Renditeniveaus im Zuge steigender US-Renditen zu rechnen. Zunächst aber sollte die quantitative Lockerung der EZB die Staatsanleiherenditen niedrig halten.
Auch Staatsanleihen anderer Euroländer würden durch die lockere EZB-Geldpolitik, die Konjunkturerholung und erfolgten Schritten zur Haushaltskonsolidierung gestützt. Per 05.11.2015 würden die Renditen von 2- und 5-jährigen Bunds im Negativbereich bleiben. Sie würden bei -0,32% p.a. bzw. -0,06% p.a. notieren. 10-jährige Bunds würden aktuell 0,6% p.a. abwerfen. Die Renditen US-amerikanischer Bonds würden über alle Laufzeiten im positiven Bereich bleiben. So würden 2-jährige Papiere aktuell bei 0,83% p.a. rentieren, 5- und 10-jährige hingegen bei 1,64% bzw. 2,24%.
Aktien(fonds)anlagen sollten mit Blick auf die weiterhin fortgesetzte Geldschwemme der wichtigsten Notenbanken sowie einer Konjunkturentwicklung im Rahmen des Wachstumspotenzials längerfristig weiterhin stützen. Allerdings könnten globale Ungleichgewichte, Sorgen um die Wachstumsperspektiven und noch vorhandene Unwägbarkeiten hinsichtlich des Zeitpunktes der Leitzinserhöhung die Volatilität ansteigen lassen. Global niedrige Zinsen, eine mögliche Stabilisierung der chinesischen Volkswirtschaft und positive Entwicklungen auf Seiten der Unternehmen würden Aktien gegenüber den historisch hoch bewerteten Anleihen auf lange Sicht attraktiver erscheinen lassen. (Ausgabe November 2015) (11.11.2015/alc/a/a)
Dabei unterschätze der US-Geldmarkt wohl weiter die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der FED im Dezember, während der Euro-Geldmarkt die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der EZB eher überschätze.
Die Führungsspitze der amerikanischen Notenbank habe eine Zinserhöhung im Dezember angedeutet. Janet Yellen habe eine Anhörung zu Regulierungsfragen vor dem Kongress dazu genutzt, die Märkte auf den "Lift Off" vorzubereiten. Ihrer Meinung nach entwickele sich die US-Wirtschaft gegenwärtig positiv, die Binnennachfrage sei kräftig, und die Unterauslastung am Arbeitsmarkt habe sich deutlich verringert. Eine rechtzeitige Zinsanhebung sei daher eine "kluge Politik". Daher könne es angemessen sein, auf der FOMC-Sitzung am 15./16. Dezember die Zinsen anzuheben. Damit unterstreiche sie noch einmal die Bedeutung dieser Sitzung, die auch schon im letzten FED- Kommuniqué herausgestellt worden sei.
Der Präsident der FED von New York, Dudley, habe die Einschätzung Yellens bestätigt, indem er betont habe, dass er "völlig" mit der Vorsitzenden des Federal Reserve Board übereinstimme. Und als letzter des Triumvirats habe Stanley Fischer, der Stellvertreter Yellens, seiner Erwartung Ausdruck gegeben, dass sich die gewohnten Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation wieder durchsetzen würden. Damit wären stärkere Lohnerhöhungen nur eine Frage der Zeit. Die Märkte hätten diese Hinweise verstanden. Die FED-Funds-Futures würden einer Zinsanhebung im Dezember inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 58% beimessen, womit diese doppelt so hoch sei wie vor einem Monat.
Dass die Zinswende in den USA noch 2015 komme, sei angesichts der jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt deutlich wahrscheinlicher geworden. Denn dessen Entwicklung verlaufe deutlich robuster als erwartet. So seien im Oktober außerhalb der Landwirtschaft 271.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden, wie das US-Arbeitsministerium gemeldet habe. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hätten im Schnitt lediglich 185.000 neue Stellen erwartet. Der Vormonatswert sei auf 137.000 Stellen revidiert worden.
Die Arbeitslosenquote sei auf das niedrigste Niveau seit April 2008 gesunken. Positiv hervorzuheben sei weiterhin der unerwartet starke Anstieg der Stundenlöhne. So würden sich Erwartungen mit Blick auf eine anstehende Zinswende im Dezember verstärken. Die Marktreaktion am vergangenen Freitag sei eindeutig ausgefallen. Angesichts des positiven Signals von der US-Konjunktur sei der Euro in den Sinkflug übergegangen und binnen Sekunden unter die Marke von 1,08 Dollar gefallen. Der DAX sei dagegen erstmals seit Mitte August wieder über die Marke von 11.000 Punkten gesprungen.
So hätten auch die US-Börsenbarometer in den vergangenen Wochen fast ähnlich zugelegt wie ihre Pendants aus dem Euroraum, gleichwohl würden sie seit Jahresbeginn auf der Stelle treten (Stand: 05.11.2015). Marktteilnehmer würden eine mögliche Zinserhöhung der FED als Indiz wirtschaftlicher Stärke interpretieren. Folglich seien zwischenzeitliche Wachstumssorgen wieder in den Hintergrund gerückt.
EZB-Präsident Draghi habe gesagt, es sei eine "offene Frage", ob weitere Maßnahmen der Geldpolitik für die Eurozone seien. Er habe aber gleichzeitig betont, dass die EZB zusätzliche Schritte beschließen werde, falls das Erreichen des Inflationsziels in Gefahr gerate. Auf die Frage, ob eine Senkung des Einlagezinses zum gleichen Zeitpunkt in Frage käme wie Anpassungen beim Anleihekaufprogramm, habe der EZB-Präsident erklärt, es sei für ein Urteil noch zu früh.
Einem anderen EZB-Ratsmitglied zufolge werde der EZB-Rat auf der kommenden Sitzung Anfang Dezember alle möglichen Instrumente "ernsthaft bewerten", und zwar auf Basis der Ziele der Notenbank, der bisherigen Resultate ihrer Politik sowie der aktualisierten Wachstums- und Inflationsprojektionen. Es sei sehr wichtig, in der Geldpolitik "vorbeugend zu handeln".
Die Inflation sei zu niedrig. Selbst wenn dies hauptsächlich mit dem Rückgang des Ölpreises zusammenhänge, bestünde die Gefahr, dass dies die Inflationserwartungen negativ beeinflusse und sie ihre Verankerung verlören. Alle im Rahmen des EZB-Mandats möglichen Instrumente für eine Ankurbelung der Inflation lägen auf dem Tisch. Falls nötig, könnte sie zum Beispiel auch den Umfang, die Zusammensetzung und die Laufzeit der Anleihekäufe anpassen.
Während Euro-Staatsanleihen durch die Aussicht auf eine noch expansivere EZB-Geldpolitik gestützt würden, würden die verbesserte konjunkturelle Situation in der Eurozone und die bestehende fundamentale Überbewertung bei deutschen Bundesanleihen belastend wirken. Mittelfristig sei tendenziell mit moderat höheren Renditeniveaus im Zuge steigender US-Renditen zu rechnen. Zunächst aber sollte die quantitative Lockerung der EZB die Staatsanleiherenditen niedrig halten.
Auch Staatsanleihen anderer Euroländer würden durch die lockere EZB-Geldpolitik, die Konjunkturerholung und erfolgten Schritten zur Haushaltskonsolidierung gestützt. Per 05.11.2015 würden die Renditen von 2- und 5-jährigen Bunds im Negativbereich bleiben. Sie würden bei -0,32% p.a. bzw. -0,06% p.a. notieren. 10-jährige Bunds würden aktuell 0,6% p.a. abwerfen. Die Renditen US-amerikanischer Bonds würden über alle Laufzeiten im positiven Bereich bleiben. So würden 2-jährige Papiere aktuell bei 0,83% p.a. rentieren, 5- und 10-jährige hingegen bei 1,64% bzw. 2,24%.
Aktien(fonds)anlagen sollten mit Blick auf die weiterhin fortgesetzte Geldschwemme der wichtigsten Notenbanken sowie einer Konjunkturentwicklung im Rahmen des Wachstumspotenzials längerfristig weiterhin stützen. Allerdings könnten globale Ungleichgewichte, Sorgen um die Wachstumsperspektiven und noch vorhandene Unwägbarkeiten hinsichtlich des Zeitpunktes der Leitzinserhöhung die Volatilität ansteigen lassen. Global niedrige Zinsen, eine mögliche Stabilisierung der chinesischen Volkswirtschaft und positive Entwicklungen auf Seiten der Unternehmen würden Aktien gegenüber den historisch hoch bewerteten Anleihen auf lange Sicht attraktiver erscheinen lassen. (Ausgabe November 2015) (11.11.2015/alc/a/a)


