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Die FED und der Herbst
19.09.25 12:00
RBC BlueBay Asset Management
London (www.anleihencheck.de) - Die FED hat eine Zinssenkung geliefert, doch der Bruch mit der US-Regierung wird immer deutlicher, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
In Europa verlaufe die Umsetzung der angekündigten Infrastruktur- und Verteidigungspläne immer noch schleppend und in Frankreich bleibe die politische Lage unsicher. Die Märkte hätten sich in der vergangenen Woche indes relativ ruhig verhalten, doch bald dürfte wieder Bewegung einsetzen - ganz wie in der Natur, die sich schnell von Sommer auf Herbst drehen könne.
Die Renditen für US-Staatsanleihen seien in der vergangenen Woche weitgehend unverändert geblieben. Noch würden die Märkte die Ergebnisse der letzten FED-Sitzung verdauen, auf der eine weithin erwartete Zinssenkung um 25 Basispunkte beschlossen worden sei. Der effektive Leitzinssatz bleibe damit knapp über 4%.
Jerome Powells Kommentar habe wenig Überraschendes geboten. Er habe weiterhin die Datenabhängigkeit betont und das Risiko einer Schwäche am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten angesprochen. Da jedoch 2026 ein neuer FED-Vorsitzender Powells Amt übernehmen werde, werde es wohl immer weniger auf ökonomische Prognosen ankommen - so sehe es derzeit zumindest aus.
Bemerkenswert sei die abweichende Meinung des neuen FED-Gouverneurs Stephen Miran gewesen, der sich für eine deutlichere Senkung um 50 Basispunkte ausgesprochen habe. Das unterstreiche die wachsenden Spannungen zwischen der Haltung der Notenbank und den Präferenzen des Weißen Hauses. Als Mann der Regierung heize Miran Befürchtungen an, dass die Unabhängigkeit der FED untergraben werden könnte.
Powells Widerstand gegen politischen Druck unterstreiche diese Dynamik und mache den Bruch zwischen der Notenbank und der Regierung nur noch deutlicher. Insgesamt bleibe das aktuelle Marktumfeld vorerst unverändert: Die Zinsen würden moderat steigen, die Renditekurve werde etwas steiler und der US-Dollar tendenziell schwächer. Für Risikoanlagen sei das alles recht förderlich.
Die Renditen von Euro-Staatsanleihen hätten sich in der vergangenen Woche ähnlich wie die von US-Treasuries entwickelt. In den letzten Tagen habe RBC BlueBay Asset Management seine Inflationsprognose für die Eurozone im kommenden Jahr etwas nach unten korrigiert. Trotz aller angekündigten Pläne zur Erhöhung der Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur verlaufe deren Umsetzung in ganz Europa nach wie vor etwas schleppend.
Ein stärkerer Euro könne dabei als deflationäre Kraft wirken, zumal die Zölle in der Eurozone nicht wie auf der anderen Seite des Atlantiks steigen, sondern sinken würden. Eine mögliche Rally von Bundesanleihen könnte durch das üppige Angebot am Anleihemarkt und die schwindende Nachfrage niederländischer Pensionsfonds nach langlaufenden Titeln gebremst werden. Die Risiko-Ertrags-Perspektive spreche derzeit dennoch eher für etwas niedrigere als für höhere Renditen von Bundesanleihen.
In Frankreich habe die Ernennung von Sébastien Lecornu zum neuen Premierminister dazu beigetragen, die Volatilität am Staatsanleihemarkt zu dämpfen. Die Spreads 10-jähriger französischer OATs hätten sich vergangene Woche stabil bei etwa 80 Basispunkten gehalten. Aber es bleibe fraglich, ob man sich über den Haushalt und vor allem über Maßnahmen zur Reduzierung der Staatsausgaben einigen könne.
Fitch habe kürzlich die Bonität Frankreichs von AA- auf A+ herabgestuft. Wahrscheinlich, wenn nicht sogar unvermeidlich sei, dass Moody’s und S&P bei ihren bevorstehenden Rating-Überprüfungen in den nächsten Monaten nachziehen würden - insbesondere, wenn keine Anstrengungen unternommen würden, den französischen Staatshaushalt zu konsolidieren. Zwar liege die Bonität Frankreichs immer noch fünf Stufen über der Italiens, aber die Länder würden sich unterschiedlich entwickeln. Politische Unsicherheit und fiskalische Herausforderungen würden in Frankreich vorerst bestehen bleiben, so dass auch der Ausblick für OATs auf kurze bis mittlere Sicht verhalten bleibe.
Anleger schienen ihre US-Aktienengagements zunehmend abzusichern. Daher gehe RBC BlueBay Asset Management davon aus, dass der Euro über 1,20 US-Dollar weiter steigen könnte. RBC BlueBay Asset Management habe seine Short-Positionen auf den US-Dollar weiter ausgebaut. Obwohl einige Anleger mit einer Short-Position auf den US-Dollar liebäugeln würden, seien viele zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich davon überzeugt.
Anleihen würden im Laufe der Woche weitgehend stabil bleiben. Die Spreads für Staats- und Unternehmensanleihen hätten kaum Veränderungen gezeigt. Aktuell würden ein relativ ruhiges Marktumfeld und eine positive Stimmung in Bezug auf risikobehaftete Investments herrschen.
Ausblick
Nach der FED-Sitzung sei vor der Fed-Sitzung. Nun werde sich der Fokus der Märkte wieder auf die Entwicklung der Wirtschaftsdaten richten. In den nächsten Wochen werde es in dieser Hinsicht voraussichtlich relativ ruhig bleiben, bevor am 3. Oktober der US-Arbeitsmarktbericht für September veröffentlicht werde.
Für die US-Notenbank werde viel von den Arbeitsmarktdaten und Inflationszahlen der nächsten Wochen abhängen. Und natürlich werde RBC BlueBay Asset Management wie alle Marktteilnehmer aufmerksam verfolgen, ob möglicherweise ein neuer FED-Vorsitzender als Nachfolger für Jerome Powell im Jahr 2026 bekannt gegeben werde.
RBC BlueBay Asset Management habe den Eindruck, dass die Regierung einen Kandidaten ernennen möchte, der als Schwergewicht in der Geldpolitik gelte und an den Finanzmärkten Respekt genieße. Gleichzeitig sei jedoch klar, dass Trump einen FED-Vorsitzenden einsetzen möchte, der in erster Linie seine Agenda verfolge.
Der Herbst beginne. Mit dem Laubwechsel werde die Landschaft um uns herum in wenigen Wochen ganz anders aussehen - möglicherweise auch das Umfeld an den Märkten. Wir stünden an einem Punkt, der eine erneute Senkung der US-Leitzinsen markiere. Die Frage sei, wohin uns dies bis zum Jahresende führen werde. (19.09.2025/alc/a/a)
In Europa verlaufe die Umsetzung der angekündigten Infrastruktur- und Verteidigungspläne immer noch schleppend und in Frankreich bleibe die politische Lage unsicher. Die Märkte hätten sich in der vergangenen Woche indes relativ ruhig verhalten, doch bald dürfte wieder Bewegung einsetzen - ganz wie in der Natur, die sich schnell von Sommer auf Herbst drehen könne.
Die Renditen für US-Staatsanleihen seien in der vergangenen Woche weitgehend unverändert geblieben. Noch würden die Märkte die Ergebnisse der letzten FED-Sitzung verdauen, auf der eine weithin erwartete Zinssenkung um 25 Basispunkte beschlossen worden sei. Der effektive Leitzinssatz bleibe damit knapp über 4%.
Jerome Powells Kommentar habe wenig Überraschendes geboten. Er habe weiterhin die Datenabhängigkeit betont und das Risiko einer Schwäche am Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten angesprochen. Da jedoch 2026 ein neuer FED-Vorsitzender Powells Amt übernehmen werde, werde es wohl immer weniger auf ökonomische Prognosen ankommen - so sehe es derzeit zumindest aus.
Bemerkenswert sei die abweichende Meinung des neuen FED-Gouverneurs Stephen Miran gewesen, der sich für eine deutlichere Senkung um 50 Basispunkte ausgesprochen habe. Das unterstreiche die wachsenden Spannungen zwischen der Haltung der Notenbank und den Präferenzen des Weißen Hauses. Als Mann der Regierung heize Miran Befürchtungen an, dass die Unabhängigkeit der FED untergraben werden könnte.
Powells Widerstand gegen politischen Druck unterstreiche diese Dynamik und mache den Bruch zwischen der Notenbank und der Regierung nur noch deutlicher. Insgesamt bleibe das aktuelle Marktumfeld vorerst unverändert: Die Zinsen würden moderat steigen, die Renditekurve werde etwas steiler und der US-Dollar tendenziell schwächer. Für Risikoanlagen sei das alles recht förderlich.
Die Renditen von Euro-Staatsanleihen hätten sich in der vergangenen Woche ähnlich wie die von US-Treasuries entwickelt. In den letzten Tagen habe RBC BlueBay Asset Management seine Inflationsprognose für die Eurozone im kommenden Jahr etwas nach unten korrigiert. Trotz aller angekündigten Pläne zur Erhöhung der Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur verlaufe deren Umsetzung in ganz Europa nach wie vor etwas schleppend.
Ein stärkerer Euro könne dabei als deflationäre Kraft wirken, zumal die Zölle in der Eurozone nicht wie auf der anderen Seite des Atlantiks steigen, sondern sinken würden. Eine mögliche Rally von Bundesanleihen könnte durch das üppige Angebot am Anleihemarkt und die schwindende Nachfrage niederländischer Pensionsfonds nach langlaufenden Titeln gebremst werden. Die Risiko-Ertrags-Perspektive spreche derzeit dennoch eher für etwas niedrigere als für höhere Renditen von Bundesanleihen.
Fitch habe kürzlich die Bonität Frankreichs von AA- auf A+ herabgestuft. Wahrscheinlich, wenn nicht sogar unvermeidlich sei, dass Moody’s und S&P bei ihren bevorstehenden Rating-Überprüfungen in den nächsten Monaten nachziehen würden - insbesondere, wenn keine Anstrengungen unternommen würden, den französischen Staatshaushalt zu konsolidieren. Zwar liege die Bonität Frankreichs immer noch fünf Stufen über der Italiens, aber die Länder würden sich unterschiedlich entwickeln. Politische Unsicherheit und fiskalische Herausforderungen würden in Frankreich vorerst bestehen bleiben, so dass auch der Ausblick für OATs auf kurze bis mittlere Sicht verhalten bleibe.
Anleger schienen ihre US-Aktienengagements zunehmend abzusichern. Daher gehe RBC BlueBay Asset Management davon aus, dass der Euro über 1,20 US-Dollar weiter steigen könnte. RBC BlueBay Asset Management habe seine Short-Positionen auf den US-Dollar weiter ausgebaut. Obwohl einige Anleger mit einer Short-Position auf den US-Dollar liebäugeln würden, seien viele zum jetzigen Zeitpunkt nicht wirklich davon überzeugt.
Anleihen würden im Laufe der Woche weitgehend stabil bleiben. Die Spreads für Staats- und Unternehmensanleihen hätten kaum Veränderungen gezeigt. Aktuell würden ein relativ ruhiges Marktumfeld und eine positive Stimmung in Bezug auf risikobehaftete Investments herrschen.
Ausblick
Nach der FED-Sitzung sei vor der Fed-Sitzung. Nun werde sich der Fokus der Märkte wieder auf die Entwicklung der Wirtschaftsdaten richten. In den nächsten Wochen werde es in dieser Hinsicht voraussichtlich relativ ruhig bleiben, bevor am 3. Oktober der US-Arbeitsmarktbericht für September veröffentlicht werde.
Für die US-Notenbank werde viel von den Arbeitsmarktdaten und Inflationszahlen der nächsten Wochen abhängen. Und natürlich werde RBC BlueBay Asset Management wie alle Marktteilnehmer aufmerksam verfolgen, ob möglicherweise ein neuer FED-Vorsitzender als Nachfolger für Jerome Powell im Jahr 2026 bekannt gegeben werde.
RBC BlueBay Asset Management habe den Eindruck, dass die Regierung einen Kandidaten ernennen möchte, der als Schwergewicht in der Geldpolitik gelte und an den Finanzmärkten Respekt genieße. Gleichzeitig sei jedoch klar, dass Trump einen FED-Vorsitzenden einsetzen möchte, der in erster Linie seine Agenda verfolge.
Der Herbst beginne. Mit dem Laubwechsel werde die Landschaft um uns herum in wenigen Wochen ganz anders aussehen - möglicherweise auch das Umfeld an den Märkten. Wir stünden an einem Punkt, der eine erneute Senkung der US-Leitzinsen markiere. Die Frage sei, wohin uns dies bis zum Jahresende führen werde. (19.09.2025/alc/a/a)


