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Fehlentwicklungen als Folge moderner Geld- und Fiskalpolitik
30.10.19 11:30
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Weltwirtschaft befindet sich in einer synchronen Abschwächungsphase und hat das geringste Wachstum seit der Finanzkrise in 2008 zu erwarten, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Handelskriege, globale Ungleichgewichte, geopolitischer Turbulenzen, Klimawandel, Migrationsprobleme und anderes mehr würden als Bremse wirken. An den internationalen Finanzmärkten herrsche die Meinung vor, Geld- und Fiskalpolitik würden ihren Kurs fortsetzen, die Zinsen würden niedrig bleiben und länger niedriger als Anfang des Jahres angenommen, und von der Fiskalpolitik sei ein noch stärkeres Deficit Spending zu erwarten. Doch die extrem niedrigen Zinsen an den Geld- und Kapitalmärkten hätten auch schwere Nachteile, und die weltweiten Schulden seien mit USD 240 Billionen schon jetzt auf Dauer nicht mehr tragbar.
Die Finanzkrisen in den letzten 20 Jahren hätten ihren Ursprung in der leichten Zugänglichkeit zu kostenlosen Krediten aufgrund der ultra-expansiven Geldpolitik der Notenbanken gehabt. Der Grenznutzen dieser Geldpolitik aber bleibe weiter umstritten, wahrscheinlich sei er ja schon negativ. Sparer und Investoren in die Finanzmärkte würden durch ZIRP und NIRP gewissermaßen enteignet, da sie keine Zinsen für die Kreditvergabe mehr erhalten würden. Der Anteil der Staatsanleihen mit negativen Renditen sei weltweit schon stark gestiegen.
Viele Kreditoren seien aber sogar finanziell abhängig von den Zinseinnahmen (Rentenversicherungen, Pensionsfonds etc.). Negative Zinsen, die für Einlagen bei der Zentralbank anfallen würden, würden in erheblichem Maße die Ertragsentwicklung der Geschäftsbanken belasten. Notleidend gewordene Kredite würden die Kreditnehmer kaum belasten, da sie durch kostengünstige neue Kredite abgelöst werden könnten. Für die Kreditoren dagegen seien notleidend gewordene Kredite ein Totalverlust, für den sie nicht einmal teilweise durch Zinserträge entschädigt worden seien. Hier stoße die Geldpolitik als Mittel der Konjunkturstimulierung an ihre Grenzen.
Notgedrungen würden Investoren auf immer riskantere Anlagen ausweichen. Der Anteil der Unternehmensanleihen von nicht-Banken sei in manchen Ländern schon sehr hoch. Pensionsfonds auf der Suche nach Renditen seien gezwungen gewesen, mit ihren Anlagen auf nicht-klassische Investments auszuweichen. Doch Aktien- und Immobilienmärkte seien in der ganzen Welt nach herkömmlichen Maßstäben schon sehr hoch bewertet. Wenn sich einmal eine Zinserhöhung auch nur andeute, könnte der nächste Crash ausgelöst werden.
Schulden im Ausland aufzunehmen, sei kein günstiger Ausweg. Das bringe nur ganz kurzfristig Vorteile. So hätten sich insbesondere die Schwellenländer in US-Dollar, in Euro und Yen hochverschuldet und seien von den Entwicklungen in diesen Währungen in überproportionalem Ausmaße abhängig, da ein dortiger Zinsanstieg zusätzlich auch noch eine Verteuerung der Währung mit sich brächte. Eine Zahlungsunfähigkeit in diesen Schwellenländern würde sich wie ein Flächenbrand weltweit ausdehnen. Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise in 2008 habe der Anteil der Schwellenländer am Welt-BIP 45% betragen, er sei inzwischen aber auf 60% angestiegen.
Hinsichtlich der Verschuldung im Ausland seien die USA aber kein Vorbild für die Schwellenländer. Die Netto-Investmentposition der USA gegenüber dem Ausland liege bei USD 9,9 Billionen, die höchste Auslandsverschuldung der Welt. Dies sei eine Folge der ständig hohen Defizite in der US-Leistungsbilanz. Die ständig steigenden Defizite im US-Haushalt hätten die öffentliche Verschuldung inzwischen auf USD 22 Billionen anschwellen lassen. Wenn die Methode "Deficit Spending" zu mehr BIP-Wachstum verhelfen würde, hätten die USA das solideste Wachstum in der ganzen Welt.
ZIRP, NIRP sowie Deficit Spending seien an ihrem Ende. Zusätzliche Liquidität könnte den allerdings schon hochbewerteten Aktien- und Immobilienmärkten eine Stütze geben. Rentenmärkten meiden! Auf der Suche nach Substanz dürften Edelmetalle und Rohstoffmärkte mehr beachtet werden. (30.10.2019/alc/a/a)
Handelskriege, globale Ungleichgewichte, geopolitischer Turbulenzen, Klimawandel, Migrationsprobleme und anderes mehr würden als Bremse wirken. An den internationalen Finanzmärkten herrsche die Meinung vor, Geld- und Fiskalpolitik würden ihren Kurs fortsetzen, die Zinsen würden niedrig bleiben und länger niedriger als Anfang des Jahres angenommen, und von der Fiskalpolitik sei ein noch stärkeres Deficit Spending zu erwarten. Doch die extrem niedrigen Zinsen an den Geld- und Kapitalmärkten hätten auch schwere Nachteile, und die weltweiten Schulden seien mit USD 240 Billionen schon jetzt auf Dauer nicht mehr tragbar.
Die Finanzkrisen in den letzten 20 Jahren hätten ihren Ursprung in der leichten Zugänglichkeit zu kostenlosen Krediten aufgrund der ultra-expansiven Geldpolitik der Notenbanken gehabt. Der Grenznutzen dieser Geldpolitik aber bleibe weiter umstritten, wahrscheinlich sei er ja schon negativ. Sparer und Investoren in die Finanzmärkte würden durch ZIRP und NIRP gewissermaßen enteignet, da sie keine Zinsen für die Kreditvergabe mehr erhalten würden. Der Anteil der Staatsanleihen mit negativen Renditen sei weltweit schon stark gestiegen.
Notgedrungen würden Investoren auf immer riskantere Anlagen ausweichen. Der Anteil der Unternehmensanleihen von nicht-Banken sei in manchen Ländern schon sehr hoch. Pensionsfonds auf der Suche nach Renditen seien gezwungen gewesen, mit ihren Anlagen auf nicht-klassische Investments auszuweichen. Doch Aktien- und Immobilienmärkte seien in der ganzen Welt nach herkömmlichen Maßstäben schon sehr hoch bewertet. Wenn sich einmal eine Zinserhöhung auch nur andeute, könnte der nächste Crash ausgelöst werden.
Schulden im Ausland aufzunehmen, sei kein günstiger Ausweg. Das bringe nur ganz kurzfristig Vorteile. So hätten sich insbesondere die Schwellenländer in US-Dollar, in Euro und Yen hochverschuldet und seien von den Entwicklungen in diesen Währungen in überproportionalem Ausmaße abhängig, da ein dortiger Zinsanstieg zusätzlich auch noch eine Verteuerung der Währung mit sich brächte. Eine Zahlungsunfähigkeit in diesen Schwellenländern würde sich wie ein Flächenbrand weltweit ausdehnen. Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise in 2008 habe der Anteil der Schwellenländer am Welt-BIP 45% betragen, er sei inzwischen aber auf 60% angestiegen.
Hinsichtlich der Verschuldung im Ausland seien die USA aber kein Vorbild für die Schwellenländer. Die Netto-Investmentposition der USA gegenüber dem Ausland liege bei USD 9,9 Billionen, die höchste Auslandsverschuldung der Welt. Dies sei eine Folge der ständig hohen Defizite in der US-Leistungsbilanz. Die ständig steigenden Defizite im US-Haushalt hätten die öffentliche Verschuldung inzwischen auf USD 22 Billionen anschwellen lassen. Wenn die Methode "Deficit Spending" zu mehr BIP-Wachstum verhelfen würde, hätten die USA das solideste Wachstum in der ganzen Welt.
ZIRP, NIRP sowie Deficit Spending seien an ihrem Ende. Zusätzliche Liquidität könnte den allerdings schon hochbewerteten Aktien- und Immobilienmärkten eine Stütze geben. Rentenmärkten meiden! Auf der Suche nach Substanz dürften Edelmetalle und Rohstoffmärkte mehr beachtet werden. (30.10.2019/alc/a/a)


