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Finanzmärkte: Die Luft wird dünner im zweiten Halbjahr


04.07.24 12:30
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die US-Konsumentenstimmung trübt sich zunehmend ein, da sich das reale Einkommenswachstum aufgrund gestiegener Preise abgeschwächt hat, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich.

Somit komme der Konsum als Haupttreiber der US-Konjunktur weiter unter Druck. Dies zeige sich bereits in den nachlassenden realen Einzelhandelsumsätzen. Zudem würden sich bisher sehr positiv wirkende Faktoren immer mehr abschwächen: Die Arbeitslosenrate steige langsam aber stetig an, Überschussreserven im Bankensystem würden zur Neige gehen, die Überschussersparnisse der Konsumenten seien gemäß einer FED-Studie mehrheitlich aufgebraucht und der Fiskalimpuls falle trotz anhaltend hoher Staatsausgaben.

Die Luft für die US-Wirtschaft und die Finanzmärkte werde damit dünner im zweiten Halbjahr. Allerdings verfüge das US-Bankensystem immer noch über hohe reguläre Bankreserven bei der FED in der Größenordnung von 3.600 Milliarden US-Dollar. Historisch würden sich hier größere Liquiditätsprobleme erst bei einem Rückgang auf unter 2.000 Milliarden ergeben. Zudem stabilisiere sich die Konjunktur in Europa als auch China und wirke zusätzlich ausgleichend.

Aufgrund der erwähnten Eintrübung der Konsumentenstimmung in den USA sowie der zunehmenden Abschwächung verschiedener Faktoren drohe eine Kumulierung und Rückkopplung negativer Impulse sowohl auf die Konjunktur als auch auf die Aktien- und Kreditmärkte. Dies betreffe insbesondere die USA, gelte aber aufgrund globaler Wirtschaftsverflechtungen auch weltweit. Einen positiven Gegenpol bilde der inflationsdämpfende Einfluss einer konjunkturellen Abschwächung und künftig rückläufigen Liquiditätsversorgung.

Allerdings würden die Experten eine erste geldpolitische Lockerung in den USA erst nach einem starken Anstieg der Marktvolatilität, einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur und einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit erwarten. Diese verzögerte Reaktionszeit der Zentralbanken ergebe sich insbesondere aufgrund einer nach wie vor hartnäckigen Inflation. Es würden Basiseffekte wegfallen, die bisherige Güterpreisdeflation scheine beendet und die Mietpreise, welche ein hohes Gewicht im US-Inflationskorb hätten, würden nur graduell zurückgehen.

Die Experten würden insgesamt eine vorsichtige Positionierung bei risikobehafteten Anlagen für angebracht halten. Bei Aktien sowohl in den USA als auch Europa sei die Marktbreite weiterhin tief und die Stimmung sei (zu) optimistisch. Für größere Portfolioumschichtungen würden die Experten zuerst eine weitere Abschwächung des Makroumfelds abwarten. Es bestünden hier Verzögerungseffekte bei der Wirkung auf die Finanzmärkte und der Generierung von Verkaufssignalen. Deshalb gelte: "The trend is your friend" - und aktuell sei der Trend noch positiv.

Entsprechend würden die Experten weiterhin neutral bis leicht positiv positioniert beim Aktien- und Kreditexposure (Investment Grade, High Yield und Emerging Markets) bleiben. Im High-Yield-Markt würden sich zudem die aus Kreditperspektive zentralen Bilanzkennzahlen wie die Nettoverschuldung weiterhin stabil entwickeln und technisch wirke sich das weiterhin unterdurchschnittliche Angebot an Neuemissionen positiv auf den Gesamtmarkt aus. Bei US-Staatsanleihen würden die Experten vorsichtig bleiben, da es hier trotz Leitzinssenkungen zu steigenden langfristigen Zinsen kommen könnte. Auch hier würden sie aber noch neutral positioniert bleiben. Deutsche Bundesanleihen dürften dagegen von einer Abkühlung der globalen Konjunktur profitieren. (04.07.2024/alc/a/a)