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Finanzmarkt: Das Prinzip der "Verzinsung" ist abgeschafft
19.09.14 09:58
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Ein Jahrhunderte altes Grundprinzip der Volkswirtschaft ist jetzt abgeschafft, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Ein Kreditor, der einem Debitor ein bestimmtes Kapital für eine gewisse Zeit zur Nutzung überlasse, erhalte von diesem dafür eine Verzinsung. In den USA würden die 5-jährigen Treasuries eine Rendite von nominal 1,79% und real 0% bringen. Die kürzeren Laufzeiten als fünf Jahre würden in realer Rechnung größtenteils sogar eine negative Verzinsung bieten. In der Eurozone sei das bei einer Durchschnittsrendite öffentlicher Anleihen von 0,83% ähnlich.
Bei längeren Laufzeiten als fünf Jahre sei die reale Verzinsung so gering (z.B. 10-jährige Treasuries 0,5%), dass nach Abzug von Steuern und Bankgebühren ebenfalls nichts übrig bleibe. Auf der Suche nach Rendite werde der Anleger damit gezwungen, auf minderwertigere Schuldner als die öffentlichen Hände oder auf Fremdwährungsanleihen mit hohem Devisenrisiko auszuweichen. Das aber wiederum fördere die Bildung von Spekulationsblasen.
Das Platzen der letzten Blase mit ihren abenteuerlichen Finanzinstrumenten im Jahr 2008 habe die Weltwirtschaft in die schwerste Krise seit den 1930er Jahren gestürzt. Jetzt sechs Jahre danach stehen wir wieder vor einer ähnlichen Situation, so die Experten von "fairesearch". Die Annahme, die Geldpolitik der Notenbanken werde eine erneute Blasenbildung verhindern, sei falsch gewesen.
Ultra-expansive Lockerungen sollten die Konjunktur wieder auf einen Wachstumspfad lenken. Jetzt zeige sich, dass ZIRP und QE ohne Reformen in der Finanzpolitik wirkungslos bleiben würden. Um 1 USD oder 1 EUR Wachstum zu kreieren, seien immer größere Beträge an neuen Schulden erforderlich. Doch die öffentliche Verschuldung sei in fast allen Industriestaaten bereits auf historischem Höchststand. Die Fähigkeit und Willigkeit zu Reformen in der Finanzpolitik seien in vielen Ländern schon auf einen Nullpunkt gesunken.
Die Verzinsung von Ersparnissen abzuschaffen, werde sich langfristig als Fehler erweisen. Die privaten Haushalte würden sich dadurch nicht zum Konsum verleiten lassen, sondern aus Sorge um die Zukunft auch ohne Zinsen weiter sparen. Und die Anleger dürften auf dem erreichten Niveau an den Finanzmärkten vorsichtiger werden.
Die Rückkehr zu einer "normalen Geldpolitik", die weder expansiv noch restriktiv wirke, gestalte sich viel schwieriger, als bisher gedacht. Die Märkte in den USA und Großbritannien würden bereits nervös auf die Aussichten einer näher rückenden Zinswende reagieren. (Ausgabe vom 18.09.2014) (19.09.2014/alc/a/a)
Ein Kreditor, der einem Debitor ein bestimmtes Kapital für eine gewisse Zeit zur Nutzung überlasse, erhalte von diesem dafür eine Verzinsung. In den USA würden die 5-jährigen Treasuries eine Rendite von nominal 1,79% und real 0% bringen. Die kürzeren Laufzeiten als fünf Jahre würden in realer Rechnung größtenteils sogar eine negative Verzinsung bieten. In der Eurozone sei das bei einer Durchschnittsrendite öffentlicher Anleihen von 0,83% ähnlich.
Bei längeren Laufzeiten als fünf Jahre sei die reale Verzinsung so gering (z.B. 10-jährige Treasuries 0,5%), dass nach Abzug von Steuern und Bankgebühren ebenfalls nichts übrig bleibe. Auf der Suche nach Rendite werde der Anleger damit gezwungen, auf minderwertigere Schuldner als die öffentlichen Hände oder auf Fremdwährungsanleihen mit hohem Devisenrisiko auszuweichen. Das aber wiederum fördere die Bildung von Spekulationsblasen.
Ultra-expansive Lockerungen sollten die Konjunktur wieder auf einen Wachstumspfad lenken. Jetzt zeige sich, dass ZIRP und QE ohne Reformen in der Finanzpolitik wirkungslos bleiben würden. Um 1 USD oder 1 EUR Wachstum zu kreieren, seien immer größere Beträge an neuen Schulden erforderlich. Doch die öffentliche Verschuldung sei in fast allen Industriestaaten bereits auf historischem Höchststand. Die Fähigkeit und Willigkeit zu Reformen in der Finanzpolitik seien in vielen Ländern schon auf einen Nullpunkt gesunken.
Die Verzinsung von Ersparnissen abzuschaffen, werde sich langfristig als Fehler erweisen. Die privaten Haushalte würden sich dadurch nicht zum Konsum verleiten lassen, sondern aus Sorge um die Zukunft auch ohne Zinsen weiter sparen. Und die Anleger dürften auf dem erreichten Niveau an den Finanzmärkten vorsichtiger werden.
Die Rückkehr zu einer "normalen Geldpolitik", die weder expansiv noch restriktiv wirke, gestalte sich viel schwieriger, als bisher gedacht. Die Märkte in den USA und Großbritannien würden bereits nervös auf die Aussichten einer näher rückenden Zinswende reagieren. (Ausgabe vom 18.09.2014) (19.09.2014/alc/a/a)


