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Fiskalpolitische Expansion
26.05.22 15:37
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Welt befindet sich in einer Phase inflationären Preisauftriebs, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Das gelte ohne Ausnahme. Die den Konsumentenpreisen zeitlich vorauseilenden Preisindices würden noch schneller als die Verbraucherpreise steigen, sodass auch in den nächsten Quartalen die Inflationsraten hoch bleiben würden. In den OECD-Ländern lägen die Konsumentenpreise zurzeit 8,8% über dem Vorjahr. Vor einem Jahr sei die Inflationsrate noch 2,4% gewesen. Ein Fünftel aller Länder berichte über zweistellige Inflationsraten, die höchste in der Türkei bei 61,1%.
Die Gründe für den inflationären Preisauftrieb seien bekannt: Krieg in der Ukraine, Pandemie, Lockdown, Lieferengpässe, Klimawandel, schwindende Kaufkraft usw. Völlig im Nebel stünden die Forschungsinstitute bei der Einschätzung der weiteren Entwicklung. Die Unsicherheiten seien stark gestiegen. Das liege nicht nur am ungewissen Ausgang des Krieges oder der weiter unbekannten Entwicklung der Pandemie. Die Konstellation der volkswirtschaftlichen Daten sei diesmal sehr kompliziert.
Wie könne die Notenbank ihre Leitzinsen mitten in einer Phase konjunktureller Abschwächung erhöhen? Deutlich höhere Zinsen würden die BIP-Wachstumsraten weiter abschwächen. Die EZB werde aber um diesen Schritt nicht herumkommen, wolle sie ernsthaft die Inflation bekämpfen. So würden die Märkte ab Juli mit mehreren Erhöhungsschritten mit drei bis Jahresende rechnen. So hoch wie es eine Teuerungsrate von rund 10% erfordere, aber werde die EZB nicht gehen können. Jetzt räche sich, dass sie allzu lange an ihrer Geldpolitik negativer Zinsen festgehalten habe. Besonders schwierig gestalte sich die vorangegangene Ausdehnung der Geldmenge mittels quantitativer Lockerungen. Die EZB habe schon angekündigt, Wertpapierkäufe einzustellen. Um überschüssiges Geld abzuschöpfen, müsste sie aber eigentlich Bestände verkaufen. Dies aber würde an den Märkten verheerende Kursrückgänge auslösen. Geld werde knapper und teurer. Der IWF versuche, dies in einem "Unsicherheitsindex" darzustellen.
Die Konjunkturentwicklung und die steigende Inflation würden nach staatlichen Hilfsmaßnahmen, nach finanzpolitischer Expansion rufen. Doch die öffentlichen Kassen seien bereits leer, die staatlichen Haushalte tief verschuldet. Fast alle Regierungen würden dennoch die Kreditaufnahme erhöhen. Steigende Zinsen würden mit zeitlicher Verzögerung die Staatshaushalte wegen der insgesamt bereits absurd hohen Staatsverschuldung belasten. Der Schuldendienst (Soll-Zinsen + Tilgungen) gehe unmittelbar in den Staatshaushalt ein.
In der Eurozone betrage diese Verschuldung Ende 2021 bereits 97,7% des BIP. In den USA nähere sich die Staatsverschuldung der Marke von USD 30 Billionen (1 Billion = 1012) und habe Ende 2021 laut FED bei 123,6% des US-BIP gelegen. Immer lauter würden gegenwärtig die Forderungen nach öffentlichen Unterstützungsmaßnahmen zum Ausgleich der Inflation und zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Dabei würden Sondervermögen gebildet, die aber nichts anderes darstellen würden als eine Erhöhung der Kreditaufnahme des Staates (wie z.B. Deutschland Euro 100 Mrd. für Bundeswehr). In der Eurozone begrenze der Stabilitäts- und Wachstumspakt die Staatsverschuldung. Jetzt schlage die Europäische Kommission eine weitere Aussetzung der Begrenzung der Staatsverschuldung vor. Für die Stabilität der Staatsfinanzen sei das eine Horrornachricht.
Folgerung: in Zeiten hoher Inflation und bald steigender Geldmarktzinsen sei man trotz negativer Zinsen in realer Rechnung mit Geldmarktanlagen gut beraten. Am Rentenmarkt allenfalls Floater interessant. Am Aktienmarkt steige das Risiko bei sinkenden Unternehmensgewinnen. Erneuerbare Energien (wie z.B. Wasserstoff) würden kaufenswert bleiben. Edelmetalle hätten trotz kurzfristig schwankender Preise langfristig gute Aussichten. (26.05.2022/alc/a/a)
Das gelte ohne Ausnahme. Die den Konsumentenpreisen zeitlich vorauseilenden Preisindices würden noch schneller als die Verbraucherpreise steigen, sodass auch in den nächsten Quartalen die Inflationsraten hoch bleiben würden. In den OECD-Ländern lägen die Konsumentenpreise zurzeit 8,8% über dem Vorjahr. Vor einem Jahr sei die Inflationsrate noch 2,4% gewesen. Ein Fünftel aller Länder berichte über zweistellige Inflationsraten, die höchste in der Türkei bei 61,1%.
Die Gründe für den inflationären Preisauftrieb seien bekannt: Krieg in der Ukraine, Pandemie, Lockdown, Lieferengpässe, Klimawandel, schwindende Kaufkraft usw. Völlig im Nebel stünden die Forschungsinstitute bei der Einschätzung der weiteren Entwicklung. Die Unsicherheiten seien stark gestiegen. Das liege nicht nur am ungewissen Ausgang des Krieges oder der weiter unbekannten Entwicklung der Pandemie. Die Konstellation der volkswirtschaftlichen Daten sei diesmal sehr kompliziert.
Die Konjunkturentwicklung und die steigende Inflation würden nach staatlichen Hilfsmaßnahmen, nach finanzpolitischer Expansion rufen. Doch die öffentlichen Kassen seien bereits leer, die staatlichen Haushalte tief verschuldet. Fast alle Regierungen würden dennoch die Kreditaufnahme erhöhen. Steigende Zinsen würden mit zeitlicher Verzögerung die Staatshaushalte wegen der insgesamt bereits absurd hohen Staatsverschuldung belasten. Der Schuldendienst (Soll-Zinsen + Tilgungen) gehe unmittelbar in den Staatshaushalt ein.
In der Eurozone betrage diese Verschuldung Ende 2021 bereits 97,7% des BIP. In den USA nähere sich die Staatsverschuldung der Marke von USD 30 Billionen (1 Billion = 1012) und habe Ende 2021 laut FED bei 123,6% des US-BIP gelegen. Immer lauter würden gegenwärtig die Forderungen nach öffentlichen Unterstützungsmaßnahmen zum Ausgleich der Inflation und zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben. Dabei würden Sondervermögen gebildet, die aber nichts anderes darstellen würden als eine Erhöhung der Kreditaufnahme des Staates (wie z.B. Deutschland Euro 100 Mrd. für Bundeswehr). In der Eurozone begrenze der Stabilitäts- und Wachstumspakt die Staatsverschuldung. Jetzt schlage die Europäische Kommission eine weitere Aussetzung der Begrenzung der Staatsverschuldung vor. Für die Stabilität der Staatsfinanzen sei das eine Horrornachricht.
Folgerung: in Zeiten hoher Inflation und bald steigender Geldmarktzinsen sei man trotz negativer Zinsen in realer Rechnung mit Geldmarktanlagen gut beraten. Am Rentenmarkt allenfalls Floater interessant. Am Aktienmarkt steige das Risiko bei sinkenden Unternehmensgewinnen. Erneuerbare Energien (wie z.B. Wasserstoff) würden kaufenswert bleiben. Edelmetalle hätten trotz kurzfristig schwankender Preise langfristig gute Aussichten. (26.05.2022/alc/a/a)


