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Folgen der Nullzinspolitik
01.04.19 12:15
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die anhaltenden Unruhen und Turbulenzen in aller Welt vermitteln den Eindruck, als lebten wir ständig in ungeordneten und bedrohlichen Verhältnissen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Das Drama um den Brexit in der City of London und die Gilets Jaunes auf den Champs-Elysées seien dabei in globaler Sicht nicht einmal die schlimmsten Probleme. Die Annexion der Krim durch Russland, die gescheiterten Friedensgespräche mit Nordkorea und dem Iran und jetzt auch noch die in Aussicht gestellte Eingliederung der Golan Höhen an Israel würden eine Verschärfung der internationalen Spannungen bringen. Handelssanktionen und Importzölle würden den Welthandel behindern und zusätzlich das Wachstum der Weltwirtschaft dämpfen.
Doch die schlimmsten Bedrohungen für die internationalen Finanzmärkte stünden erst noch bevor. Die Geld- und Fiskalpolitik sei in den wichtigsten Volkswirtschaften handlungsunfähig geworden. Die FED habe ihren Plan zu einer Normalisierung der Zinsstruktur aufgegeben. Die Leitzinsen in den USA von derzeit 2,25% bis 2,50% würden in diesem Jahr nicht mehr erhöht. Die EZB belasse es in 2019 bei ZIRP und NIRP. Infolgedessen hätten die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen auf ein Tiefstniveau nachgegeben, für Bundeslandanleihen unter 0%, für Treasuries auf eine inverse Struktur ohne Realverzinsung. Von dieser Seite her seien kaum noch Möglichkeiten zur Konjunkturstimulierung gegeben. Wiederum werde schon über "Helikoptergeld" und weitere QE-Maßnahmen diskutiert.
Und die Fiskalpolitik habe in den letzten Jahren schon zu einer rekordhohen Staatsverschuldung geführt, in den USA über USD 22 Billionen, in der Eurozone auf EUR 9,7 Billionen, der Schuldendienst (Sollzinsen plus Tilgungen) seien für den Staatshaushalt eine untragbare Belastung geworden. Noch seien die Inflationsraten beiderseits des Atlantiks niedrig, und es werde auch weitgehend kein Anstieg befürchtet. Doch ein unerwarteter und plötzlicher Anstieg könne auch nicht ausgeschlossen werden. Im Gegenteil, Geld- und Fiskalpolitik seien auf eine plötzliche Erhöhung direkt ausgelegt.
In einer solchen, historisch einmaligen Situation seien weltweite Währungsturbulenzen wahrscheinlicher geworden. Wenn Handelssanktionen und Importzölle nicht mehr weiterhelfen würden, dann würden nur noch Abwertungen als Stabilisierungsmaßnahmen bleiben. Der Wechselkurs Euro/US-Dollar sei zurzeit noch relativ stabil. Doch in Randwährungen seien schon Abwertungen zu beobachten. Auf den internationalen Devisenmärkten sei der USD noch immer die wichtigste Handelswährung. Doch mit schwindendem Vertrauen in die Handlungsfähigkeit und die Stabilitätsorientierung der FED und mit sich abzeichnender Überschuldung der US-Regierung könne die Rolle der Leitwährung des USD wieder infrage gestellt werden. Als Wertaufbewahrungsmittel eigne sich die US-Valuta schon jetzt nicht mehr, denn sie biete ja keine Zinsen. Und das Rating müsse bei USD 22 Billionen Staatsschulden ohnehin infrage gestellt werden.
In der ganzen Welt würden die Zentralbanken einen Teil ihrer Währungsreserven in der Form von Gold halten. Es solle ihnen helfen, die heimische Währung und Volkswirtschaft gegen die Unwägbarkeiten der Devisenmärkte abzusichern.
Seit Anfang der siebziger Jahre (Ende von Bretton Woods) hätten die Zentralbanken noch nie so viel Gold gekauft wie in 2018. Der World Gold Council (WGC) schätze die Käufe auf netto 651,5 t (+74% ggü. 2017). Seit Anfang 2019 würden die Käufe anhalten. Mit den kontinuierlichen Zukäufen der Zentralbanken stelle sich die Frage: Würden sie sich bereits auf eine Änderung der Rolle des Goldes im Weltwährungssystem vorbereiten?
China und Russland hätten in den letzten Quartalen den Goldbestand in ihren Währungsreserven erheblich aufgestockt. Im Frühjahr 2015 hätten China erst 1.054 t und Russland 1.208 t gehalten. Jetzt habe China offiziell 1.864 t, Russland immerhin 2.149 t. Im Monat Februar habe die Bank of Russia 1 Million Feinunzen oder 31,1 t hinzugekauft. Sie sei damit unter den Zentralbanken an die fünfte Stelle vorgerückt.
Gold werde besser als eine Währung betrachtet. Das Edelmetall verkörpere einen universell anerkannten Wert. Eine Reform des Weltwährungssystems mit einem gebührenden Anteil Gold könne aber noch Jahre dauern. Die Währungen der absurd hoch verschuldeten USA und der zerstrittenen Eurozone seien für ein Investment keine ernst zu nehmenden Alternative zum Gold. (Ausgabe vom 31.03.2019) (01.04.2019/alc/a/a)
Das Drama um den Brexit in der City of London und die Gilets Jaunes auf den Champs-Elysées seien dabei in globaler Sicht nicht einmal die schlimmsten Probleme. Die Annexion der Krim durch Russland, die gescheiterten Friedensgespräche mit Nordkorea und dem Iran und jetzt auch noch die in Aussicht gestellte Eingliederung der Golan Höhen an Israel würden eine Verschärfung der internationalen Spannungen bringen. Handelssanktionen und Importzölle würden den Welthandel behindern und zusätzlich das Wachstum der Weltwirtschaft dämpfen.
Doch die schlimmsten Bedrohungen für die internationalen Finanzmärkte stünden erst noch bevor. Die Geld- und Fiskalpolitik sei in den wichtigsten Volkswirtschaften handlungsunfähig geworden. Die FED habe ihren Plan zu einer Normalisierung der Zinsstruktur aufgegeben. Die Leitzinsen in den USA von derzeit 2,25% bis 2,50% würden in diesem Jahr nicht mehr erhöht. Die EZB belasse es in 2019 bei ZIRP und NIRP. Infolgedessen hätten die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen auf ein Tiefstniveau nachgegeben, für Bundeslandanleihen unter 0%, für Treasuries auf eine inverse Struktur ohne Realverzinsung. Von dieser Seite her seien kaum noch Möglichkeiten zur Konjunkturstimulierung gegeben. Wiederum werde schon über "Helikoptergeld" und weitere QE-Maßnahmen diskutiert.
Und die Fiskalpolitik habe in den letzten Jahren schon zu einer rekordhohen Staatsverschuldung geführt, in den USA über USD 22 Billionen, in der Eurozone auf EUR 9,7 Billionen, der Schuldendienst (Sollzinsen plus Tilgungen) seien für den Staatshaushalt eine untragbare Belastung geworden. Noch seien die Inflationsraten beiderseits des Atlantiks niedrig, und es werde auch weitgehend kein Anstieg befürchtet. Doch ein unerwarteter und plötzlicher Anstieg könne auch nicht ausgeschlossen werden. Im Gegenteil, Geld- und Fiskalpolitik seien auf eine plötzliche Erhöhung direkt ausgelegt.
In der ganzen Welt würden die Zentralbanken einen Teil ihrer Währungsreserven in der Form von Gold halten. Es solle ihnen helfen, die heimische Währung und Volkswirtschaft gegen die Unwägbarkeiten der Devisenmärkte abzusichern.
Seit Anfang der siebziger Jahre (Ende von Bretton Woods) hätten die Zentralbanken noch nie so viel Gold gekauft wie in 2018. Der World Gold Council (WGC) schätze die Käufe auf netto 651,5 t (+74% ggü. 2017). Seit Anfang 2019 würden die Käufe anhalten. Mit den kontinuierlichen Zukäufen der Zentralbanken stelle sich die Frage: Würden sie sich bereits auf eine Änderung der Rolle des Goldes im Weltwährungssystem vorbereiten?
China und Russland hätten in den letzten Quartalen den Goldbestand in ihren Währungsreserven erheblich aufgestockt. Im Frühjahr 2015 hätten China erst 1.054 t und Russland 1.208 t gehalten. Jetzt habe China offiziell 1.864 t, Russland immerhin 2.149 t. Im Monat Februar habe die Bank of Russia 1 Million Feinunzen oder 31,1 t hinzugekauft. Sie sei damit unter den Zentralbanken an die fünfte Stelle vorgerückt.
Gold werde besser als eine Währung betrachtet. Das Edelmetall verkörpere einen universell anerkannten Wert. Eine Reform des Weltwährungssystems mit einem gebührenden Anteil Gold könne aber noch Jahre dauern. Die Währungen der absurd hoch verschuldeten USA und der zerstrittenen Eurozone seien für ein Investment keine ernst zu nehmenden Alternative zum Gold. (Ausgabe vom 31.03.2019) (01.04.2019/alc/a/a)


