Erweiterte Funktionen
Folgt als nächstes eine Euro-Krise?
24.06.22 17:05
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Drei der weltweit wichtigsten Notenbanken (FED, BoE, SNB) haben in der letzten Woche ihre Leitzinsen erhöht und gezeigt, dass sie die Wende in ihrer Geldpolitik eingeleitet bzw. fortgesetzt haben, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Jetzt richte sich der Fokus der Finanzmärkte auf die EZB. Auch hier werde eine Wende erwartet, doch würden es kleine und zögerliche Zinserhöhungen werden oder gleich ein großer Schritt? Auch in der Eurozone liege die Inflationsrate wie in den USA bei rund 8%.
Die Renditeentwicklung bei den 10-jährigen Regierungsanleihen folge in der Eurozone der in den USA. Eine Abkoppelung sei auch in den letzten Jahren nicht erfolgt und könne aufgrund der Globalisierung der Finanzmärkte auch in nächster Zeit nicht erwartet werden. Ob allerdings der Abstand zwischen den beiden Kurven weiterhin 250 Basispunkte betragen werde, das bleibe offen.
Bei der Ausrichtung ihrer Geldpolitik müsse die EZB nicht nur auf die zu erwartenden Inflationsraten achten, ein weiterer Einflussfaktor sei sehr wichtig: der Wechselkurs des Euro, insbesondere zum US-Dollar. Wenn internationale Investoren aus dem Euro heraus in den USD investieren oder gar den Euro als Finanzierungswährung für den Erwerb von USD-Wertpapieren nutzen würden (carry trade), dann schwäche sich die Einheitswährung und die Renditen könnten auf die gleiche Höhe wie im USD-Raum steigen oder gar darüber. Das würde zwar dem Export nutzen, doch die Inflation in der Eurozone weiter anheizen. Schon jetzt nähere sich der Wechselkurs der Parität 1:1.
International drohe einer ganzen Reihe von Schwellen- und Entwicklungsländern besonders in Asien, Afrika und Südamerika mit hohen Dollar-Schulden die Zahlungsunfähigkeit. In der Eurozone belaste die Überschuldung in Griechenland seit 2010 den Wechselkurs. Die Haushaltsprobleme in der Südperipherie der Eurozone hätten mithilfe der ultraexpansiven Geldpolitik der EZB in den letzten 10 Jahren gemeistert werden können, doch jetzt drohe mit steigenden Leitzinsen wiederum die Gefahr, dass der Schuldendienst (Soll-Zinsen und fällig werdende Tilgungen) für einzelne Länder nicht mehr tragbar werde. Als Folge dessen sei der Renditeunterschied zwischen 10-jährigen italienischen und deutschen Staatsanleihen schon auf rund 200 Basispunkte gestiegen.
In der gesamten Eurozone betrage die Staatsverschuldung Ende 2021 97,7% des BIP. In den USA nähere sich die Staatsverschuldung der Marke von USD 30 Billionen (1 Billion = 1012) und habe Ende 2021 laut FED bei 123,6% des US-BIP gelegen. Immer lauter würden gegenwärtig die Forderungen nach öffentlichen Unterstützungsmaßnahmen zum Ausgleich der Inflation und zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben. In der Eurozone begrenze der Stabilitäts- und Wachstumspakt die Staatsverschuldung. Jetzt schlage die Europäische Kommission eine weitere Aussetzung der Begrenzung der Staatsverschuldung vor. Für die Stabilität der Staatsfinanzen sei das eine Horrornachricht. Es drohe eine erneute weltweite Konjunkturkrise.
Folgerung: In Zeiten hoher Inflation und steigender Geldmarktzinsen sei man mit Geldmarktanlagen trotz negativer Zinsen in realer Rechnung gut beraten. Am Rentenmarkt würden die Renditen steigen und die Kurse fallen. Am Aktienmarkt erhöhe sich das Risiko bei sinkenden Unternehmensgewinnen, ein Bärenmarkt habe begonnen. Erneuerbare Energien (wie z.B. Wasserstoff) würden mit Vorrang kaufenswert bleiben. Edelmetalle hätten trotz kurzfristig schwankender Preise langfristig gute Aussichten. (24.06.2022/alc/a/a)
Jetzt richte sich der Fokus der Finanzmärkte auf die EZB. Auch hier werde eine Wende erwartet, doch würden es kleine und zögerliche Zinserhöhungen werden oder gleich ein großer Schritt? Auch in der Eurozone liege die Inflationsrate wie in den USA bei rund 8%.
Die Renditeentwicklung bei den 10-jährigen Regierungsanleihen folge in der Eurozone der in den USA. Eine Abkoppelung sei auch in den letzten Jahren nicht erfolgt und könne aufgrund der Globalisierung der Finanzmärkte auch in nächster Zeit nicht erwartet werden. Ob allerdings der Abstand zwischen den beiden Kurven weiterhin 250 Basispunkte betragen werde, das bleibe offen.
International drohe einer ganzen Reihe von Schwellen- und Entwicklungsländern besonders in Asien, Afrika und Südamerika mit hohen Dollar-Schulden die Zahlungsunfähigkeit. In der Eurozone belaste die Überschuldung in Griechenland seit 2010 den Wechselkurs. Die Haushaltsprobleme in der Südperipherie der Eurozone hätten mithilfe der ultraexpansiven Geldpolitik der EZB in den letzten 10 Jahren gemeistert werden können, doch jetzt drohe mit steigenden Leitzinsen wiederum die Gefahr, dass der Schuldendienst (Soll-Zinsen und fällig werdende Tilgungen) für einzelne Länder nicht mehr tragbar werde. Als Folge dessen sei der Renditeunterschied zwischen 10-jährigen italienischen und deutschen Staatsanleihen schon auf rund 200 Basispunkte gestiegen.
In der gesamten Eurozone betrage die Staatsverschuldung Ende 2021 97,7% des BIP. In den USA nähere sich die Staatsverschuldung der Marke von USD 30 Billionen (1 Billion = 1012) und habe Ende 2021 laut FED bei 123,6% des US-BIP gelegen. Immer lauter würden gegenwärtig die Forderungen nach öffentlichen Unterstützungsmaßnahmen zum Ausgleich der Inflation und zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben. In der Eurozone begrenze der Stabilitäts- und Wachstumspakt die Staatsverschuldung. Jetzt schlage die Europäische Kommission eine weitere Aussetzung der Begrenzung der Staatsverschuldung vor. Für die Stabilität der Staatsfinanzen sei das eine Horrornachricht. Es drohe eine erneute weltweite Konjunkturkrise.
Folgerung: In Zeiten hoher Inflation und steigender Geldmarktzinsen sei man mit Geldmarktanlagen trotz negativer Zinsen in realer Rechnung gut beraten. Am Rentenmarkt würden die Renditen steigen und die Kurse fallen. Am Aktienmarkt erhöhe sich das Risiko bei sinkenden Unternehmensgewinnen, ein Bärenmarkt habe begonnen. Erneuerbare Energien (wie z.B. Wasserstoff) würden mit Vorrang kaufenswert bleiben. Edelmetalle hätten trotz kurzfristig schwankender Preise langfristig gute Aussichten. (24.06.2022/alc/a/a)


