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Fortgesetztes QE lenkt massiv Mittel in die Finanzmärkte


20.01.20 12:15
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das neue Jahrzehnt ist erst wenige Wochen alt und mahnt schon vor einer Fortsetzung der absurden Geldpolitik, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Die wichtigsten Zentralbanken würden ihre quantitativen Lockerungen (QE) fortsetzen, Wertpapiere an den Finanzmärkten kaufen und durch Nullzinspolitik (ZIRP, NIRP) in massivem Maße Liquidität in immer riskantere Anlagen lenken. So seien die Kurse an den Aktien- und Rentenmärkten auf historische Höchststände geklettert, die Immobilienpreise ganz allgemein explodiert, der Goldpreis in Euro gemessen auf einem Allzeithoch. Doch die von Ökonomen erwarteten Anregungen in der Realwirtschaft seien - bisher zumindest - ausgeblieben.

In den USA würden die Konjunkturfrühindikatoren und der Index der Industrieproduktion nicht die geringste Trendwende hin zu einer Besserung zeigen. In China sei die BIP-Wachstumsrate auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren. Auf die Eurozone, die Europäische Union und Großbritannien kämen die Folgen des Brexit erst noch zu. Deutschland als wichtiger Exporteur der Weltwirtschaft leide besonders unter den amerikanisch/chinesischen Handelskonflikten. Wie würden diese Aussichten zu den Höchstständen an den Aktienmärkten passen?

Die Industrieproduktion sinke, während der S&P Aktienindex auf ein immer höheres Niveau steige. Das Wachstum des Welthandels sei in 2019 zum ersten Mal seit 2009 negativ ausgefallen.

Und es bahne sich eine weitere Belastung für die Weltwirtschaft an: Die globale Verschuldung. Das erreichte Niveau schwebe wie ein Damoklesschwert auf der weiteren Entwicklung. Das Institute for International Finance schätze, dass sie im 1. Halbjahr 2019 um USD 7,5 Billionen (1 Billion = 1012) auf USD 251 Billionen gestiegen sei und jetzt die Quote von 320% des Welt-BIP erreicht habe. Es sei nicht in erster Linie auf die ultra-expansive Geldpolitik zurückzuführen, aber die Debitoren seien durch die Nullzinspolitik dazu verleitet worden, den vermeintlich einfacheren Weg aus der Krise zu suchen, nämlich höhere Schulden aufzunehmen. Für einen Finanzminister sei es ungleich einfacher, eine neue Staatsanleihe aufzulegen als im Parlament Steuererhöhungen oder Ausgabensenkungen durchzusetzen. Die Weltbank warne davor, dass die globale Verschuldung die Weltwirtschaft in eine neue Finanzkrise stürzen könnte. Der IWF zähle 32 "hoch verschuldete" Länder auf mit langfristig untragbarer Verschuldung, die sich in den letzten zwei Jahren mehr als verdreifacht hätten.

Die Kurse an vielen Aktien- und Rentenmärkten seien auf oder nahezu auf Allzeithoch. Dies liege nicht an glänzenden Aussichten für Konjunktur und Unternehmensgewinne, sondern an der ultra-expansiven Geldpolitik der meisten Notenbanken bei gleichzeitig extrem hoher Verschuldung aller Sektoren. Die Schere zwischen beiden Kriterien klaffe immer weiter auseinander. Mit einer stärkeren Korrektur müsse an den Märkten gerechnet werden. (Ausgabe vom 19.01.2020) (20.01.2020/alc/a/a)