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Französische Mittelständler setzen auf Privatplatzierungen


22.08.14 17:12
Scope Ratings

Berlin (www.anleihencheck.de) - In Frankreich hat sich das Emissionsvolumen von börsengelisteten Mittelstandsanleihen von 2012 auf 2013 zwar verdoppelt. Trotz dieses Wachstums ist das gesamte Emissionsvolumen deutlich geringer als im deutschen Mittelstandsanleihenmarkt, so die Experten von Scope Ratings.

Im französischen Markt für börsengelistete Anleihen mittelständischer Emittenten (NYSE Alternext Paris) registriere Scope Ratings seit 2009 insgesamt 14 Emissionen. Bezogen auf die Anzahl der Emissionen entspreche das nur rund einem Zehntel des deutschen Marktes für börsengelistete Mittelstandsanleihen.

Der Unterschied zwischen dem deutschen und französischen Markt vergrößere sich, wenn man die emittierten Volumina betrachte: Während in Deutschland bislang ein Anleihevolumen in Höhe von rund sieben Mrd. Euro emittiert worden sei, würden sich die 14 französischen Emissionen auf lediglich 175 Mio. Euro summieren.

Der Markt für französische Mittelstandsanleihen habe sich in den vergangenen Jahren nicht so rasant entwickelt wie in Deutschland. Die Entwicklung sei in Frankreich unter anderem durch nachteilige steuerliche Aspekte und durch die vergleichsweise hohen Kosten für Anleiheemissionen gehemmt worden.

Darüber hinaus würden Privatplatzierungen in Frankreich eine wesentlich bedeutendere Rolle für die Finanzierung kleinerer und mittlerer Unternehmen einnehmen. Allein in den vergangenen 18 Monaten habe Scope Ratings mehr als 70 Privatplatzierungen mit einem gesamten Volumen von 7,1 Mrd. Euro beobachtet.

Scope Ratings erwarte, dass im Vergleich mit dem deutschen der französische Markt für öffentlich gelistete Anleihen mittelständischer Emittenten auf absehbare Zeit weiterhin ein deutlich geringeres Volumen aufweisen werde.

Die Risikoaufschläge für gelistete französische Anleihen würden sich im Wesentlichen in einer Bandbreite zwischen 3,5% und 8% bewegen - im Durchschnitt rund 5,5%. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Risikoaufschlag zum Emissionszeitpunkt bei deutschen Mittelstandsanleihen liege mit 7% signifikant höher. Trotz des höheren Länderrisikos seien die Risikoaufschläge in Frankreich im Durchschnitt also geringer.

Ein Grund dafür sei die Sektorenzusammensetzung: Mehr als die Hälfte des in Frankreichs begebenen Anleihevolumens stamme von Immobilienunternehmen. Zum Vergleich: In Deutschland liege der Anteil von Immobilienunternehmen am gesamten Emissionsvolumen sämtlicher Mittelstandsanleihen - trotz steigender Tendenz - unter 20%.

Immobilienunternehmen würden im Vergleich mit Unternehmen aus anderen Sektoren in der Tendenz niedrigere Risikoprofile aufweisen, da sie häufig über umfangreiche Vermögensposten in Form von Immobilienbeständen verfügen würden. Die zu erwartende Erlösquote im Insolvenzfall (Recovery Rate) sei bei Immobilienunternehmen daher häufig vergleichsweise hoch. Darüber hinaus würden zahlreiche Emittenten ihre Anleihe auch direkt mit Immobilien besichern und damit das Risikoprofil senken - und somit auch und den Risikoaufschlag - der Anleihe.

In Frankreich würden Anleihen nur geringen Anteil an der Bilanz ausmachen. Weitere Unterschiede zwischen dem deutschem und französischen Markt: Das durchschnittliche Anleihevolumen in Frankreich betrage lediglich 12,5 Mio. Euro. Im deutschen Mittelstandssegment seien es 48 Mio. Euro.

Der Anteil, den die Anleihen französischer Emittenten an den Bilanzen ausmachen würden, betrage nur 5%. Zum Vergleich: Die Anleihen deutscher Mittelstandsemittenten würden im Durchschnitt 25% der Bilanz entsprechen. Das heiße: Die Finanzierungsstruktur französischer Emittenten sei deutlich weniger abhängig von der begebenen Anleihe.

Scope Ratings habe im französischen Markt bislang 5 Ratings für öffentlich gelistete Anleihen und darüber hinaus 5 Ratings für Private Placements mittelständischer Emittenten erstellt. (Ausgabe August 2014) (22.08.2014/alc/a/a)