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Frontier Market Debt-Anleihen: In die nächste Generation der Emerging Markets investieren


27.11.14 14:36
ING Investment Management

Den Haag (www.anleihencheck.de) - Anlegern, die in Anleihen von Grenzmärkten - den so genannten Frontier Markets - investieren, bietet sich ein EMD-Segment, das im Hinblick auf Volumen und Emittentenzahl ständig wächst, so Marco Ruijer, Lead Portfolio Manager von ING Investment Management im aktuellen "Spotlight".

Dieser Markt sei unterinvestiert und kaum erforscht. Das bedeute: Kräftige Risikoaufschläge und hervorragende Alpha-Chancen. Als wahrer Pionier im EMD-Segment habe ING Investment Management im Dezember 2013 einen Frontier Market Debt Fonds aufgelegt. Frontier Markets seien die nächste Generation der Emerging Markets (EM). Voraussichtlich würden sich die Volkswirtschaften und Kapitalmärkte dieser Länder so entwickeln, wie die Emerging Markets in den letzten Jahrzehnten. Dieses "Spotlight" skizziere die Entwicklung seit Januar 2014.

Zwar sollten die EM auch in den nächsten Jahren noch eine gute Performance liefern, doch würden die immensen Zuwachsraten der letzten Jahrzehnte wohl kaum zu erreichen sein. Die EM seien sowohl größenmäßig als auch im Hinblick auf ihr Wachstumstempo in eine neue Phase eingetreten. Größere politische Stabilität, Infrastrukturverbesserungen, finanzielle Vertiefung und rapide Ausweitung des Handels hätten die aufstrebenden Volkswirtschaften in ihrer Substanz dramatisch verändert. Doch mit zunehmender Entwicklung der EMs seien die Risikoprämien deutlich gesunken und damit auch die Renditen von EM-Investments.

Insofern würden sich die Frontier Markets als eine relativ neue Chance anbieten, denn diese Märkte würden heute viele Merkmale aufweisen, die auch den Schwellenmärkten eigen gewesen seien, als sie 1988 erstmals als Anlagegruppe wahrgenommen worden seien. Die meisten von ihnen befänden sich noch in einem sehr frühen Stadium der wirtschaftlichen, politischen, finanziellen, institutionellen und kommerziellen Entwicklung und würden deshalb langfristig attraktive Aussichten bieten.

Hier gehe es in erster Linie um Aufholen und Konvergenz. Das Wirtschaftswachstum an den Frontier Markets stütze sich auf eine günstige demografische Entwicklung und steigende Produktivität, während ausländische Direktinvestitionen, ein leistungsfähigerer institutioneller Rahmen sowie ein überschaubares Schuldenniveau ebenfalls wachstumsfördernd wirken würden. Mit zunehmendem Anlegerinteresse dürften sich Breite und Tiefe der Frontier Markets weiter den Niveaus der Schwellenmärkte annähern.

Und dennoch seien Investments an Frontier Markets risikoreicher als Anlagen in entwickelten oder aufstrebenden Märkten. Viele Grenzmärkte hätten in den vergangenen Jahrzehnten mit politischer und wirtschaftlicher Instabilität zu kämpfen gehabt. Definitionsgemäß mangele es Frontier Markets an vielen Institutionen, die in entwickelten bzw. stabileren Volkswirtschaften selbstverständlich seien. Doch das habe vor nur wenigen Jahrzehnten auch gegen die aktuellen EM gesprochen. Viele Frontier Markets könnten potenziell eine ähnliche Richtung einschlagen und in den kommenden Jahrzehnten rascher wachsen als der Rest der Welt.

Wenn die Entwicklung, welche die Schwellenländer im letzten Vierteljahrhundert erlebt hätten, auch nur annähernd als Richtschnur gelten könne, dann seien Anleger gut beraten, sich den Frontier Markets eingehend zu widmen.

Man solle sich die wichtigsten Wachstumstreiber einmal genauer anschauen. Zunächst einmal sei das relativ hohe Wirtschaftswachstum zu nennen - 23 der 25 in den vergangenen zehn Jahren am schnellsten gewachsenen Volkswirtschaften würden in diese Kategorie fallen. Der Wachstumsausblick sehe mittelfristig recht gut aus, langfristig sogar sehr gut. Der Internationale Währungsfonds (IWF) gehe davon aus, dass sich ihr Wirtschaftswachstum (BIP) 2014 auf 3,6% erhöhe und in den nächsten Jahren schrittweise weiter bis auf über 4% steige.

Unter ihnen sollten insbesondere die afrikanischen und südasiatischen Volkswirtschaften weiter höhere Wachstumsraten erreichen als vergleichbare Märkte. Der IWF prognostiziere für diese Länder eine Zuwachsrate von 6% bis 7% in den nächsten fünf Jahren. Die Wachstumslücke werde sich zwischen Grenz- und aufstrebenden Märkten voraussichtlich ausweiten.

Ein Großteil der Weltbevölkerung lebe in Frontier Markets: Während nur 4% der weltweiten Wirtschaftsleistung auf diese Märkte entfallen würden, würden sie 12% der Weltbevölkerung ausmachen. Hinzu komme eine kräftige Zuwachsrate. Bevölkerungswachstum sei gleich bedeutend mit mehr Konsumenten für Waren und Dienstleistungen, zunehmender Beschäftigtenzahl, höheren Ersparnissen, usw. Länder mit hohem Bevölkerungswachstum würden daher ein höheres Wachstumspotenzial auf als Länder mit stagnierenden oder sinkenden Zuwachsraten weisen. Ferner komme den Frontier Markets ihre im Vergleich zu aufstrebenden und entwickelten Märkten relativ junge Bevölkerung zugute. Im Ergebnis dürfte dies zu einer Ausweitung des Bevölkerungsanteils im erwerbsfähigen Alter führen.

Die Arbeitsproduktivität sei an Grenzmärkten im Schnitt sehr viel geringer als an den entwickelten bzw. aufstrebenden Märkten, insofern gebe es reichlich Spielraum für Verbesserungen. Eine geringere Arbeitsproduktivität bedeute auch, dass an vielen Grenzmärkten die Löhne weit unter EM-Niveau lägen.

Ein stärkeres potenzielles Wirtschaftswachstum, eine günstige demografische Entwicklung und das umfassende Potenzial für Produktivitätssteigerungen ziehe Kapital in Form von ausländischen Direktinvestitionen aus den Industrie- und Schwellenländern an. Dies werde durch Medienberichte über Unternehmensinvestitionen in Afrika und anderen Frontier Markets bestätigt, wie das Beispiel der Chinesen zeige, die seit Jahren insbesondere in das Rohstoff- und Infrastrukturgeschäft in Afrika investieren würden.

Seit der letzten Finanzkrise haben die Industrieländer mit hohen und steigenden Schuldenständen zu kämpfen, während die Staatsschulden in den Schwellen- und Frontier Markets als deutlich leichter zu bewältigen erscheinen, so die Experten von ING Investment Management. Der Verschuldungsgrad bei Frontier Markets liege bei 18% des BIP, wohingegen er in den Schwellenländern 29% und in den G7-Staaten 117% betrage.

Dank ihrer vergleichsweise schuldenfreien Bilanzen und des überdurchschnittlichen BIP-Wachstums könnten sich die Frontier Markets durchaus Haushaltsdefizite leisten, um künftiges Wachstum zu finanzieren. Erwartungsgemäß seien die privaten Schuldenquoten an den Frontier und Emerging Markets allgemein niedriger als in den Industrieländern. Doch im Zuge ihres Wachstums werde zweifelsohne auch die Verschuldung zunehmen. Solange diese Quoten indes moderat steigen würden, dürfte das kein Problem sein. (27.11.2014/alc/a/a)