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Geld- und Fiskalpolitik: Konjunkturstimulierung in der Sackgasse


26.09.14 09:38
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Geld- und Fiskalpolitik sind mit ihren Möglichkeiten zur Konjunkturstimulierung am Ende, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Alle Mittel seien ausgeschöpft. Bundesfinanzminister Schäuble bezeichne die Situation mit den Worten "Regierungen und Notenbanken haben ihr Pulver weitgehend verschossen". Noch weitere Geldspritzen oder noch höhere Staatsverschuldung würden vermutlich mehr Schaden verursachen als sie Nutzen stiften würden.

Die Erfolge, die in den Industrieländern mit den umfangreichsten Stimulierungsprogrammen aller Zeiten erreicht worden seien, seien enttäuschend und würden zu wünschen übrig lassen. An der Wirtschaftsflaute habe sich im Großen und Ganzen weltweit nichts geändert. Die Forschungsinstitute hätten ihre Wachstumsprognosen für 2014/2015 in den letzten Wochen für viele Länder nach unten revidiert. Die BIP-Erholungsansätze erscheinen in Anbetracht der eingesetzten Mittel nicht mehr als ein Strohfeuer, so die Experten von "fairesearch". Am enttäuschendsten seien nach wie vor die Arbeitsmärkte.

Weder in den USA, noch in der Eurozone oder der EU, noch in Japan mangele es an Liquidität. Die kurzen und langen Zinsen seien bereits auf historischem Tiefstand und würden beginnen kontraproduktiv zu wirken. Quantitative Lockerungen zur Finanzierung der Staatsdefizite einzusetzen, ist ein umstrittenes und im gegenwärtigen Ausmaß langfristig für die Stabilität unseres Finanzsystems gefährliches Mittel, so die Experten von "fairesearch". Die erreichte Höhe der Staatsverschuldung sprenge in allen Ländern langfristig tragbare Obergrenzen und könne kein nachhaltiges Wachstum fördern. Mit so umfangreichen Schulden kommende Generationen zu belasten, sei unverantwortlich. Bei einem erneuten Zinsanstieg werde der Schuldendienst dann jeden selbst tragenden Aufschwung abbremsen.

Die Geldpolitik der letzten Quartale habe bei vielen Politikern eine Abnahme des Reformwillens verursacht. Reformen seien unpopulär und schwierig, da verlasse man sich lieber auf die Notenbank. Doch allmählich wecke die enttäuschende Konjunkturentwicklung die Suche nach zusätzlichen Möglichkeiten. Sie würden sich gegenwärtig auf die Förderung des Außenhandels konzentrieren. Protektionistische Maßnahmen, Sanktionen und ein Abwertungswettlauf (z.B. EUR, JPY) seien sichtbare Auswirkungen. So werde z.B. der EUR gegenüber dem USD heruntergeredet, obwohl die Eurozone einen Überschuss und die USA ein Defizit in der Leistungsbilanz aufweisen würden. Die Zinsdifferenzen würden eher eine untergeordnete Rolle spielen. Inzwischen sei die überwiegende Mehrheit der Spekulanten im USD schon wieder long.

Die Annahme, die Notenbanken könnten mit ihrer Geldpolitik und die Regierungen mit ihrer Finanzpolitik allein einen neuen, sich selbst tragenden Aufschwung einleiten, sei falsch gewesen. Jetzt würden an den Finanzmärkten neue Belastungen drohen. (Ausgabe vom 25.09.2014) (26.09.2014/alc/a/a)