Erweiterte Funktionen

Geldmarkt: "Rückkehr zur Normalität" wird ein sehr steiniger Weg


01.12.15 12:12
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Eine Erhöhung der FED Funds Rate und eine QE Ausweitung durch die EZB im Dezember gilt an den Finanzmärkten inzwischen als ausgemachte Sache, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Trotz widersprüchlicher Konjunktursignale in den USA habe sich Jannet Yellen zu einem ersten Schritt schon so gut wie festgelegt. Und Mario Draghi habe schon so oft die Erforderlichkeit einer Ausweitung von QE betont, dass ein Ausbleiben von den Märkten als Enttäuschung empfunden würde. Beide Schritte seien in den Kursen schon antizipiert, aber welche Maßnahmen werde die Geldpolitik danach im neuen Jahr auf beiden Seiten des Atlantiks beschließen?

Im Gegensatz zu früheren Zinszyklen würden die Märkte diesmal von einem flachen und langsamen Zinsanstieg ausgehen. Für das Gesamtjahr 2015 werde ein BIP-Wachstum von 2,5% und für 2016 von 2,9% erwartet. 2016 werde der US-Leitzins schätzungsweise um weitere 100 Basispunkte auf dann 1,50% erhöht werden. Dies werde dazu beitragen, dass die Renditen am US-Rentenmarkt deutlich ansteigen würden. Die Renditen der 10-jährigen Treasuries würden von derzeit 2,23% auf dann 3% klettern.

Auf etwas längere Sicht gesehen werde damit aber noch nicht die von Jannet Yellen angestrebte "Normalisierung der Zinsstruktur" erreicht. Vor Ausbruch der Krise in 2008 hätten die FED Funds Rate und die Treasuries auf etwas über 5% gelegen. Eine "normale" Zinsstruktur könnte bei Geldmarktzinsen von 2 bis 3% und 10-Jahresrenditen von 4 bis 5% liegen.

Die Schulden der US-Regierung hätten sich seit 1990 versechsfacht und würden doppelt so schnell wie das BIP wachsen. In % des BIP würden sie jetzt 101% betragen, der höchste Stand seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Bei diesem Tempo, mit dem die Staatsverschuldung steige, sei die Schätzung eines Schuldenstandes von USD 25 Billionen in 2025 schon vorsichtig. Auch das Congressional Budget Office (CBO) schätze, dass bis 2025 das Budgetdefizit wieder auf 3,8% des BIP und kumuliert um USD 7,2 Billionen auf USD 25 Billionen steige.

Bei einem angenommenen Durchschnittszinssatz von 4% bei einer annähernd "normalen Zinsstruktur" müssten dann USD 1 Billion Soll-Zinsen für das Staatsdefizit pro Jahr verbucht werden. Die Finanzpolitik werde handlungsunfähig. Es könne damit nur zur bescheidenen US-Zinserhöhungen durch die FED kommen. Andere denkbare Auswege wären kräftige Steuererhöhungen oder eine stärkere Abwertung des US-Dollar. Einfach nichts zu tun wäre kein Ausweg, denn es würde einen Inflationsschub auslösen. Die US-Geldpolitik stehe damit vor unlösbar erscheinenden Aufgaben.

Und die EZB? Noch mehr und noch länger QE? Die Renditen der Bunds seien schon negativ bis zu sechs Jahren Laufzeit. NIRP, ZIRP und QE hätten schwerwiegende Nachteile. Es laufe auf eine Enteignung der Sparer hinaus, wenn für Ersparnisse keine oder sogar negative Zinsen (nach Steuern und Gebühren) berechnet würden. Sparer sollten Güter und Leistungen kaufen, die sie nicht brauchen würden oder nicht wollten.

Gläubiger würden für das Schuldnerrisiko, das sie eingehen würden, nicht mehr belohnt. Anleger würden ermuntert, in immer riskanteren Investments eine Rendite zu suchen. Auf diese Weise entstünden nur Finanzblasen. Am schlimmsten aber sei, dass der Zins nicht mehr seine Funktion als Marktregulator ausübe. Staatsanleihen von besonders hoch verschuldeten Ländern wie den USA, Japan oder in Westeuropa würden keine Verzinsung bieten. Das verhindere jede Reform der Budgetpolitik.

Die Geldpolitik gehe einer schwierigen Zeit entgegen. Jetzt räche sich, dass die Notenbanken schon allzu lange einen ultra-expansiven Kurs verfolgen würden. Die "Rückkehr zur Normalität" werde ein sehr steiniger Weg. Das gehe nicht ohne Blessuren! (01.12.2015/alc/a/a)