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Geldmarkt: Die Wende in der Geldpolitik ist erreicht


02.07.19 11:15
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Ja, jetzt steht es fest. Die wichtigsten Zentralbanken haben eine Wende ihrer ultra-expansiven Geldpolitik angekündigt und wollen sie noch expansiver machen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Die FED strebe nicht mehr eine "normale" Geldpolitik an, die weder expansiv noch restriktiv auf die Konjunktur wirke und habe ihre Einschätzung für einen neutralen Zins auf 2,5% gesenkt. Die Märkte hätten bereits eine Senkung der FED Funds Rate um 1 bis 2 Schritte eingepreist. Die EZB wolle alle Hilfsmaßnahmen einsetzen, um der Konjunktur neue Impulse zu verleihen. Die Bank of Japan setze ihre Lockerungspolitik mit einem Zins von rund 0% weiter fort. Ebenso die Bank of England bis eine Entscheidung über den Brexit gefallen sei.

Die Antwort der internationalen Finanzmärkte sei eine Jubel-Hausse. Die Kurse an den Aktien- und Rentenmärkte würden steigen (S&P 500 Allzeithoch, Renditen der Bunds auf immer neuen Tiefs), der Goldpreis springe auf ein 6 Jahreshoch. Die Notenbanken würden für ihre "modern ausgerichtete" Geldpolitik überall gelobt. Endlich sei das "Allheilmittel" für die konjunkturellen Probleme mit Hilfe der Geldpolitik gefunden. Die Zukunft sehe aus wie das Schlaraffenland, überall inflationsloses Wachstum, steigende Gewinne, sinkende Arbeitslosigkeit, keine Belastungen für die Staatshaushalte.

Diese Stimmung fordere geradezu zu einigen kritischen Anmerkungen heraus. Wenn eine ultra-expansive Geldpolitik von 2008 bis 2018 nicht eine erneute Flaute der Weltkonjunktur habe verhindern können, wie solle das dann eine Verlängerung dieser Strategie bewirken? Wenn negative Zinsen von -0,30% in der Eurozone keine Besserung des konjunkturellen Umfeldes bewirkt hätten, wie könnten das dann negative Zinsen von -0,50% erreichen?

EZB-Präsident Draghi und FED-Chef Powell hätten sich in eine ausweglose Sackgasse manövriert. Die offiziell ausgewiesenen Inflationsraten seien sehr niedrig, aber seien sie nicht durch fragwürdige Berechnungsmethoden durch die Statistik verzerrt? Wie würden explodierende Mieten und Immobilienpreise zum Schlaraffenland passen? Um das Platzen der Spekulationsblase an den Aktien-, Renten- und Immobilienmärkten hinauszuzögern, müssten immer umfangreichere "Lockerungen" eingesetzt werden. Doch was folge dann am Ende?

Mit noch tieferen negativen Zinsen in der Eurozone würden die kontraproduktiven Kräfte eine weitere Verstärkung erhalten. Sparer würden noch etwas mehr enteignet. Rentenversicherungen und Pensionsfonds, die für ihre Rentenzahlungen dringend auf Einkünfte angewiesen seien, würden sich weiter der Zahlungsunfähigkeit nähern. Investoren, die weltweit eine einigermaßen rentable Investition suchen würden, würden in noch spekulativere Engagements gedrängt. Bei den Banken steige das Abschreibungspotenzial auf die Kreditvergabe. Im Unternehmensbereich steige die Anzahl der Zombie-Unternehmen wie im Jahr 2000 (Neuer Markt dot com).

Folgerung: Gold und andere Edelmetalle als strategische Position zum Vermögenserhalt bei Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten. Liquidität bleibe Trumpf. An den Devisenmärkten drohe eine Abwertung des US-Dollar. (Ausgabe vom 01.07.2019) (02.07.2019/alc/a/a)