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Geldpolitik der Notenbanken am Ende der Möglichkeiten
21.12.18 12:15
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das BIP-Wachstum der Weltwirtschaft schwächt sich ab, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Das gelte nicht nur für die Industrieländer, wie die USA, die Eurozone und Japan, sondern auch für bedeutende Schwellenländer, wie China. Eigentlich müssten die Finanzmärkte schon wieder über Lockerungen der Geld- und Fiskalpolitik nachdenken, doch die Möglichkeiten hierfür seien äußerst begrenzt. Diese Tatsache werde zum wichtigsten Einflussfaktor auf die Finanzmärkte in 2019.
Kaum habe der Präsident der amerikanischen Notenbank Jerome Powell am 28. November 2018 angekündigt, dass die FED Funds Rate mit 2,00 bis 2,25% schon recht nahe am Ziel einer "normalen" Rate sei ("just below neutral"), da hätten sich die Aktienmärkte mit einem kräftigen Kursaufschwung gefreut als sei damit schon die erste Senkung in Sicht. Doch schon am nächsten Tag sei die Ernüchterung mit entsprechenden Abschlägen gefolgt. Die Konsumentenpreise würden im OECD Durchschnitt mit jährlich 3,1% steigen (USA 2,2%, China und Deutschland jeweils um 2,5%) und jede Lockerung der Geldpolitik verhindern. Die EZB halte ihre Leitzinsen noch immer bei 0%. Die Verschuldung habe in China 300% des BIP erreicht. In den USA liege die Verschuldung des Staates auf Rekord bei USD 21,4 Billionen, die Neuverschuldung erreiche in 2019 rund 5% des BIP. In der Eurozone verharre die staatliche Verschuldung mit rund 90% weit über dem Maastrichter Stabilitätsziel von 60%. Die Geld- und Fiskalpolitik habe ihr Pulver verschossen.
Die Konjunktur- und Teuerungsdaten hätten die FED veranlasst, am 19.12.2018 noch eine weitere Erhöhung der US-Leitzinsen um 25 Basispunkte (Bp) auf 2,25 bis 2,50% zu beschließen. Im nächsten Jahr seien noch zwei weitere Schritte möglich (im März und Juni?), die die Leitzinsen an die 3% Marke bringen würden.
Die QE-Programme seien in den USA bereits eingestellt, die EZB beende ihre Aufkäufe Ende des Monats. Doch die aufgeblähten Bilanzen der Notenbanken müssten noch abgebaut werden, der "Aderlass" gehe damit weiter. Liquidität, der eigentlichen Börsenmotor, werde den Finanzmärkten Monat für Monat entzogen. Weniger Liquidität durch die Notenbanken bedeute auch geringere Nachfrage nach Wertpapieren. Ein Entzug von Liquidität dürfte den Finanzmärkten Mittel entziehen. Was aber solle dann einen neuen, breit angelegten Bullenmarkt finanzieren?
Historische Vergleiche würden zeigen, dass bei einem längerfristigen Gleichgewicht zwischen der FED Funds Rate und den 10-jährigen Treasuries rund 200 Basispunkte als Spread anzusetzen seien. Ende 2019 könnten die Renditen dieser Treasuries bei rund 5% liegen. Gegenwärtig würden sie mit 2,86% deutlich darunter rentieren. An der Wall Street werde aus dieser Strukturkurve bereits auf einen inversen Verlauf und eine bevorstehende Rezession geschlossen. Könnten die Notenbanken diese Zwickmühle zwischen Inflations- und Rezessionsrisiken umgehen, indem sie nach dem Muster von 2008 einfach die Märkte wieder mit neuer Liquidität überschwemmen würden? Schon jetzt würden Kapazitätsengpässe in vielen Sektoren zeigen, dass die Inflationsrisiken zu spät erkannt worden seien. Neue "unkonventionelle Maßnahmen" wirken dann wie Öl ins Feuer gießen und würden die Konjunkturgefahren nur erhöhen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch". Das gleiche gelte bei Aufgabe einer stabilitätsorientierten Fiskalpolitik.
Folgerung: Die globale Verschuldung habe inzwischen ein derartiges Niveau erreicht, dass der Schuldendienst (Soll-Zinsen plus Tilgungen) kontraproduktive Auswirkungen für den Konjunkturverlauf annehme. Die Verschuldung sei jetzt sogar signifikant höher als diejenige von 2008, die die Weltwirtschaft in eine schwere Krise gestürzt habe. Die Notenbanken seien am Ende ihrer Möglichkeiten, Konjunktur- und Inflationsrisiken zu bekämpfen. Die Geldpolitik sei meist noch immer viel zu expansiv. Festverzinsliche Wertpapiere mit längeren Laufzeiten seien keine Anlagealternativen. Negative Effekte für die Aktienmärkte seien wahrscheinlich, zumal die Unternehmensgewinne bei steigender Teuerung im Trend sinken dürften. Edelmetalle würden sich zur Depotergänzung eignen. (Ausgabe vom 20.12.2018) (21.12.2018/alc/a/a)
Das gelte nicht nur für die Industrieländer, wie die USA, die Eurozone und Japan, sondern auch für bedeutende Schwellenländer, wie China. Eigentlich müssten die Finanzmärkte schon wieder über Lockerungen der Geld- und Fiskalpolitik nachdenken, doch die Möglichkeiten hierfür seien äußerst begrenzt. Diese Tatsache werde zum wichtigsten Einflussfaktor auf die Finanzmärkte in 2019.
Kaum habe der Präsident der amerikanischen Notenbank Jerome Powell am 28. November 2018 angekündigt, dass die FED Funds Rate mit 2,00 bis 2,25% schon recht nahe am Ziel einer "normalen" Rate sei ("just below neutral"), da hätten sich die Aktienmärkte mit einem kräftigen Kursaufschwung gefreut als sei damit schon die erste Senkung in Sicht. Doch schon am nächsten Tag sei die Ernüchterung mit entsprechenden Abschlägen gefolgt. Die Konsumentenpreise würden im OECD Durchschnitt mit jährlich 3,1% steigen (USA 2,2%, China und Deutschland jeweils um 2,5%) und jede Lockerung der Geldpolitik verhindern. Die EZB halte ihre Leitzinsen noch immer bei 0%. Die Verschuldung habe in China 300% des BIP erreicht. In den USA liege die Verschuldung des Staates auf Rekord bei USD 21,4 Billionen, die Neuverschuldung erreiche in 2019 rund 5% des BIP. In der Eurozone verharre die staatliche Verschuldung mit rund 90% weit über dem Maastrichter Stabilitätsziel von 60%. Die Geld- und Fiskalpolitik habe ihr Pulver verschossen.
Die QE-Programme seien in den USA bereits eingestellt, die EZB beende ihre Aufkäufe Ende des Monats. Doch die aufgeblähten Bilanzen der Notenbanken müssten noch abgebaut werden, der "Aderlass" gehe damit weiter. Liquidität, der eigentlichen Börsenmotor, werde den Finanzmärkten Monat für Monat entzogen. Weniger Liquidität durch die Notenbanken bedeute auch geringere Nachfrage nach Wertpapieren. Ein Entzug von Liquidität dürfte den Finanzmärkten Mittel entziehen. Was aber solle dann einen neuen, breit angelegten Bullenmarkt finanzieren?
Historische Vergleiche würden zeigen, dass bei einem längerfristigen Gleichgewicht zwischen der FED Funds Rate und den 10-jährigen Treasuries rund 200 Basispunkte als Spread anzusetzen seien. Ende 2019 könnten die Renditen dieser Treasuries bei rund 5% liegen. Gegenwärtig würden sie mit 2,86% deutlich darunter rentieren. An der Wall Street werde aus dieser Strukturkurve bereits auf einen inversen Verlauf und eine bevorstehende Rezession geschlossen. Könnten die Notenbanken diese Zwickmühle zwischen Inflations- und Rezessionsrisiken umgehen, indem sie nach dem Muster von 2008 einfach die Märkte wieder mit neuer Liquidität überschwemmen würden? Schon jetzt würden Kapazitätsengpässe in vielen Sektoren zeigen, dass die Inflationsrisiken zu spät erkannt worden seien. Neue "unkonventionelle Maßnahmen" wirken dann wie Öl ins Feuer gießen und würden die Konjunkturgefahren nur erhöhen, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch". Das gleiche gelte bei Aufgabe einer stabilitätsorientierten Fiskalpolitik.
Folgerung: Die globale Verschuldung habe inzwischen ein derartiges Niveau erreicht, dass der Schuldendienst (Soll-Zinsen plus Tilgungen) kontraproduktive Auswirkungen für den Konjunkturverlauf annehme. Die Verschuldung sei jetzt sogar signifikant höher als diejenige von 2008, die die Weltwirtschaft in eine schwere Krise gestürzt habe. Die Notenbanken seien am Ende ihrer Möglichkeiten, Konjunktur- und Inflationsrisiken zu bekämpfen. Die Geldpolitik sei meist noch immer viel zu expansiv. Festverzinsliche Wertpapiere mit längeren Laufzeiten seien keine Anlagealternativen. Negative Effekte für die Aktienmärkte seien wahrscheinlich, zumal die Unternehmensgewinne bei steigender Teuerung im Trend sinken dürften. Edelmetalle würden sich zur Depotergänzung eignen. (Ausgabe vom 20.12.2018) (21.12.2018/alc/a/a)


