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Die Geldpolitik der Zentralbanken ist immer noch viel zu expansiv
23.02.22 11:00
fairesearch
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wie die Aufstellung des IWF zeigt, ist die Geldpolitik der Zentralbanken in der ganzen Welt immer noch ultra-expansiv, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".
Die Leitzinsen unter Berücksichtigung der erwarteten Konsumentenpreissteigerungen seien auch im Januar negativ geblieben. Das dämpfe nicht die Inflation, sondern fördere sie sogar. Negative Realzinsen würden für die Ersparnisse nichts anderes als eine schleichende Enteignung der Sparer bedeuten.
Die Kaufkraft eines derzeitigen Dollars sei geringer als die vor einem Jahr. Eine Verschuldung lohne sich, da der Betrag bei Rückzahlung des Kredites nicht mehr die derzeitige Kaufkraft habe, also gewissermaßen billiger werde. Ein solches Verhalten steigere die Inflation.
Entsprechend steige die Verschuldung aller Sektoren auf einen neuen Rekordstand. Der Schuldenstand sei besonders beeindruckend bei den öffentlichen Finanzen. Durch die pandemiebedingte Konjunkturflaute seien die Steuereinnahmen gefallen, während die öffentlichen Ausgaben angestiegen seien. Geopolitische Ereignisse würden diesen Trend noch fördern. Forderungen nach einem ausgeglichenen Haushalt würden von den Regierungen nicht mehr ernst genommen. Für einen Finanzminister sei es viel leichter, im Parlament eine neue Staatsanleihe durchzusetzen als öffentliche Ausgaben zu kürzen.
Die Inflationsraten würden in der ganzen Welt stärker und nachhaltiger als von den Zentralbanken bisher erwartet steigen. Doch der Zeitpunkt nähere sich, an dem die Märkte eine Änderung der bisherigen Geldpolitik erzwingen würden. Die FED habe schon angekündigt, im März ihre bisherige Strategie zu überdenken. Die Finanzmärkte würden deshalb steigende US-Leitzinsen in diesem Jahr erwarten.
Die EZB habe bisher verlautet, an ihrer Geldpolitik unverändert festhalten zu wollen. Doch diese Einstellung könnte ebenfalls bald einer Revision unterzogen werden. Schon jetzt würden sich die Finanzmärkte auf ein Ende der quantitativen Lockerungen und auf einen ersten Zinserhöhungsschritt einstellen. Die Frage sei jetzt nicht mehr, ob oder wann genau die Leitzinsen erhöht würden, sondern wie weit diese steigen würden.
Gehe man von einer durchschnittlichen Teuerungsrate von 4% in einer fortgeschrittenen Volkswirtschaft aus, dann müssten die Geldmarktzinsen bei
mindestens 4% liegen, besser aber 2% höher als die Inflationsrate sein.
Zehnjährige Staatsanleihen müssten etwa zwei Prozentpunkte höher als die Geldmarktzinsen sein, damit sie für Sparer wieder einen Anreiz böten. Ein solcher Anstieg sei auf absehbare Zeit nicht möglich, denn dann würden in der Folgezeit wegen der Erhöhung des Schuldendienstes (Soll-Zinsen + Tilgungen) zahlreiche Staaten zahlungsunfähig werden. Eine Normalisierung der Zinsstruktur sei in weiter Ferne.
Erhöhungen der Leitzinsen und eine Einstellung der quantitativen Lockerungen seien sowohl in den USA als auch der Eurozone absehbar. Aber in realer Rechnung würden Geldmarktzinsen und Rentenrenditen weiterhin negativ bleiben. Am Rentenmarkt würden weitere Kursverluste drohen. Mittel am Geldmarkt zu parken sei zwar in realer Rechnung teuer, empfehle sich aber zur späteren Verwendung. Substanzhaltige Werte würden weiter interessant bleiben. (23.02.2022/alc/a/a)
Die Leitzinsen unter Berücksichtigung der erwarteten Konsumentenpreissteigerungen seien auch im Januar negativ geblieben. Das dämpfe nicht die Inflation, sondern fördere sie sogar. Negative Realzinsen würden für die Ersparnisse nichts anderes als eine schleichende Enteignung der Sparer bedeuten.
Die Kaufkraft eines derzeitigen Dollars sei geringer als die vor einem Jahr. Eine Verschuldung lohne sich, da der Betrag bei Rückzahlung des Kredites nicht mehr die derzeitige Kaufkraft habe, also gewissermaßen billiger werde. Ein solches Verhalten steigere die Inflation.
Entsprechend steige die Verschuldung aller Sektoren auf einen neuen Rekordstand. Der Schuldenstand sei besonders beeindruckend bei den öffentlichen Finanzen. Durch die pandemiebedingte Konjunkturflaute seien die Steuereinnahmen gefallen, während die öffentlichen Ausgaben angestiegen seien. Geopolitische Ereignisse würden diesen Trend noch fördern. Forderungen nach einem ausgeglichenen Haushalt würden von den Regierungen nicht mehr ernst genommen. Für einen Finanzminister sei es viel leichter, im Parlament eine neue Staatsanleihe durchzusetzen als öffentliche Ausgaben zu kürzen.
Die EZB habe bisher verlautet, an ihrer Geldpolitik unverändert festhalten zu wollen. Doch diese Einstellung könnte ebenfalls bald einer Revision unterzogen werden. Schon jetzt würden sich die Finanzmärkte auf ein Ende der quantitativen Lockerungen und auf einen ersten Zinserhöhungsschritt einstellen. Die Frage sei jetzt nicht mehr, ob oder wann genau die Leitzinsen erhöht würden, sondern wie weit diese steigen würden.
Gehe man von einer durchschnittlichen Teuerungsrate von 4% in einer fortgeschrittenen Volkswirtschaft aus, dann müssten die Geldmarktzinsen bei
mindestens 4% liegen, besser aber 2% höher als die Inflationsrate sein.
Zehnjährige Staatsanleihen müssten etwa zwei Prozentpunkte höher als die Geldmarktzinsen sein, damit sie für Sparer wieder einen Anreiz böten. Ein solcher Anstieg sei auf absehbare Zeit nicht möglich, denn dann würden in der Folgezeit wegen der Erhöhung des Schuldendienstes (Soll-Zinsen + Tilgungen) zahlreiche Staaten zahlungsunfähig werden. Eine Normalisierung der Zinsstruktur sei in weiter Ferne.
Erhöhungen der Leitzinsen und eine Einstellung der quantitativen Lockerungen seien sowohl in den USA als auch der Eurozone absehbar. Aber in realer Rechnung würden Geldmarktzinsen und Rentenrenditen weiterhin negativ bleiben. Am Rentenmarkt würden weitere Kursverluste drohen. Mittel am Geldmarkt zu parken sei zwar in realer Rechnung teuer, empfehle sich aber zur späteren Verwendung. Substanzhaltige Werte würden weiter interessant bleiben. (23.02.2022/alc/a/a)


