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Geldpolitik in einer Welt fortschreitenden Wachstums


18.12.17 11:18
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Weltwirtschaft wächst nach Meinung der OECD jetzt so kräftig wie seit 2010 nicht mehr, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Im Vergleich der Länder und Regionen sei eine zunehmende Synchronisation festzustellen. Der lang erwartete Aufschwung wirke sich positiv auf die Arbeitsmärkte aus mit einem moderaten Anstieg der Investitionen und einer Belebung des Welthandels. Das globale BIP werde in 2017 um 3,5% und in 2018 um 3,75% zunehmen. Die Inflation bleibe in den großen Volkswirtschaften niedrig, werde aber unter dem Einfluss höherer Rohstoffkosten allmählich von 1,9% auf 2,1% und 2,2% in 2017 bis 2019 zunehmen.

Der Aufschwung bleibe allerdings unter dem Durchschnitt früherer Erholungsphasen. Unsicher bestehe, inwiefern sich der Aufwärtstrend in 2019 fortsetze. Mögliche Produktivitätsgewinne würden begrenzt zu sein erscheinen. Die OECD prognostiziere ein BIP-Wachstum von 2017 bis 2019 für die USA von 2,2%, 2,5% und 2,1%. Die Eurozone werde veranschlagt mit 2,4%, 2,1% und 1,9%. Japan werde von der Organisation gesehen mit 1,5%, 1,2% und 1,0%. In China bahne sich auf hohem Niveau eine Beruhigung an von 6,8%, 6,6% und 6,4%. Die Entwicklungsländer würden wegen ihrer hohen Verschuldung verwundbar bleiben.

Doch wie werde sich bei diesem fundamentalen Hintergrund die monetäre Seite entwickeln? Die wichtigsten Zentralbanken der Welt hätten in den letzten Jahren eine ultra-expansive Geldpolitik verfolgt. Nullzinsen und quantitative Lockerungen würden aber ein nicht zu unterschätzendes Inflationspotenzial bergen. Deshalb bleibe eine Normalisierung der Zinsstrukturkurve jetzt oberstes Gebot. Wegen der unterschiedlichen Fundamentals werde auch der geldpolitische Kurs differenziert ausfallen. Ein wahrscheinliches Szenario hierfür basiere auf den OECD-Prognosen.

In den USA könnte die FED Funds Rate von gegenwärtig 1,25% bis 1,50% bis in den Bereich 2,75% bis 3,00% im Dezember 2019 in kleinen Schritten steigen. In Japan werde für die Overnight Rate ein unverändertes Niveau von -0,1% bis Ende 2019 angenommen. Für die Eurozone erwarte die OECD, dass die EZB die Refinanzierungsrate bei 0% und den Einlagenzinssatz bei -0,4% bis Ende 2019 belasse. In China dürfte die Geldpolitik neutral bleiben und erforderlichenfalls Restriktionen zur Sicherung der Finanzstabilität eingeführt werden. Mit Krediterleichterungen könnten kleine Unternehmen und die Landwirtschaft rechnen. Für Indien werde eine Senkung der Repo Rate von gegenwärtig 6% auf 5,75% Mitte 2018 angenommen und danach ein konstantes Niveau. Für Brasilien sei eine allmähliche Rückführung des Schlüsselsatzes von gegenwärtig 7,5% auf 7% Ende 2019 anzunehmen.

Bei einigen Zentralbanken stehe eine Rückführung der quantitativen Lockerungen bzw. der Wertpapierbestände in den Bilanzen an. In den USA habe die FED schon eine allmähliche Reduzierung der Bilanzbestände ab Oktober 2017 beschlossen. In Japan werde die BoJ ihre Wertpapierkäufe und die Renditenstruktur fortsetzen und die Zehn-Jahres Renditen bei 0% halten. Für die Eurozone werde die EZB ihre Wertpapierkäufe in 2018 allmählich zurückführen und die langfristigen Renditen bis Mitte 2018 konstant halten.

Das größte Risiko in den OECD Prognosen liege in einer Unterschätzung der Inflationsgefahren. Schon jetzt strahle die Teuerung von den Rohstoffpreisen bis auf das Niveau der Konsumenten. Durch die Geldschwemme habe sich eine hohe Überschussliquidität angehäuft, die nach den OECD Annahmen viel zu langsam abgebaut werden werde. Die Inflationsraten könnten daher viel schneller und höher wieder ansteigen. (18.12.2017/alc/a/a)