Erweiterte Funktionen

Geldpolitik steuert auch Krypto


20.06.24 12:41
21Shares AG

Zug (www.anleihencheck.de) - Welche Entwicklungen bewegten den Krypto-Markt der vergangenen Woche? Worauf sollten Krypto-Enthusiasten, -Anleger und -Besitzer aktuell achten? Das erläutert Adrian Fritz, Head of Research des Krypto-ETP-Emittenten 21Shares in einem kompakten Wochenüberblick.

Die Frage, ob und in welcher Form die Entwicklung des Kryptomarktes mit makroökonomischen Entwicklungen korreliere, stelle Analysten mitunter vor große Herausforderungen. Neben den Aspekten der technologischen Fortschritte und Regulierung von Krypto-Assets würden konjunkturbedingte und geldpolitische Entwicklungen zu den wesentlichen Faktoren für die Preisentwicklung von Krypto zählen. Dazu gehöre auch die Zinspolitik von Zentralbanken, die in den letzten Wochen besondere Aufmerksamkeit erregt habe, denn sie diene der Steuerung von Geldmenge und Wirtschaft.

Zum einen habe die National Bank of Canada am 5. Juni ihre Leitzinsen von 5 auf 4,75 Prozent gesenkt - als erste aller Zentralbanken der G7-Staaten. Ihr sei die EZB gefolgt, die am 6. Juni zum ersten Mal seit 2019 die Leitzinsen gesenkt habe, und das um 2,5 Prozent auf heute 4,25 Prozent. Doch auch die am 13. Juni verkündete Entscheidung US-Notenbank FED, ihre Leitzinsen nicht zu ändern und diese auf weiterhin hohen 5,25 bis 5,5 Prozent zu belassen, habe für Aufsehen gesorgt.

Zusammen mit den Leitzinsen sei auch die Inflation als wichtiger, korrelierender Faktor zu betrachten, denn die Banken würden ihre Leitzinsen regulieren, um den Geldwert zu kontrollieren und die Geldentwertung auf stabilen zwei Prozent zu halten. Zugleich wirke sich die Inflation in unterschiedlichem Ausmaß auf die Wertentwicklung von Krypto-Assets aus: Während einige Beobachter auf den Stellenwert von Bitcoin als knappes Asset zur langfristigen Absicherung gegen Inflation verweisen würden, sei demgegenüber der Stellenwert von Kryptos als eher risikobehaftete Anlageklasse zu berücksichtigen. Ähnlich wie Tech-Aktien würden diese dazu neigen, in Zeiten hoher Zinssätze weniger gut zu performen - denn in diesen Zeiten könnten Anleger auch mit sichereren Investitionen wie Staatsanleihen Renditen erzielen.

Diese Dynamik habe man an der Entwicklung von Bitcoin der letzten Wochen beobachten können: Nach den Leitzinssenkungen in Kanada und der EZB in Frankfurt am Main sei der Bitcoin gestiegen und habe am 6. Juni fast 72.000 Dollar erreicht - und sei kurz darauf wieder auf unter 70.000 abgesackt. Ein Grund dafür sei der einen Tag später, am 7. Juni, veröffentlichte Nonfarm Payrolls Report des US-Arbeitsministeriums gewesen. In diesem sei verkündet worden, dass die Zahl der außerhalb der Landwirtschaft beschäftigten Personen in den USA im Mai um 272.000 und damit deutlich über dem Durchschnitt gestiegen sei und auch die Löhne im vergangenen Monat Zuwächse erfahren hätten1. Da sich mit höherer Beschäftigung und gesteigerten Löhnen auch Konsum, Nachfrage und Kaufkraft erhöhen würden, werde auch sie als Zeichen fortschreitender Inflation gewertet. Möglicherweise sei dies der Grund, warum die FED in der Bestrebung, Preisstabilität zu erreichen, den Leitzins am 13. Juni zum siebten Mal in Folge unverändert gelassen habe - und damit eine gewisse Unsicherheit zeige. Die Reaktionen am Kryptomarkt dürften also weiterhin sensibel bleiben.

Darüber hinaus würden insbesondere nicht realisierte Verluste bei Hypothekendarlehen wegen höherer Zinsen den US-Bankensektor mittlerweile in Höhe von 517 Milliarden US-Dollar belasten. Historisch habe sich BTC während Bankenkrisen in der Regel gut behauptet und in den vergangenen Jahren sogar als Absicherung gegen den Ausfall von Gegenparteien gedient. Die disziplinierte Geldpolitik des Bitcoin-Netzwerks, seine unveränderliche Natur und Dezentralisierung, sei im Angesicht der großen Bankenkrise 2008 zum Gegenpol zur traditionellen Finanzwelt mit ihrer Fehleranfälligkeit geworden.

Eine mit Blick auf Bitcoin weitere interessante Wirtschaftskennzahl sei die der globalen Liquidität. Sie bezeichne die gesamte verfügbare Geldmenge auf den globalen Finanzmärkten, die für Investitionen, Kredite und andere wirtschaftliche Aktivitäten genutzt werden könne. Diese Liquidität habe seit etwa 2017 einen beständigen Anstieg sowie im letzten Monat einen weiteren Aufwärtsknick verzeichnet und liege nun auf einem neuen Rekordhoch von 94 Billionen US-Dollar. Bitcoin und Kryptos generell würden als Profiteur einer hohen Liquidität gelten, da sie Geld für Investitionen - auch eher risikobehaftete wie Aktien oder Kryptos - freisetze. Eine Senkung der globalen Leitzinsen würde das weltweit für Investitionen frei werdende Kapital durch billigere Kredite noch weiter höhen. (20.06.2024/alc/a/a)