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Globale Anleihenmärkte - Ausblick 2014


10.02.14 16:41
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Bevor wir den Blick darauf richten, was wir von den Anleihenmärkten 2014 erwarten können, lohnt es sich zu betrachten, wie sie sich 2013 entwickelten, so die Experten von Franklin Templeton.

In Lokalwährung hätten die so genannten "sichere Hafen" Anleihenmärkte USA, Deutschland und Großbritannien mit niedrigen, einstelligen Rückgängen geschlossen. Der Beginn des Ankaufprogramms der Bank of Japan (BoJ Anleihenankaufprogramm) habe dazu beigetragen, dass sich japanische Staatsanleihen entgegen dem Trend entwickelt und das Jahr mit leichten Zugewinnen abgeschlossen hätten. Wandle man die Erträge 2013 in US-Dollar um, hätten sich deutsche Bundesschatzbriefe aufgrund der Stärke des Euro in den positiven Bereich bewegt.

Japanische Staatsanleihen seien in die entgegengesetzte Richtung gelaufen. Sie hätten aufgrund der Schwäche des Yen zu Beginn und Ende des Jahres zweistellige Verluste verzeichnet. Aber ungeachtet der Währung hätten unter den Industrieländern Peripherieländer der Eurozone, wie Italien und Spanien, hervorragende Erträge erzielt. Sie hätten, in Euro ausgedrückt, hohe, einstellige Erträge geliefert und noch viel mehr in US-Dollar ausgedrückt.

Was könnte also 2014 anders werden? Nach Ansicht der Experten möglicherweise nicht viel. Manche Industrieländer würden zwar stärkeres Wachstum signalisieren, doch ihre jeweiligen fundamentalen Wachstums- und Verschuldungsmerkmale seien seit einiger Zeit unverändert. Laut jüngster Prognosen des Internationalen Währungsfonds bleibe die Verschuldungsquote in den USA noch mindestens bis 2016 über 100%. Allerdings würden die Zahlen für die USA im Vergleich zu Japan, das bei über 200% liege, minimal erscheinen.

Deutschlands Verschuldung sei scheinbar besser. Die Experten würden aber glauben, sie verschleiere das Risiko, dass das Land einen Teil der Schuldenlast stärker verschuldeter Mitgliedsstaaten der Eurozone übernehmen werden müsse. So genannte "risikolose" Werte - Staatsanleihen der USA, Deutschlands, Japans und Großbritanniens - würden diese Fundamentaldaten nach Meinung der Experten immer noch nicht wiedergeben und daher im Vergleich zu anderen Kreditinstrumenten überbewertet bleiben.

Bei weltweit besseren Wachstumsaussichten dürfte die Eurozone nach Erachten der Experten weiterhin hinterherhinken. Solange sich allerdings kein Katastrophenszenario entwickle, das zu einer Auflösung der Währungsunion führe - und die Europäische Zentralbank (EZB) gebe sich größte Mühe Bedenken in dieser Hinsicht zu zerstreuen -, könnte sich ein Null- bzw. niedriges Wachstum im größten Teil der Region als für Anleger positiv erweisen.

Obwohl Anleger die Effektivität der Geldpolitik der EZB, die darauf gerichtet sei, die Wahrscheinlichkeit einer Deflation in der Region zu minimieren, im Auge behalten müssten, biete der fehlende Inflationsdruck in den so genannten "Kernländern" der Eurozone nach Meinung der Experten eine potenziell positive Ausgangslage für Anleihen. Dies insbesondere auch in nicht-Kernländern, die positive Realzinsen ausweisen würden. Die Experten würden zwar kein weiteres Jahr überhöhter Erträge prognostizieren, wie die italienischer Anleihen 2013, würden aber bei den Anleihen dieses Landes übergewichtet bleiben. Sie würden nämlich denken, sie würden nach wie vor eine attraktive Risiko/Ertrags-Chance bieten.

Wenn die Zinsen in der Eurozone hinter denen in den USA noch einige Zeit zurückbleiben würden, könnte die potenzielle Differenz im Zinsprofil nach Ansicht der Experten dazu beitragen, dass europäische Anleihen US-Anleihen übertreffen würden.

Die fiskalpolitischen Belastungen der US-Wirtschaft hätten 2013 ihren Höhepunkt erreicht. Während die Kurzfristzinsen in den USA noch längere Zeit niedrig bleiben könnten, scheine es nach Meinung der Experten wahrscheinlich, dass die US-Zinskurve steiler werde, wenn Anleger erst die Erwartungen eines stärkeren Wirtschaftswachstums mit einpreisen würden. Weitere Maßnahmen der US-Notenbank Federal Reserve (FED) würden auch weiterhin von den Wirtschaftszahlen abhängen. Die Notenbank scheine bestrebt, ihre Absichten so klar wie möglich zu formulieren, um die Volatilität im Markt gering zu halten.

In Japan werde die Strapazierfähigkeit der Maßnahmen zur Stimulation der Wirtschaft des Landes wohl durch die Umsatzsteuererhöhung Anfang 2014 auf die Probe gestellt werden. Erste Schritte zur Bekämpfung der Deflation seien zwar ergriffen worden. Die Politik müsse sich aber nach wie vor an einer dauerhaften Bewältigung dieses Problems messen lassen.

Das enorme Volumen der Anleihenankäufe der BoJ könnte bedeuten, dass japanische Staatsanleihen noch eine Zeitlang überbewertet sein würden. Die Experten würden aber glauben, ein politischer Mix aus erhöhter Liquidität und Inflation werde aller Wahrscheinlichkeit nach von einer Währungsschwäche begleitet werden. Das wäre zweifelsohne ein willkommener zusätzlicher reflationärer Wirtschaftstreiber, wie bereits die Kursverluste des Yen Ende 2012 und Anfang 2013. Die Experten sähen daher derzeit keinen Grund, ihre Untergewichtung in japanischen Staatsanleihen oder dem Yen zu ändern.

Die Anleihenmärkte in Schwellenländern galten während des größten Teils des Jahres 2013 generell als von der Geldpolitik der FED bestimmt, so die Experten von Franklin Templeton. Ihre Erträge würden diese Sorge der Anleger widerspiegeln. Für die Experten sei diese Darstellung einer Gruppe von, im Großen und Ganzen, ähnlichen Ländern jedoch veraltet. Sie unterstreiche die Notwendigkeit eines kritischeren Ansatzes.

Einige Länder würden zweifelsohne Strukturschwächen aufweisen. Dies könnten überhöhte Leistungsbilanzdefizite oder Unbeweglichkeit im Markt sein. Sie würden eine beschleunigte Reformpolitik erforderlich machen. Viele hätten sich aber ihr positives Wachstum und im Vergleich zu den G3 (d.h. die USA, Eurozone und Japan) gesunde Fundamentaldaten erhalten. Der Ausblick der Experten in Hinsicht auf diese Volkswirtschaften bleibe weiterhin positiv. Außerdem würden sie nicht glauben, dass ein signifikanter und rasanter Anstieg der Zinsen in den USA, wie man ihn 1994 erlebt habe, mit den gleichen schädlichen Auswirkungen auf die Kapitalflüsse vieler Schwellenmärkte, im derzeitigen Klima oder in naher Zukunft plausibel sei.

Zusammenfassend lasse sich sagen, das Basisszenario der Experten zu Beginn 2014 bleibe unverändert: Eine weiterhin stetige, wenn auch unspektakuläre, Verbesserung der Weltwirtschaft. Vor diesem Hintergrund bleiben die Experten von Franklin Templeton bei ihrer insgesamt defensiven Durationshaltung sowie ihrer Präferenz für ausgewählte Gelegenheiten in Schwellenmarkt- und Unternehmensanleihen, bei denen ihnen die Fundamentaldaten im Vergleich zu so genannten "risikolosen" Werten attraktiver erscheinen. Die Experten möchten aber auch die Notwendigkeit einer Diversifizierung nach Ländern, soweit dies möglich sei, betonen. (Perspektiven Januar 2014) (10.02.2014/alc/a/a)