Erweiterte Funktionen

Globale Schulden auf Rekordstand - Schuldendienst wird zum Problem


29.12.21 12:18
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach einer neuen Statistik des IWF über den weltweiten Stand der öffentlichen und privaten Schulden ist Ende 2020 ein Rekordstand von USD 226 Billionen erreicht worden, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Das sei ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 28% auf 256% des globalen BIP. Anfang 2022 dürfte die Marke von USD 250 Billionen erzielt worden sein. Bei wieder steigenden Zinsen werde der Schuldendienst (Soll-Zinsen + Tilgungen) zu einem ernsten Problem. Auch langfristige Schulden mit niedrigem Zinssatz würden bei steigenden Inflationsraten schließlich nicht immer auf diesem Niveau bleiben. Corona-Virus und Klimawandel würden weiterhin die Haushalte belasten. Wie sollten diese außerdem noch die Sanierung der Infrastruktur finanzieren? Schulden von USD 300 Billionen Ende des Jahres seien keineswegs utopisch.

Etwas mehr als der Hälfte des Anstiegs von 28% würden auf die öffentlichen Schulden entfallen. Hierdurch sei die Schuldenquote dieses Sektors in Prozent des BIP auf 99% gestiegen. Auch die Verpflichtungen privater Haushalte und nicht-finanzieller Unternehmen hätten neue Höchststände erreicht. Die öffentlichen Schulden würden nun fast 40% des globalen Schuldenstandes ausmachen, der höchste Anteil seit Mitte der 1960er Jahre. Der steile Anstieg der öffentlichen Schulden seit 2007 sei maßgeblich auf die zwei großen Krisen zurückzuführen, die globale Finanzkrise von 2008 und die Corona-Krise.

Die Dynamik der Verschuldung unterscheide sich markant über die einzelnen Regionen. Die fortgeschrittenen Volkswirtschaften und China würden mehr als 90% des gesamten Anstieges von USD 28 Billionen in 2020 notieren. Die Entwicklungsländer dagegen hätten begrenzte Möglichkeiten zur Finanzierung und höhere Zinsraten.

Der Anstieg der öffentlichen Schulden von 19% des BIP in 2020 sei vergleichbar mit dem in den zwei Jahren 2008 und 2009 während der globalen Finanzkrise. Die privaten Schulden seien fast doppelt so stark gestiegen und würden die unterschiedliche Art der beiden Krisen widerspiegeln. Während der Pandemie hätten Zentralbanken und Regierungen die Schuldenaufnahme durch den privaten Sektor unterstützt, um ihren Lebensstandard zu schützen. Dagegen sei in der Finanzkrise 2008 der Schaden durch die exzessive private Verschuldung bekämpft worden. In manchen Regionen habe sich die öffentliche Verschuldung stärker als während der Finanzkrise in 2008 erhöht.

Mit den inzwischen steigenden Inflationsraten würden sich die Fehler der ultra-expansiven Geldpolitik rächen. Die EZB-Präsidentin Lagarde erwarte zwar im Laufe 2022 wieder einer Beruhigung des Preisauftriebs, doch könnte dies erst auf noch höherem Niveau eintreten und dort dauerhafter verharren.

Die Geldmärkte würden nur noch den Zustand der Liquidität bieten, doch negative Zinsen, Bankgebühren und Teuerungsraten würden zur Verminderung des Kapitals führen. Die Rentenmärkte hätten nach Abzug der Teuerungsraten über alle Laufzeiten negative Renditen und würden als Anlage ausscheiden. Die neu geschaffene Liquidität mittels quantitativer Lockerungen suche Anlagen, die zumindest Substanz bieten würden. Aktien- und Immobilienmärkte würden aber inzwischen schon eine hohe Bewertung ausweisen. Edelmetalle und Rohstoffe bleiben als vielversprechende Investmentmöglichkeiten, aber mit höherem Risiko, so die Analysten von "fairesearch". (Ausgabe vom 28.12.2021) (29.12.2021/alc/a/a)