Index der Arbeitskosten an der Schwelle zur Inflation


23.10.18 12:00
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach einem zehn Jahre lang anhaltenden Konjunkturaufschwung zeichnet sich für die Eurozone und für Deutschland eine Beruhigung ab, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Die Forschungsinstitute würden für 2018 und 2019 in beiden Regionen einen BIP-Anstieg von 2,1 und 1,9%, bzw. 2,2 und 1,9% erwarten. Die Beruhigung sei keine Rezession, das Tempo bleibe oberhalb des Durchschnitts der letzten zehn Jahre. In Folge des Konjunkturaufschwungs sei die Kapazitätsauslastung in der Eurozone auf 84% und in Deutschland auf 88% gestiegen. Hier zeichne sich ein deutliches Nord/Süd-Gefälle ab. Nördlich der Alpen und der Pyrenäen nähere sich die Auslastung der Schwelle zu mehr Inflation.

Der Arbeitsmarkt bzw. die Arbeitslosenquote sei ein Spätindikator. Während die Südperipherie der Eurozone noch immer eine hohe Jugendarbeitslosigkeit beklage, stöhne der Norden über einen schmerzlichen Mangel an Facharbeitskräften. Das gelte sowohl für die Produktion als auch für den Dienstleistungssektor. In letzterem sei der Mangel besonders gravierend. Krankenhäuser, Kliniken, Alten- und Pflegeheime könnten sich nur noch mit ausländischen Mitarbeitern, Aushilfen, Zeit- und Leiharbeiter behelfen und müssten bereits Zuschläge zahlen. Im Nahverkehrsbereich würden Lokomotivführer und Busfahrer fehlen. Im öffentlichen Dienst verursache der Personalmangel immer längere Verzögerungen. Der Arbeitskräftemangel habe in der Eurozone ein Rekordhoch erreicht.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute würden sogar von einer "Überauslastung" sprechen: "Damit wird die Überauslastung der deutschen Wirtschaft anhalten und der Lohn- und Preisanstieg sich weiter beschleunigen." Die Unternehmen dürften immer größere Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen. Historische Vergleiche würden zeigen, dass in einer solchen Situation die Arbeitskosten stärker ansteigen würden. Der Index der Arbeitskosten sei jedes Mal etwa zwölf Monate später angestiegen, nachdem die Personalknappheit an den Arbeitsmärkten sichtbar geworden sei. Die Personalknappheit sei im Dienstleistungssektor noch ausgeprägter als im Verarbeitenden Gewerbe. Bei dieser Korrelation müsste die Verteuerung der Arbeitskosten spätestens im Sommer 2019 einsetzen.

Die EZB wolle ihr QE-Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen erst zum Jahresbeginn einstellen und plane eine erste Leitzinserhöhung im Herbst 2019, doch der zunehmende Aufwärtsdruck auf die Preise dürfte schon früher einsetzen. Der Index der Lebenshaltungskosten steige zurzeit rund 2,1%. In 2019 dürfte er sich - ausgehend von den Arbeitskosten - der 3%-Marke annähern. Die Rentenmärkte würden solche Perspektiven frühzeitig vorwegnehmen und das Rafting der Staatsanleihen wieder stärker berücksichtigen. (23.10.2018/alc/a/a)